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Schreiben wie gemalt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hans-Peter Roentgen, am 16-07-2003 09:59
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Mit Wörtern malenJeder, der schreibt, kennt diesen Satz: "Du beschreibst zuviel". Einer der häufigsten Fehler von Anfängern, die darin schwelgen, ihre mühsam erdachten Schauplätze, ihre tollen Figuren bis ins Einzelne zu beschreiben. "Streichen!", heißt die übliche Empfehlung in solchen Fällen. Doch wehe, irgendwann lautet die Rückmeldung der Leser: "Mir fehlen die Bilder". Ohne Beschreibung kommt nämlich keine Geschichte aus. Aber welche Beschreibungen gehören in den Text, welche nicht? Wie beschreibt man, ohne den Leser zu langweilen, so, dass wirklich Bilder in seinem Kopf entstehen?

Diesem Thema hat Rebecca McClanahan, selbst Autorin und Leiterin vieler Creative Writing Kurse, ihr Buch gewidmet. Sie beginnt mit dem Auge des Betrachters - jeder Autor muss lernen, Einzelheiten wahrzunehmen und zwar die Einzelheiten, die wichtig sind. Eine Liebesgeschichte erfordert andere Details als ein Krimi, selbst wenn beide in der selben Stadt, in der selben Wohnung spielen würden.

Und wie drücke ich aus, was ich sehe? Die Übersetzung der Wahrnehmung in die Worte; die verschiedenen Formen von Wahrnehmung (Sehen, Hören, Riechen, Fühlen); Ähnlichkeiten zu erkennen und in Metaphern zu verwandeln; Charaktere und Schauplätze beschreiben; die Perspektive einer Erzählung sind weitere Themen.

Die Autorin bringt uns ein Thema näher, das gerne vernachlässigt wird ("Show, don't tell", "Streich die Beschreibungen"). Sie zeigt, wie man auswählt, was man beschreibt, wie man den Beschreibungen Leben verleiht und sie in den Dienst der Geschichte stellt, ja die Geschichte damit vorantreibt - oder verlangsamt, um die Spannung zu steigern. McClanahan ist Lyrikerin, das merkt man. Ihre Beispiele stammen oft aus der Lyrik, sind aber grade deswegen auch für Prosaschriftsteller interessant. Sie zeigen, wie man mit Sprache "malen" kann.

"Die grundlegende Technik, Beschreibungen lebendig zu gestalten, ist eine aktive, lebendige Sprache", sagt sie und dafür liefert sie auch Beispiele:

"Eine Weile warfen wir das Heu hoch, weit, kreuz und quer. Es war so am Zaun verkeilt, dass uns Heugabeln nichts nützten, nur mit den Händen konnten wir es herausziehen; wie rann uns der Schweiß, aber wir holten die armen Tiere lebendig heraus, darunter auch meine alte Pet." Oder: "der rechte Arm meines Vaters endete nicht in einer Hand, sondern hörte am Ellbogen auf, in einer knorpeligen Schwellung. Wie ein gestutzter Baumstamm gegen den Himmel steht - so war der Armstumpf meines Vater."

Doch Vorsicht. Gute Beschreibungen können unerwartete Folgen haben: "Unsere Hauptfigur fängt an, in einer Stimme zu reden, die die ganze Geschichte auf den Kopf stellt, alles, was bisher passiert ist, aufhebt [...] Das haben wir am meisten gefürchtet: Die Wahrheit, Mutter Wahrheit meldet sich zu Wort, umringt von all den kleinen Wahrheiten, ihren Kindern, die beißen, kratzen und uns am Ärmel ziehen. Wir hatten geglaubt, wir könnten uns mühelos durch diese Geschichte schummeln, ohne jemandem wehzutun; und plötzlich nimmt die Geschichte Fingerabdrücke und zwar unsere eigenen."

Jedes Kapitel im Buch endet mit einigen Übungsaufgaben. Nach meiner Meinung sind diese allerdings häufig in der Aufgabenstellung zu abstrakt geraten. Auch in der zweiten Hälfte des Buches gibt es Stellen, die mangels Beispielen arg theoretisch wirken. Trotzdem halte ich das Buch für empfehlenswert. Natürlich ist es kein Buch für Anfänger, wohl aber für Autoren, die schon einige Schreibpraxis haben und ihre Beschreibungen überdenken möchten - oder müssen.

Redakteur: Hans-Peter Roentgen

Informationen zum Buch

Sie können das Buch bequem online bei unseren Buchhandelspartnern bestellen:

Weiterführende Links / Besprechungen bei uns

Rebecca McClanahan
Schreiben wie gemalt
Deutsche Übersetzung: Ulrike Bischoff
340 Seiten, Verlag Zweitausendeins
ISBN 3-86150-444-8, 17,80 €
(nur in Zweitausendeins Läden und
www.zweitausendeins.de)

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Letztes Update: 06-10-2006 17:05

Veröffentlicht in : Buch, Ratgeber
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