Die Sommergeschichte beginnt, als eine junge Frau ohne Gedächtnis, dafür aber mit den Allüren eines reichen Mädchens, in den Tempel der „Glücklichen Sklaven Gottes“ stolpert und von einer höheren Macht in den selbstzufriedenen Mönch Bliss Swami, geb. Dexter, „verliebt wird“. Was folgt, ist so abwegig, dass es eigentlich nur in New York spielen kann - oder an jedem anderen Ort, an dem Amor nicht nur blind sondern auch leicht verrückt ist.
Die junge Frau, die sich selbst Venus nennt, hat keine Ahnung, dass sie als berüchtigtes „Steakmessermodell“ von der gesamten New Yorker Polizei gesucht wird. Nachdem sie ohne Gedächtnis neben einer Männerleiche aufwacht, vertraut sie sich blindlings dem Schicksal an, und das führt sie geradewegs in den Tempel der Glücklichen Sklaven Gottes, eine kleine multireligiöse Gemeinde Gestrandeter und Ausgestoßener, die sich unter der zweifelhaften Führung des zwergenhaften Möchtegerngurus Toga zusammengefunden hat. Der spannt die verwöhnte junge Frau gleich für den Tempeldienst ein, und tatsächlich bleibt sie. Sie hat sich nämlich Hals über Kopf in den riesenhaften Mönch Bliss Swami verliebt, der den Aufmerksamkeiten der verwöhnten High Society Göre recht hilflos gegenübersteht.
Doch eine Sommergeschichte wäre keine Sommergeschichte, wenn nicht auch der hartgesottenste Heilige irgendwann weich würde, und so entschließen sich die beiden zu heiraten, nach Togas Vorbild natürlich zu einer Josefsehe. Doch eine verzauberte, wahnsinnige Nacht voll Sex und Muffinteig scheint nicht nur das Leben der beiden sondern auch das der anderen glücklichen Sklaven Gottes und eines frustrierten Kommissars für immer zu verändern. Dann graut der Morgen …
Venus ist eine eigenwillige Liebesgeschichte, die sich jenseits der gängigen Erzählstrukturen bewegt und dabei doch liebevoll mit dem Klischee spielt. Das reiche Mädchen und der Mönch ist ein Motiv, das spätestens seit den Dornenvögeln zum weltweiten Tränendrücker geworden ist, doch Else Buschheuer gelingt eine ironische Brechung, indem sie mit einem mysteriösem „uns“, das die Geschicke der Figuren immer wieder leitet und in noch abstrusere Situationen drängt.
Und dann sind da noch die Charaktere selber, die unabhängig von literarischen Meriten einfach liebenswert sind. Ob sie nun Toga, Benito oder Kuki heißen, sie wirken bei aller Überspitztheit so lebensecht und mit ihren ganzen Macken so menschlich, dass man unwillkürlich Anteil an ihren Schicksalen nimmt. Und so folgt man der Sommergeschichte gerne in das heiße New York, in dem überirdische Magie einen modernen Sommernachtstraum schafft, der – wie Shakespeares unsterbliches Vorbild – seinen ganz eigenen Gesetzen folgt.
Fazit: Schrilles Großstadtmärchen mit liebenswerten Helden