Mal Hand aufs Herz - wann haben Sie das letzte Mal ein Kochbuch in der Hand gehalten, bei dem Sie dachten: "Das ist doch einmal etwas wirklich neues"? Das Sortiment der meisten Buchhandlungen und Kochbuchverlage bietet auf diesem Sektor viele Variationen über wenige Themen: Mit italienischer, mediterraner oder fernöstlicher Küche, kochen schnell, leicht und kalorienarm, und dem obligatorischen Buch über Trennkost ist die Auswahl meist schon erschöpft.
Wer sich wirklich neue Welten des Kochens erschließen will und eine gewisse Portion Aufgeschlossenheit, besser noch: Mut mitbringt, der könnte an dem vorliegenden Buch seine Freude haben: Die Hauptzutaten aller Rezepte sind in der Regel nicht einmal fingergroß, und die meisten Menschen würden mit ihnen eher Ekel und sommerliche Plagen verbinden denn kulinarische Genüsse.
Das schreckt Sie nicht? Gut, dann werfen wir doch einen Blick in das Inhaltsverzeichnis und stellen ein leckeres Menü für den nächsten Besuch der ach so lieben Verwandtschaft zusammen. Wie wäre es zur Vorspeise mit Ameisenpuppensuppe, als Hauptgericht knusprig gebratene scharfe Heuschrecken, dazu einen leckeren Junikäfersalat, und als Nachtisch karamelisierte Mehlwürmer? Später zum Knabbern kann man dann vielleicht noch ein Schälchen geröstete Termiten auf den Couchtisch stellen.
Noch skeptisch? Dann werfen wir doch erst einmal einen Blick in den einführenden Informationsteil, der kaum eine Frage rund um die exotische Zutat "Insekt" unbeantwortet läßt. Man erfährt, daß Insekten vermutlich schon in der Steinzeit zum menschlichen Speiseplan gehörten und in vielen Kulturen noch heute gehören. Daß Heuschrecken im Schnitt nur ein Fünftel so viel Fett wie Rindfleisch, dafür aber viermal soviel Eisen, Termiten sogar zehnmal soviel, und daß Insekten natürlich sehr proteinhaltig sind.
Außerdem wird dem Leser als Argument für den Verzehr des kleinen Krabbel- und Fluggetiers genannt, daß in Zeiten von Salmonellen, BSE, Schweinepest, MKS und Nitrofen bei Insekten keine Belastungen bekannt sind. Daß das auch daher kommen könnte, daß deutsche Gesundheitsämter noch keine Grillenzucht genauer unter die Lupe genommen haben, muß man als aufmerksamer Leser allerdings im Kopf ergänzen.
Immer noch dabei? Gut, dann geht es jetzt buchstäblich ans Eingemachte, nämlich an die Herstellung des beliebten Snacks "Gefüllte Grille". Das Buch lehrt uns den korrekten Umgang mit der ungewöhnlichen Nahrung: "Hierzu müssen sie zunächst im Gefrierschrank abgetötet werden. [...] Danach wird der Kopf ergriffen und kräftig nach unten gezogen. Die Haut im Nacken sollte dabei aufreißen, dadurch wird der Schlund der Grille freigelegt. Ergreifen Sie ihn nun und ziehen Sie ihn kräftig heraus - dabei wird sich der Magen mit dem Anfang des Darmtrakts aus der Grille ziehen lassen."
Abgerundet werden die 34 allesamt aus dem thailändischen Raum stammenden, reich und appetitlich bebilderten Rezepte durch den bereits erwähnten Informationsteil sowie Bezugs- und Zuchttips. Ob Sie das Buch nun zum munteren Nachkochen, zur rein informativen Horizonterweiterung oder als alternative Nervenkitzellektüre lesen wollen, amüsant und lehrreich ist es allemal.
Ingo Fritzsche & Bubpa Gitsaga Das Insektenkochbuch - Der etwas andere Geschmack 80 Seiten Seiten, Natur und Tier Verlag ISBN 3-931587-69-X
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