Er fühlte sich mehr als „Gynäkologe denn als Liebhaber“ so Daniele Cernilis Antwort auf die Frage, ob die Verköstigung von nahezu 25.000 italienischen Weinen (sic!) eher Lust oder Last gewesen sei. Knapp vierzehntausend davon wurden aufgenommen in den neuen „Vini d’Italia 2003“, eine Gemeinschaftsproduktion vom Verlag Gambero Rosso (dt. roter Krebs), der Arcigola Slow Food und wird in Deutschland vom Gräfe und Unzer/Hallwag Verlag publiziert.
Auf der Pressekonferenz des neuen “Vini d’Italia 2003” mussten sich Cernilli(Herausgeber) vom Gambero Rosso und Gigi Pumatti von Slow Food sich auch fragen lassen, ob die Bewertungskategorie (kein Glas=korrekter Wein bis drei Gläser=Spitzenwein) bei den Drei-Gläser-Weinen gerecht sei, denn einige der Topligisten hätten eine etwas holzige Note. Dies sei jedoch beim Barique-Ausbau, der Einsatz kleinerer Holzfässer, durch das zunehmend subtropischere Klima Italiens und in Zukunft, aufgrund von Klimaschwankungen, noch öfter zu erduldende Nachteil dieser Methode – el niño als galliger Flaschengeist.
Die Qualität italienischer Weine sei generell weiter angestiegen, wobei die Toskana mit 62 Spitzenweinen an Piemont mit 60 Spitzenweinen vorbeigezogen ist, so Gigi Piumatti von der Arcigola Slow Food. Die Bewegung Slow Food wurde 1986 in Italien gegründet, nicht zuletzt als Reaktion auf etwas, was in Italien heftige Proteste auslöste(wesentlich heftiger als in Frankreich): die US-Fast-Food-Kette McDonald's eröffnete an der Piazza di Spagna in Rom ein Schnellrestaurant. Fast Food sollte man mit Slow Food begegnen, so die Idee. Die Bewegung Slow Food bezieht sich dabei auf einen 1983 gegründeten Verband, Arcigola, und zählt heute in Italien 295 Ortsgruppen und mehr als 25 000 Mitglieder.
Der „Vini d’Italia 2003“ ist, so sein Selbstanspruch, ausschließlich ein Weinführer und mit der verlagseigenen Dreier-Kategorisierung (Einsteiger, Kenner, Spezialisten) für Kenner und Spezialisten. Wer zusätzlich etwas über das Anbaugebiet, Speisenempfehlung, ausführliche Weinbeschreibung erfahren möchte, dem sei das im selben Verlag erschienene „Lexikon der italienischen Weine“ (Enoteca Italiana) empfohlen.
Nach der Pressekonferenz galt es sich von der Unfehlbarkeit der Weinpäpste zu überzeugen: über 200 der 250 Topweine Italiens standen zur Degustation bereit – und die von mir probierten (acht Stück) konnten einem nur mäßig geschulten Gaumen bestehen.
Die Frage nach dem Preis? Ein Montepulciano d’Abbruzzo Villa Gemma (kirschig, viel Säure, volles Potential in zwei bis drei Jahren) von Gianni Masciarelli soll im Handel 9 Euro kosten. Ein Amarone della Valpolicella Vignetto di Monte Lodoletta ‚97 (beerig, schlicht umwerfend) wird im Handel 200 Euro kosten.