"Wow…, die Biographie von Robbie Williams ist da…, die muss ich haben! Der ist nicht wie du und ich, sondern ein ganz besonderer Mensch!" Warum denkt eigentlich jeder, Menschen, die ihr Geld mit Musikmachen verdienen, seien Homunkulustypen? Ein erfolgreicher Verkäufer von Parkettboden wird schließlich auch nicht ständig photographiert und interviewt.
Chris Heath, der den Mythos Robbie Williams zwei Jahre (2002-2004) lang begleitete, führt uns mit "Feel. Robbie Williams" genau diesen Trugschluss vor Augen. Siehe da, sein Projekt Menschlichkeit funktioniert! Und da sich ein Menschenleben, wie es sonst in Biographien üblich ist, schlecht in stupide Kapitel (Kindheit, Rebellion, Durchbruch) fassen lässt, unterlässt Chris Heath solche Einteilungsversuche und schildert dem Leser Szenen eines Menschenlebens. Durch diese Technik gelingt es Chris Heath, dass sich beim Leser nicht nur ein Bild vom Berufsalltag eines Musikers bildet, sondern sukzessive eine Skizze des Menschen Robbie Williams entsteht.
Doch das Ziel dieses Buches geht weiter, als uns zu zeigen, dass Robbie Williams ein Mensch aus Fleisch und Blut ist, der auch Gefühle und gelegentlich Darmausdünstungen hat. Im Kampf Robbies, zwischen Star- und Menschsein, sich selbst zu finden und ein Privatleben aufzubauen, zeigt uns der Autor wie beschränkt die heutige Gesellschaft ist. Stars werden bejubelt, weil sie "anders sein" spielen, in der Klatschpresse werden Oberflächlichkeiten diskutiert, als wären es essentielle Themen menschlichen Lebens und wie krank muss man eigentlich sein, um tagelang in einer Hotelbar zu kampieren, wegen eines Autogramms der heißgeliebten Künstlerfigur - Als sei es das Einzige, was im Leben zählt!
Sozusagen als natürlicher Reflex wird die Reaktion der Plattenbosse darauf beschrieben. In Vertragsverhandlungen scheint es seltener um die Musik eines Künstlers zu gehen, als um die Frage, wie gut er sich verkaufen lässt. Verkaufen heißt Geld verdienen und Geld regiert die Welt! Die Fanatiker schaffen diese Hölle des Scheins, denn würde Musik wegen ihrer Qualität gekauft, wäre sie auch wichtig.
Gestützt durch bildreiche Sprache, lustige Anekdoten des Berühmt-Seins und Zitaten eines Mannes, der diese Hölle leben muss, ist "Feel. Robbie Williams" mehr als die Biographie einer Künstlerseele. Reflektiert am Leben eines Stars wird hier die Gesellschaft kritisch beleuchtet. Im Grunde ist es kein Buch über die vermeintlich kranke Seele von Robbie Williams (Drogen, Depressionen), sondern über eine kranke Menschheit und sicherlich nicht nur interessant für Fans.
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Chris
Heath Feel Robbie Williams Aus dem Englischen
von Katharina von der Leyen Rowohlt Oktober 2004 gebunden
inkl. Fotos, 595 Seiten, EUR 22,90 ISBN 3-498-02980-0