In Nordamerika bekommt man sie an jeder Straßenecke in vielen Varianten zum Kaffee – egal, ob mit Schokolade, Blaubeeren oder einfach nur mit Vanillegeschmack, Muffins gehören dort wohl zum am weitesten verbreiteten Süßgebäck. Hierzulande vollzieht sich der Siegeszug der knubbelig-weichen Küchlein noch eher schleppend.
Da man in Deutschland nicht an jeder Ecke ein Starbuck’s findet, muß man selbst Hand an die Backform anlegen. Und da geht es schon los: welche Art Backform – Metall, biegsames Silikon oder doch lieber ineinander gestapelte Papierformen – eignet sich? Und vor allem: welche Zutaten braucht man, und welche Rezeptvarianten gibt es außer Vanille- und Schokoladenmuffins noch?
Diese und andere Fragen brachten Christian Herren dazu, seine Muffin-Webseite mit Tips und Tricks und natürlich einer mittlerweile recht umfangreichen Rezeptdatenbank ins Netz zu stellen. Und weil es sich mit einer Hand an der Maus so schlecht backt, hat er die besten Tipps und Rezepte gesammelt und als Book on Demand herausgegeben. Dieses enthält neben dem Rezeptteil noch ein paar Seiten über die Geschichte der Muffins und eine kleine Anleitung, wie man die Süßspeise professionell verzehrt.
Außerdem – wer Muffins nur als Süßspeise betrachtet, der verpaßt die Hälfte. Muffins lassen sich nämlich nicht nur mit Schokolade, Nüssen, Cola (nun ja, Geschmäcker sind verschieden!) oder Pfirsichen backen, sondern auch pikant: mit Tomaten und Mozarella, mit Bier und Käse oder mit Räucherlachs und sogar – man sollte es kaum glauben – mit Gyros und Tsatsiki. Auch jahreszeittypische Rezepte werden im Muffin-Buch präsentiert, etwa Muffins zu Halloween, zu Ostern oder zu Weihnachten.
Im Gegensatz zu vielen anderen Koch- und Backbüchern wirkt dieses auf eigene Faust im Book-on-Demand-Verfahren herausgegebene Exemplar kaum durchgestylt, es gibt nur wenige farbige Abbildungen, der Fokus liegt ganz klar auf den Inhalten, nicht auf der Optik. Der Tonfall ist lockerer und direkter als in vielen vergleichbaren Koch- und Backbüchern, die Beschreibung der Rezepte ist auf das Minimum beschränkt – Zutaten, Durchführungsanweisungen, fertig. Dazwischen sollen kurze Texte ein wenig Auflockerung bringen, etwa die Beantwortung der Frage, ob man von Muffins mit Alkohol wirklich betrunken werden kann.
Warum der Autor im Vorwort behauptet, es gäbe kaum brauchbare Muffin-Backbücher auf dem Markt, bleibt hingegen schleierhaft – eine Schnellsuche bei Amazon fördert über 50 Titel zu Tage. In Anbetracht dessen muß man es schon als mutig bezeichnen, wenn man noch einen weiteren solchen Titel als Book on Demand herausbringt. Was dieses Buch aber – unabhängig von Inhalt, lustigen Anekdoten oder Layout – wirklich abhebt, ist die unkonventionelle Spiralbindung. Wer schon einmal in der Küche mit verklebten Fingern die Seiten im Kochbuch wieder und wieder gesucht und schließlich mit Flaschen oder ähnlichem beschwert hat, um ein Zuklappen zu vermeiden, der wird sich fragen, warum längst noch nicht mehr Kochbuchverlage auf diese Idee gekommen sind.