Der junge indische Informatiker Arjun Mehta träumt von der großen Karriere in Amerika, doch alles was ihn erwartet ist ein mäßig bezahlter Job als Programmierer in einer zweitklassigen Firma. Als der auch noch gestrichen werden soll, holt Arjun zum Gegenschlag aus. Er vermischt seine Kenntnisse über Computerviren mit seinen romantischen Kinoträumen und setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die globale Bedeutung erlangt.
Arjun Mehta kennt die schöne Leela nur von der Kinoleinwand, wo er den kometenhaften Aufstieg des schönen Bollywood-Stars mit verlangenden Augen verfolgt. Daran ändert sich auch nichts, als er die ausgeflippte Amerikanerin Chris in sein Leben lässt, deren bisexuelle Promiskuität den traditionell erzogenen jungen Inder vollkommen überfordert. Als er von seinem neurotischen Chef gefeuert wird, benutzt Arjun das Gesicht seines Stars als Computervirus. Doch der Versuch, seinen Chef zur Rücknahme der Kündigung zu bewegen, geht entsetzlich schief.
Anzeige Eines der Opfer, die Arjun nie kennen lernen wird, ist der erfolgreiche Londoner Geschäftsmann Guy, der mit schönen Worten und aufgewärmten Ideen ganz nach oben gestürmt ist und dort an der Seite seiner Luxusfreundin Gaby das Leben in vollen Zügen genießt. Er glaubt an seinen unerschütterlichen Erfolg, bis Leela, die echte und die virtuelle, ihm einen Strich durch die teure Rechung machen.
Wie verletzlich die schöne Illusion von Internet und elektronischer Kommunikation, die die Menschen auf der ganzen Welt einander näher bringen soll, ist lange bekannt. Jeden Tag gibt es neue Virenwarnungen, die die User in Angst und Schrecken versetzen. Hari Kunzru verleiht in seinem satirischen Gesellschaftsroman Grayday dieser Angst ein literarisches Gesicht. Mit scharfer Beobachtungsgabe portraitiert er in seinen fünf Hauptfiguren Arjun, Guy, Gaby, Chris und Leela Typen der modernen Kommunikationsgesellschaft, deren moralische Leere sich vom Big Business bis in die Unterhaltungsbranche erstreckt.
Arjun, der den erstickenden Schoß der Familie verlässt, um sein Glück zu machen, wird mit einer Welt konfrontiert, die er nicht versteht. In seiner Rolle zwischen Jedermann und schuldlos-schuldigen Tragödienheld provoziert er eine Katastrophe und betrachtet die Folgen mit den erstaunten Augen eines Kindes. Beispielhaft werden drei mögliche Auswirkungen auf Menschen und ihre Karrieren aufgezeichnet, die ihren Reiz daraus ziehen, dass sie ebenso überzeichnet wie denkbar sind. So entsteht auf sprachlich hohem Niveau ein Spiel um Schein und Sein, das nicht nur die Gefahren der Globalisierung aufzeigt sondern auch die gesellschaftlichen Hintergründe, vor denen diese Gefahren überhaupt erst zum Tragen kommen.
Fazit: Intelligente Gesellschaftssatire zum Lachen und Nachdenken