Wussten Sie, dass Tolkien den Weihnachtsmann kannte? Oder dass er Europabefürworter war und Hitler für seine Korruption des germanischen Geistes hasste? Oder dass er auf Filmskripts reagierte wie ein eifersüchtiger Vater auf den ersten Freund seiner Tochter? Nicht? Das Tolkien-Lesebuch verrät Ihnen dies und noch viel mehr.
Eigentlich war der Vater des modernen Fantasy-Romans kein Romancier oder Schriftsteller. Außer den "Briefen an den Weihnachtsmann", die er jedes Jahr für seine Kinder schrieb, hatte sich Tolkien mit Leib und Seele seiner geliebten Sprachwissenschaft verschrieben. Hätten seine Verleger ihn gelassen, er hätte den Herrn der Ringe sicher in elbisch verfasst. Zum Glück ist es dazu nicht gekommen, und so können sich noch heute unzählige Leser an seinen Elben und Hobbits, Ents und Orks erfreuen.
Ulrike Killer hat ein umfassendes Oeuvre von wissenschaftlichen und fiktionalen Schriften des Autors zusammengetragen. Neben Vorträgen über die Vorzüge von Esperanto und anderen Kunstsprachen finden sich Auszüge aus familiären Briefen und solchen, in denen er die zahllosen Fan-Anfragen beantwortete. Doch auch die vertraut gewordenen Helden aus dem Herrn der Ringe sind vertreten. Neben Auszügen aus dem Kleinen Hobbit und dem Herrn der Ringe finden sich Kurzgeschichten und Kunstsagen, die auch den treueren Tolkien-Lesern unbekannt sein dürften. Und natürlich kommt auch der Polarbär, der beste Freund des Weihnachtsmannes zu Wort. Und wem das noch nicht genug ist, der wird direkt in das Haus seines Idols eingeladen, wie einst Humphrey Carpenter, der sich nicht wenig wunderte, einen beleibten älteren Herrn in einer bunten Weste vorzufinden, der sich ausgiebig über die Gesundheit von Mrs. Tolkien ausließ.
Pünktlich zu dem Erscheinen des Abschlusses der Kinoversion des Herrn der Ringe legt dtv ein Buch über den beliebten Autor vor. Die kommerziellen Hintergedanken seien dem Verlag verziehen, denn Das Tolkien-Lesebuch ist ein kurzweiliges, informatives Buch, das die verschiedenen Facetten des Ausnahmeschriftstellers und Wissenschaftlers ins beste Licht rückt. Wer die Werke von Tolkien schätzt, wird gerne einen Blick hinter die Kulissen seines Schaffens werfen, gleichzeitig wird allen "Neulingen" ein Einstieg in die Materie geboten. Und wer Fantasyromane partout nicht mag, kann sich ungestört mit den Gedanken eines ernstzunehmenden Linguisten auseinandersetzen.
Fazit: Eine sachliche Tollkien-Hommage - für Fans und Einsteiger gleichermaßen geeignet.