spacer
spacer
Logo



 
Hauptmenü
Startseite
Suche
Buch
Hörbuch
Film zum Buch
Vorschau
Videos
Magazin & Interviews
Autoren
Verlage
Forum
News
Service
Branchenbuch
Extras
Shop
Newsletter
Mediadaten/Werbung
Impressum
Newsletter
Wöchentliche Buchtipps, Buchpakete gewinnen & Neuigkeiten - Hier abonnieren

Hinweise zum Newsletterversand
Zu Google hinzufügen
Fügen Sie die literature.de-Rezensionen zu iGoogle hinzu
 

Startseite arrow Forum arrow NEU : Triff deinen Autor

literature.de-Forum  


Redaktion
Benutzer

Meisterfeder
Beiträge: 141
graph
Karma: 8  
Klicken Sie hier, um das Profil des Benutzers anzuzeigen
Kiste - 2008/06/25 10:38 Beteiligen Sie sich mit Ihrem Text (max. 3500 Zeichen inkl. Leerzeichen) zum Thema "Kiste" bis zum 20.07.08.

Stellen Sie Ihren Beitrag hier als Antwort hinein.

Zu gewinnen gibt es drei Exemplare von "Black Box" aus dem Heyne Verlag.

Bitte die Regeln beachten.

  | | Dieses Thema ist gesperrt.
miklos_muhi
Benutzer

Regelmäßiger Schreiber
Beiträge: 34
graphgraph
Karma: 7  
Klicken Sie hier, um das Profil des Benutzers anzuzeigen
Zauber - 2008/07/04 11:10 Er saß im kargen, fensterlosen Zimmer auf einem Metallstuhl. Neben der Tür stand ein Polizist. Der Kommissar, der ihn befragt hat, ist vorerst gegangen – eigentlich besser so; obwohl der Mann nur seine Arbeit macht, sind die Fragen, die immer wieder gestellt werden kaum mehr auszuhalten.

*

Natürlich sollte der Abend nicht so enden. Als er den Angebot für einen Vertrag vom Casino Baden-Baden bekam sah die Welt ganz anderes aus: Der Große Durchbruch, das Große Geld und die feine Gesellschaft kamen endlich in Reichweite. Jede freie Minute hat er für den Auftritt gearbeitet, geprobt, das Drehbuch immer wieder verbessert, er träumte sogar jede Nacht seine eigene Show.

Er sprach mit unzähligen Bewerberinnen für den Posten der „bezaubernden Assistentin“, wie es in der Branche heißt; er wollte eine perfekte Assistentin oder zumindest eine, die perfekt aussah und auch die Tricks lernen konnte. Dann gingen die Proben wieder von vorne los, bis alles reibungslos funktioniert hat.

Seine Freunde waren stolz auf ihn, seine Kollegen waren neidisch ohne ende – ein gemachter Mann, wie es heißt, aber erst nach dem Probeauftritt vor dem ausgewählten Publikum, auch bekannt als Mitglieder des Vorstandes. Danach nur die Unterschriften und das beste Publikum war für Jahre gesichert.

*

Kommissar Tiberius Nelson betrat wieder den Raum, nahm auf dem anderen Stuhl platz und legte einen Order mit dem merkwürdigen Titel „Spusi“ auf den Tisch.
„Wollen Sie reden?“ – fragte der Kommissar mit monotoner Stimme
„Ich denke, ich habe Ihnen und Ihren Kollegen schon alles sogar mehrmals gesagt. Lesen Sie einfach den Protokoll oder hören Sie sich die Aufnahmen an ...“
„Sind Sie sich sicher dass sie keinen Anwalt wollen ... oder einen Arzt?“
„Ja, das bin ich und habe beides schon schriftlich gegeben. Was wollen Sie denn noch?“
„Wo ist Frau Heller?“
„Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht, ich weiß es nicht! ... Ich habe irgendwie den Eindruck, dass Ihnen heute schon mehrmals erwähnt zu haben.“
„Wenn ich Märchen will, dann lese ich die Gebrüder Grimm! Ich will aber keine Märchen, also los ...“

*

Der Höhepunkt der Show sollte das Verschwinden der bezaubernden Assistentin aus einer schwarz lackierten Holzkiste sein. Das war das A und O in seiner Konzept, das musste perfekt laufen. Geprobt wurde bis es beiden davon schlecht geworden ist, bis jeder Handgriff saß und man vom Zuschauerraum aus gar nichts vom Trick sehen, hören oder fühlen konnte. Um die Spannung zu steigern gab es eine Pause von etwa acht Minuten vor der letzten Nummer in der Show.

Diese Zeit verbrachte er mit Meditation in einem stillen Raum, wobei er das ganze Schritt für Schritt durchdacht hat: Jeden Handgriff, jede Geste und er stellte sich vor, dass er die Kiste öffnete, dass die Assistentin in die Kiste trat, dass er den Deckel schloss, dass er den so genannten Zauberformel murmelte und dass er dann den Deckel wieder öffnete und die Kiste war leer.

Nach der Pause fühlte er sich ausgeruht und ruhig, zu ruhig eigentlich, aber lief genau so, wie er sich während der Meditation vorgestellt hatte.

*

„Also, nochmal: Wo ist Frau Heller?“
Er antwortete nicht, denn es hatte keinen Sinn mehr. Er hat den besten Trick seines Lebens vorgeführt und er hatte keine Ahnung, wie er das gemacht hat. Eigentlich war es kein Trick, es war echt. Sein Fehler war, dass er keine einzige Gedanke während seiner Meditation darauf verschwendet hat, dass seine bezaubernde Assistentin die Kiste verließ und sich hinter der Bühne versteckt hat.
  | | Dieses Thema ist gesperrt.
Phineas
Benutzer

Gerneschreiber
Beiträge: 13
graphgraph
Karma: 1  
Klicken Sie hier, um das Profil des Benutzers anzuzeigen
Die Hasenkiste - 2008/07/04 14:28 Totale des Raums. Langsamer Zoom auf eine verrottete Holzkiste, die zwischen alten Gartengeräten steht. „Die Schmidt'sche Hasenkiste“, sagt Karöttchen mit ihrer Moderatorinnenstimme. „In diesem verfallenen Eigenbau aus dem 50er Jahren hat sich heute am frühen Morgen eine Tragödie ereignet, die drei jungen Hasen das Leben gekostet hat.“
Durch Halbdunkel in den Innenraum. Altes Stroh klebt auf dem Boden, zusammengehalten von Kot und Urin. Hier und dort liegen Ostereier, geschmückt mit Pfotenabdrücken.
„Es stinkt fürchterlich“, sagt Karöttchen. „Wie können Hasen nur so leben?“
„Wirklich schrecklich“, bestätigt Mümmel, der Kamerahase. Er greift nach vorn und schaltet die Videoleuchte ein. Ihr Lichtkegel durchschneidet den Schatten. Eine Spinne zwängt sich durch eine Ritze im Holz.
„Abstoßend! Meine Damen und Herren, ich weiß nicht, wie viel Sie von den Zuständen vor Ort mitbekommen, aber ich kann Ihnen sagen: Es ist fast unerträglich, hier zu stehen.“
Großaufnahme: ein roter Fleck. Der Boden ist aufgekratzt. Haarbüschel hängen an den Wänden.
„Schaurige Szenerie“, kommentiert Karöttchen. „Überall klebt Blut.“
„He! Was haben Sie am Tatort verloren?“, tönt eine Rammlerstimme. Die Kamera wackelt und ruckt herum.
„Ah. Einer der Ermittler. Ich werde versuchen, ihn für ein Interview zu gewinnen.“
Ein alter Hase mit grauem Fell kommt ins Bild. Sein Mittelscheitel reicht vom Kopf bis zum Schwanz. Bekleidet ist er mit einer Krawatte, auf der ein goldenes Dienstabzeichen prangt, und einem breiten Ledergürtel. In seinem Maul hängt ein Möhrenlolli.
„Versuchen können Sie's.“ Grinsend schiebt er den Lolli per Zungenantrieb von einer Backe zur anderen.
„Wie heißen Sie“, fragt Karöttchen.
„Kommissar Rhabarber, Mordkommission.“
„Könnten Sie ...“
„Wendet euch an die Pressestelle.“
„Hier, nehmen Sie“, flüstert Mümmel. Der Kommissar sieht nach unten. Seine Augen werden groß.
„Natürlich berichte ich der Öffentlichkeit gern, wie der Stand der Ermittlungen ist.“ Zoom-out. An Rhabarbers Gürtel hängt ein frischer Bund Rübenkraut. Er lächelt.
„Ich helfe der Presse wo ich kann.“
Schwenk auf Karöttchen. Sie nickt. „Können Sie unseren Zuschauern sagen, was hier geschehen ist?“
Rhabarber halbnah. „Eine schlimme Sache.“ Der Kommissar seufzt. „Ein Dreifachmord an Einjährigen. Seltsame Burschen ... Es ist unmöglich zu verstehen, was in den Köpfen junger Hasen vorgeht. Als ich noch jung war, vor fünf Jahren ...“
„Was meinen Sie damit?“, unterbricht ihn Karöttchen.
Rhabarbers Kopf in Großaufnahme. Er wirkt nervös. „Die Jungs gehörten zu einer Gang – nichts Ungewöhnliches in solchen Ställen –, haben sich das Fell lila angesprüht und einen auf cool gemacht. 'Yo Knusperhase!' und so weiter ... Sie wissen schon: Hippe-Hoppler.“
Beide halbnah. „Könnten die Morde Folge eines Bandenkriegs sein?“
„Nein.“ Rhabarber schüttelt den Kopf.
„Aber denken Sie nicht, dass das Ausmaß der Gewalt ...“
„Wir haben einen Verdächtigen.“
„Ach, wirklich?“, flötet Karöttchen. Ihr Ohr zuckt, wie immer, wenn sie verärgert ist. „Und? Sagen Sie den Zuschauen, um wen es sich handelt?“
„Es ist das Wiesel, das die Morde gemeldet hat. Cleverer Bursche, hat überall Osterdekoration ausgelegt, um die Sache als Ritualmord zu tarnen.“ Rhabarber deutet auf die Eier. „Aber uns täuscht er nicht.“ Er lächelt selbstbewusst.
„Sie können den Verdächtigen überführen?“
„Das ist immer die gleiche Geschichte mit diesen Wieseln.“
„Ja?“
„Verhafte eins und du hast auf jeden Fall einen Schuldigen.“

Beitrag bearbeitet von: phineas, um: 2008/07/20 09:22
  | | Dieses Thema ist gesperrt.
Raniero
Benutzer

Regelmäßiger Schreiber
Beiträge: 24
graphgraph
Karma: 4  
Klicken Sie hier, um das Profil des Benutzers anzuzeigen
Re:Kiste - 2008/07/16 19:14 Hintersinn

Voll Wut blickte der Chefredakteur der elektronischen Literaturzeitschrift auf den Monitor, wo sich ihm in voller Größe ein unbekleidetes Hinterteil entgegenstreckte.
Der Redakteur war nicht darüber aufgebracht, dass ihm dieses im Internet widerfuhr - da war er schon anderes gewohnt – sondern darüber, dass der obszöne Anblick aus seiner eigenen, seriösen Zeitschrift herrührte.
Genauer gesagt entnahm er das Foto dieses Körperteils einem Userprofil, das die Redaktion für alle eingeschriebenen Teilnehmer eingerichtet hatte.
Diese User nahmen an Schreibwettbewerben und anderen Foren teil, indem sie ihre geistigen Ergüsse via Internet zusandten, und jedem war es freigestellt, in seinem Profil neben persönlichen Daten auch sein eigenes Konterfei zu veröffentlichen, damit alle wussten, mit wem sie es zu tun hatten.
Nicht alle aber taten dieses, und so kam der Chefredakteur auf die Idee, alle säumigen Schäfchen aufzufordern, es doch den anderen gleichzutun und ebenfalls persönliche Fotos einzuschicken, damit die Daten komplett wären.
Nun aber hatte er den Salat, in Form eines sehr persönlichen Fotos, das ihm aus dem Profil eines männlichen Users unerbittlich ins Auge stach.

Nachdem er sich vom ersten Schreck erholt hatte, schickte er dem jungen Mann eine Nachricht folgenden Inhalts, bei der er in der Aufregung vom üblichen Du zum steifen Sie überging:

„Sie Schmierfink, nehmen Sie sofort das Photo mit Ihrer unanständigen Kiste aus meiner Zeitschrift! Wir sind ein seriöses Blatt und möchten dies auch bleiben.“

Kurz darauf schon erhielt er eine Antwort von dem fassungslosen Teilnehmer,
der ihm verstört mitteilte, dass es sich bei dem in Rede stehenden Hinterteil keinesfalls um das Seinige handele.
Darüber hinaus, fügte er hinzu, handele es sich auch nicht um eines aus seinem Familien- oder Freundeskreis - als unumstößliche Beweise für seine Behauptung legte er gut zwei Dutzend entsprechende Fotos bei - und er könne sich auch nicht erklären, auf welche Weise dieser Hintern in sein Profil hineingelangt sei.
Nun war guter Rat teuer, für den geplagten Chefredakteur.

Annähernd zwei Dutzend entblößte Hinterteile hatte er vor sich und sollte ad hoc entscheiden, ob eines davon dem jungen User zugeordnet werden konnte.
So geht das nicht, befand er und rief das Redaktionsteam zu einer Sondersitzung ein.
Dieses Team bestand aus zwölf Personen, ihn selbst eingeschlossen, und war paritätisch besetzt; sechs muntere Damen und ebenso viele Herren.
Als er diesen auseinandergesetzt hatte, worum es sich handelte und hierbei die ‚Beweisfotos’ von Hand zu Hand reichen ließ, stieß der anrüchige Anschlag auf helle Empörung; bei den männlichen Teilnehmern der Sitzung mehr noch als bei den Damen, bei denen sich auf manchem Gesicht sogar ein Schmunzeln abzeichnete. Offenkundig hatten einige noch nicht richtig den Ernst der Lage eingeschätzt.
Genau das aber verlangte der Chef, eine exakte Einschätzung der Situation.

Zuerst kamen alle Mitarbeiter übereinstimmend zu dem Schluss, den er selbst zuvor gezogen hatte; dass zwar alle Fotos eine gewisse Ähnlichkeit aufwiesen, was bei Verwandten nicht auszuschließen sei, bei Freunden allerdings die Ausnahme bilde, dass aber der angebliche Hauptbeweis, das corpus delicti aus dem Userprofil diesem Mann nicht eindeutig zugewiesen werden konnte, es sei denn, man führe eine Beweisaufnahme in den Räumen der Redaktion durch.

Während sich die Damen diesem Vorschlag nicht abgeneigt zeigten, wurden sie von den männlichen Redakteuren mittels der Chefstimme, die doppelt zählte, mit dem Hinweis überstimmt, man lebe in einer Demokratie und könne von einem User nicht so ohne Weiteres verlangen, seinen Hintern hierher zu bewegen und das gute Stück auch noch als Beweisstück sichern zu lassen.
Ein weiterer Vorschlag, von allen anderen Usern, ungeachtet des Geschlechts, Fotos zum Vergleich einzufordern, wurde auch verworfen, wiederum unter Hinweis auf Demokratie und Datenschutz.

Zum Schluss aber einigte sich das Team auf einen Kompromiss:
versuchsweise sollte für eine Probezeit ein zusätzliches Forum mit dem Titel ‚Hintersinniges’ eingerichtet werden.

In diesem Forum könnten die User dann machen, was sie wollen.
  | | Dieses Thema ist gesperrt.
Frag
Benutzer

Gerneschreiber
Beiträge: 15
graphgraph
Karma: 3  
Klicken Sie hier, um das Profil des Benutzers anzuzeigen
Re:Kiste - 2008/07/17 20:06 Unsere Kiste

Er streicht über das Holz der Kiste. Es ist mit klarem Lack überzogen und fühlt sich weich an. Wie ein Babypopo, könnte man sagen. Er sagt es nicht. Seine Finger folgen dem langen Lauf der Geraden, streichen verspielt über den schwungvoll geformten Deckel der Kiste. Er nickt sich bestätigend zu. Der Kauf hat sich gelohnt.

Er sieht seine Frau, sieht das andere Auto, sieht das gebrochene Glas. Er presst die Augen zusammen und schüttelt den Kopf, als könne er so die Gedanken vertreiben.

Er hebt den Deckel an. Der Geruch von frischem Holz schlägt ihm entgegen. Und tatsächlich ist die Kiste im Innern nicht lackiert. Er schließt die Augen und inhalliert tief den Duft des Holzes. Warm, weich, es riecht wie in der Werkstatt seines Vaters. Er öffnet die Augen. Seine Finger streichen über das weiche Samt, mit dem der Boden der Kiste ausgelegt ist. Weich schmiegt es sich an seine Finger. Rot leuchtet es. Ein dunkles Weinrot. Er liebt diese Farbe auf Anhieb.

Er hätte sie retten können. Hat in Gedanken immer wieder das Lenkrad herum gerissen. Der Wagen wäre in den Gegenverkehr gerast, vielleicht dort Frontal kollidiert. Aber das wäre besser gewesen. Airbags, Knautschzonen, Sicherheitsgurte. All das ist auf einen Frontalcrash ausgelegt. Wenn der Wagen von der Seite gerammt wird, bringt es nichts.

Er zieht seine Schuhe aus. Steigt in die Kiste, legt sich Probe. Er ist schon jetzt zu müde, um wieder aufzustehen. Seine Hand gleitet in seine Tasche. Seine Finger schließen sich um das kleine Flakon. Eine durchsichtige Flüssigkeit ist darin. Er weiß es. Weiß, was sie seinem Körper antut.

Er sieht seine Frau vor sich. Die Augen geschlossen. Das Haar zerzaust. Blut fließt über ihr Gesicht. Glassplitter sind in ihrem Haar, auf ihrer Bluse. Dann schließt sich der graue Deckel. Die Männer tragen die Kiste mit seiner Frau fort.

Er greift nach dem Deckel, führt den Flakon an die Lippen. Zieht den Deckel zu und trinkt.

Er sieht seine Frau. Lachend. Ihn küssend.
  | | Dieses Thema ist gesperrt.
Kristallia131313
Benutzer

Gelegenheitsschreiber
Beiträge: 5
graphgraph
Karma: 1  
Klicken Sie hier, um das Profil des Benutzers anzuzeigen
Zechpreller - 2008/07/20 00:36 Zechpreller

„Wenn ich noch einen Kaffee bestelle würden sie sich dann zu mir setzten?“ Hoffnungsvoll blickte der junge Mann die hübsche Bedienung an. Zuerst hatte sie seine Bitte mit einem Lächeln ignoriert, die nächsten Male war sie ruppiger geworden. Ein übler Scherz oder eine dumme Männerwette hatte sie gedacht und dem Gast die kalte Schulter gezeigt. Aber nun, nach der 29ten Tasse, wurde sie langsam weich. Als ihre Schicht endete und die Kollegin für die Spätschicht übernahm setzte sie sich zu dem jungen Mann, der so hartnäckig um ihre Gesellschaft gebeten hatte. Schnell stellte sie fest, dass er nett war. Nett und witzig. Er war noch nicht allzu lange in der Stadt und das war das erste Caffee, dass er besucht hatte. Eigentlich hatte er ja gar nicht lange bleiben wollen, meinte er aber dann... Er sah sie vielsagend an. Sie konnte spüren wie sich ihre Wangen rot färbten, bei diesem schönen Kompliment, denn der junge Mann war kurz vor der Hauptgeschäftszeit am Morgen gekommen und nun wurde es draußen bereits dunkel. „Ihr Handy klingelt.“, meinte sie zu dem Gast. Eigentlich klingelte sein Handy schon seit Stunden, alle 10 Minuten.
„Das kann warten.“, erwiderte der Mann grinsend. „Ist nur mein Boss. Der Mann will mich endlich loswerden.“, die Kellnerin hob fragend eine Augenbraue. „Tja, wissen sie eigentlich sollte ich meine letzte Lieferung schon vor Stunden abliefern.“ Er deutete auf eine kleine Holzkiste neben sich. Ein grob zusammengezimmertes Ding mit einem behelfsmäßigen Griff daran. „Meine letzte Lieferung.“, er seufzte trübsinnig.
„Sie müssen ihren Job sehr geliebt haben.“, meinte sie voller Anteilnahme. Es war schwer einen guten Job zu finden in diesen Zeiten. „Aber sie finden bestimmt wieder Arbeit in ihrem Beruf.“, fügte sie aufmunternd hinzu. Der Mann lächelte dankbar für die gut gemeinten Worte. „Leider ist es in meiner Branche vorbei, wenn man einmal in meiner Situation ist. Wissen sie ich war Jahre lang wirklich mit Leib und Seele dabei.“ Er sah sie mit einem sehr merkwürdigen Gesichtsausdruck an. „Manchmal vergisst man einfach wie schön das Leben doch sein könnte.“
Dann ging plötzlich alles sehr schnell. Sie grübelte noch über die Bedeutung dieser Worte nach, als der Mann aufstand, seine Kiste mit der einen und das Handy mit der anderen Hand packte. Er umrundete den Tisch und drückte der verdutzten Kellnerin einen sanften Kuss auf die Wange. „Tut mir leid ich hatte nie vor zu bezahlen.“, flüsterte er ihr ins Ohr und nahm dann die Beine in die Hand. Der Zechpreller war schon einige Meter auf die Straße hinaus gelaufen, als sie die Tür erreichte. Er hatte sich zu ihr umgedreht, lächelte sie an und ging an sein Handy. Die Explosion drückte die Fenster ein und riss die Besucher des Caffees zu Boden.
  | | Dieses Thema ist gesperrt.
spacer
Suche
Anzeige
Anmeldung
Warum anmelden?
Mehr erfahren...
Statistik

9.377 Rezensionen, 1.530 Autorenporträts,  1.944 Clubmitglieder, uvm.

Wer ist Online
Aktuell sind 590 Gäste online und 1 Mitglied online


Hörbücher hier herunterladen!

Impressum  |  Kontakt  |  AGB  |  Blog  |  FAQ  |  Werben auf literature.de  |  Presse  |  Jobs  |  RSS-Feeds

Partner: frueherlesen | blaetterrauschen | Zu Google hinzufügen

© 1998-2008 literature.de - literaturschau-mediendienst und content-newmedia.de  |  litstats

Alle Rechte vorbehalten - kein Teil der Inhalte darf auf anderen Seiten / in anderen Medien ohne Zustimmung von literature.de verwendet werden!

Empfehlungen:

spacer