Dieses Buch führt einem volkswirtschaftliche Nöte und religiös-ideologische Engstellen vor Augen, beschreibt den gesellschaftlichen Diskurs über Folgen und Erfordernisse und lässt die Leserschaft schließlich an der konsensischen Konsequenz der Solidargemeinschaft teilhaben. Abschied, Exodus, Neubeginn lauten die Themen und schnell findet man sich in der Geschichte des kleinen Wikingerdorfes wieder.
Deren Phantasien von einer besseren Welt folgend durchleidet und durchlebt man die Auseinandersetzungen vor der großen Fahrt, die Unruhen und Unwetter während der tagelangen Suche im Meer der Hoffnung, die glücklosen und schmerzlichen Verluste nach langen Tagen und Nächten auf dem unendlichen Wasser und dann doch noch die von allem und für alle befreiende Ankunft im Gelobten Land Catan.
Anzeige Die Chance des totalen Neuanfangs begreifen alle als solidarische Aufgabe und ordnen sich ohne Murren dieser Doktrin unter. Die Not kennt keine Grenzen. Erst mit dem zaghaft aufkeimenden Wohlstand entwickeln sich alte - und neue - Vorbehalte, Abneigungen und Konflikte, deren Ursprung sich in Beziehungsdifferenzen und -annäherungen, im allgemein mitmenschlichen Spektrum als auch in besonderem Maße in den religiösen Glaubengrundsätzen liegen.
Das raue Miteinander, die immer noch stark mit überkommenen Glaubensgrundsätzen und Sanktionstraditionen behaftete Wikingergesellschaft erfährt schon bald eine tiefgreifende Spaltung. Die sich herausbildende Entwicklung demokratischer Visionen und liberaler Religionsfreiheit, die sich aufgrund von Liebesbeziehungen, der Konfrontation und Bewerbung christlicher Dogmatik und nicht zuletzt gleichgültigerer oder auch toleranterer Lebenssicht eines der Führungspersönlichkeiten der neu so zu bezeichnenden Cataner entzünden einen kaum zu bewältigenden Konflikt.
Die gut nachzuvollziehenden Ereignisse und Vorkommnisse verschaffen dem Roman die nötige Dichte, um anhaltend gespannt dem Geschehen zu folgen. Detailreich informiert beobachtet man den Alltag der Dorfgemeinschaft, ja oftmals auch der einzelnen Menschen in ihren Beziehungen und Abhängigkeiten. Gedanken und Emotionen vieler Einzelner werden dabei so augenfällig, dass es leicht fällt, selbst zu glauben, es handle sich um Nachbarn, die man seit Jahren kennt. Ihr Schicksal betrifft einen zeitweilig emotional so, als wäre es Bestandteil eigener Familiengeschichte.
Die leidvolle Zuspitzung gegen Ende der 800 Seiten ist konsequent und erschüttert, weckt aber das Interesse am Fortgang dieser Volksbiographie.
Die Siedler von Catan gäbe es sicher nicht ohne das gleichnamige Gesellschaftsspiel höchster Güte - bräuchte es allerdings auch nicht.Die Autorin hat erneut ihren Einfallsreichtum und ihre Liebe zur Historie sowie zur Akribie in Recherche und Erzählung unter Beweis gestellt.