Juli - 2008/07/04 07:52Bis zum 30.07.08 können Sie sich mit Ihrem Text am Wettbewerb von write&change beteiligen. Der Text soll sich mit dem unten eingestellten Bild beschäftigen!
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Re:Juli - 2008/07/09 17:54Scharf schneidet der Sand in meine Zehen. Die Hornhaut nützt nichts. Und dazu dieser bestialische Gestank der Robben. Wie ihre eigenen Kadaver wälzen sie sich stinkend am Strand. Ekelhaft. Ich übergebe mich dreimal auf eine Sandburg. Heute morgen hat eine Frau sie gebaut. Sie hatte einen roten Bikini an.
Die Sonne war ziemlich hell. An das rot kann ich mich erinnern. Ganz genau sogar. Gleich danach dachte ich an Edgar Alan Poe. Ob man die Robben wohl einmauern kann. Ein Verlies. Ha! Ein Robben Verlies. Und daraus BioGas gewinnen. Ist doch in aller Munde, BioGas. Alles nur wegen der Steuer.
Ich finde Atomkraft gut. Stinkt wenigstens nicht. Die Fußspuren im Sand werden von den Stinkern verwischt. Sie kriechen widerlich über den Strand. Es könnte so schön sein. Diese Würmer. Diese Ratten. Dieser Gestank. Ein roter Bikini. Wie schön.
Ich vergrabe mein Erbrochenes unter der Sandburg. Alles nur wegen dieser zu groß geratenen Seemaden. Verdammt. Und was ist das. Ach ja. Ha! Ja! Der rote Bikini. Und ich denke an das verräterische Herz. Ha!
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miklos_muhi
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Es war ein mal - 2008/07/16 12:40Von Oben strahlt die warme Junisonne, links der Nordsee, rechts die Überbleibsel des zweiten Weltkrieges in ihren neuen Rollen, als Denkmäler. Barfuß schreite ich über den Sand und ich spüre ihn: Warm, trocken und manchmal nass.
Die alten Wehranlagen, Stein gewordene Zeugen von Schwachsinn und Krieg, lasse ich hinter mir und komme in den Frieden an. Statt fragwürdigen Denkmäler gibt es jetzt einen betonierten Bürgersteig, verweht vom typischen gelben Nordseesand. Es riecht ganz diskret nach Salz und Algen, die Gaststätten, Clubs und andere Trink- und Essgelegenheiten bereiten sich auf den erhofften Ansturm von Touristen.
Die Sonne kokettiert frech mit der endlosen Wasserfläche am Horizont, sie schaut sich im Wasserspiegel an und errötet sich langsam, als sie ihre eigene Flecken so brutal zur Gesicht bekommt und versinkt vor Scham.
Als die Sonne den Nordsee berührt, sitze ich schon auf der Terrasse eines der Gaststätten, mit dem Gesicht nach Westen. Es gibt Lachssalat und Apfelsaft. Der Holländer mit dunklem Haut bedient mich mit Freude, ich sei sein erster Gast heute Abend.
Die Sonne ist schon fast versunken und die Terrasse füllt sich allmählich, die Stille der Wellen und des Windes löst sich in vielen holländischen Gesprächen auf, die gesunde salzige Luft wird vom Tabakrauch verpestet. Ich bin satt, Durst habe ich auch nicht mehr und die Landschaft schmerzt mir immer mehr. „Zahlen“, winke ich dem Wirt zu und er kommt prompt mit der Rechnung.
„Ich kenne Sie doch ... “ – sagte der Wirt mit einem guten Schuss Unsicherheit in seiner Stimme – „Sie sind schon mal hier gewesen, stimmt es?“ „Wie kommen Sie den darauf?“ „Diesen Akzent kann man einfach nicht vergessen ...“ – grinste er breit und ich verzichtete darauf, ihm über seinen deutschen Akzent zu erzählen. „Ja, das stimmt, Sie haben Recht.“
Ich bezahle die Rechnung und der Wirt erlebt einen Ansturm der Erinnerungen: „Ja, genau, ich habe sie sogar fotografiert, mit der untergehenden Sonne im Hintergrund, zusammen mit Ihrer Freundin. Wie geht es ihr ...“
Mein Gehör war weg, meine Augen füllten sich mit Tränen; die ganze Landschaft verwandelte sich in unscharfen und formlosen Flächen aus gelben, grünen, blauen und roten Tinte. Der Wirt hörte sofort auf und entschuldigte sich nach einer kleinen Pause. „Geen probleem ...“ -- murmelte ich und konnte dem Schmerz nichts mehr entgegen zu setzen. Zog meine Schuhe an und schritt zur Haltestelle der Straßenbahn. Meine Tränen versalzten und befeuchteten die Luft auf dem ganzen Weg zurück nach Delft.
„Sie war nicht meine Freundin im allgemeinen Sinne, aber sie war meine einzige Hoffnung der Einsamkeit zu entkommen. Doch viele Geschichten enden mit Verlust, Schmerz und noch mehr Einsamkeit. Happyend gibt es anscheinend nur im Kino.“ – murmelte ich, als die Tür des kleinen Hotelzimmers hinter mir ins Schloss fiel, aber niemand konnte oder wollte es hören.
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Drellas
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Re:Juli - 2008/07/16 15:44Tun und lassen
Als Mädchen mit geflochtenen Zöpfen wollte Liesbeth immer nackt in den Fluss hineinpreschen, damit ihre Haut das Wasser ganz und gar aufsaugen konnte - ohne den nassen Lappen von Badeanzug. Jahre später schlich sie eines Sommernachts mit einem Mann, für den sie schwärmte, zum Fluss: Nackt tasteten sie sich hinein; schwammen, lachten. Nass warf sie sich außer Atem in den warmen Sand. Der Mann suchte nach einem Handtuch. In Hosen hockte er auf einem Stein und heiratete eine andere.
Auf dem Rücken ihres Ehemannes zogen Narben ihre Wege; er wollte sie nicht zeigen. Liesbeth fuhr allein mit den beiden Kindern zum Fluss. Eine Ehefrau und Mutter zeigte sich nicht mehr nackt - nur die Kleinen. Am Abend danach nahm sie immer ein Wannenbad. Nach und nach erzählte ihr der kleine Spiegel im Badezimmer immer mehr Geschichten von der Landschaft ihrer Beine: Hügel erhoben sich und Senken kerbten sich ein. Ihre Brüste schwollen an wie Quallen, die sie einmal mit den Kindern am Strand gefunden hatte. Sie lächelte darüber, denn das Wasser strich immer noch wie Fingerspitzen um jedes Stück Haut herum. Dabei träumte sie von einem Bad im Meer. Sie stünde allein und bloß im Wind, der am Nacken vorbei wischte und zwischen ihren Beinen hindurch glitt. Ihr Mann starb, der Sohn verließ kurze Zeit später als letzter mit seiner Familie die Stadt. Bis dahin hatten seine Kinder mittags bei Liesbeth gegessen und Hausaufgaben gemacht. Die Schwiegertochter sagte über den letzten Teller Bohnensuppe hinweg: „Jetzt kannst du endlich tun und lassen, was du willst.“
Jetzt ist Liesbeth alt und allein.
Heute Mittag kommt sich Liesbeth unverschämt vor, als sie den Fernseher anstellt: eine Dokumentation über die Nordsee mit Bildern von Möwen, Fischkuttern, die immer weniger fangen, Stränden, die in der Sonne leuchten. Das Meer kommt Tag und Nacht, stiehlt den Sand, besonders jetzt im Winter. Könnte sie hinfahren? Zumindest für einen Tag; zumindest Wind im Gesicht; vielleicht Wasser an den Zehen? Nein, sie würde warten müssen, bis die Sonne den Wind wieder erwärmt hatte. Dann könnte sie ein Kleid anziehen und am Strand umherspazieren, ganz ohne Strümpfe und vielleicht auch ohne Schuhe? Der Wind würde um ihre Waden wehen und ihre Dauerwelle verwüsten. Aber - was ist jetzt im Winter? Draußen schlittern Autos über das Kopfsteinpflaster. Heute Morgen trugen die Kinder Schals und Mützen auf dem Weg zur Schule. Vielleicht sollte sie ein Bad nehmen. Mittags? Ihr Mann hatte immer über die Wasserkosten geschimpft – zu Recht. Aber sie wünscht sich doch Wind, Sommerwind, der vom Gesicht hinab zu den Zehen fließt wie eine Dusche – nur ohne Wasser. Und nackt will sie dabei sein. Nackt, wo ist sie das heute noch? Beim Arzt, wenn’s irgendwo weh tut. Hier? Im Bad, und vielleicht im Bett – aber nur unter der Decke. Im Wohnzimmer? Zwischen den Möbeln, die noch jünger sind als sie? Ihre Kanten sind abgestoßen; das Holz bleicht immer mehr aus – wie ihre Haut. Nur Flecken zeigen sich immer mehr: Zuerst sind es nur Schatten in Gelb. Die verwandeln sie sich in ein Braun - wie Schokoladenreste. Auf Hals und Händen wogt ein Meer von Falten: Die Adern liegen auf den Wellen hoch oben über den schmalen Schluchten. Gibt es einen Strand, an dem sie sich so sehen lassen kann? Das Fernsehen zeigt im Sommer ständig, wie junge Menschen nebeneinander im Sand liegen. Der Wind ist auch ohne Liesbeth beschäftigt. Sie muss eben warten: Worauf? - Nur bis zum Sommer… Würde sie dann wirklich fahren? Ganz allein? Noch so lange hin… Der Wind scheucht einen Wolkenschatten über den Strand und den Bildschirm. Liesbeth zupft an ihren bunten Kniestrümpfen, zieht sie ganz aus. Die Hacken scheinen durch, aber für zu Hause gehen sie noch. Die Nylons darunter sind ihr auch zu viel. Fort mit ihnen! Der Teppich piekst in ihre Fußsohlen. Nur im Sommer läuft sie manchmal barfuß durch die Wohnung - wenn es keiner sieht. Liesbeth zieht ihre Hosenbeine über ihre Knie und wandert auf ihrem ausgetretenen Weg vom Sessel zum Fernseher. Daneben ist der Teppich noch höher und weicher. Ihre Wadenhärchen stellen sich auf. Darüber rollt eine Wolke die Beine hinauf und wieder hinunter. Dann legen sich die Härchen wieder gelassen nieder. Liesbeth lässt sich in ihren Sessel fallen und strampelt sich aus ihrer Hose. In Baumwollunterhosen tapst sie zum Spiegel im Flur. Ihr Lachen hallt von Wand zu Wand und wieder zurück. Sie schlägt die Hände vor den Mund; kichert dahinter weiter – wie damals in der Nacht am Fluss. Zu einem Rund gebogen stehen ihre Beine von den Hüften ab. Unter den Knien drückte sich die Haut zusammen wie bei einem Akkordeon ohne Luft. Lächelnd stapft Liesbeth den Flur hinunter, kehrt um, ins Wohnzimmer bis zum Sessel und schnell noch einmal zurück. Am liebsten hätte sie vor Gänsehaut gejubelt, aber es ist Mittagsruhe und sicher wird sie bald frieren. Es ist eben kein Sommer. Doch ein Bad? Zumindest eine Dusche. Danach könnte sie sich trocken laufen, hier in der Wohnung - so ein Quatsch! Das alles für ein bisschen Sommerwind. Sie würde abwarten - oder sie könnte die Heizung höher drehen? Das schlägt sich auf die Nebenkosten nieder. Mit ihrer Witwenrente kann sie nur kleine Sprünge machen. Auf dem Bildschirm schleckt ein gebräuntes Mädchen im Bikini an einem Eis und kichert, als es die Filmkamera entdeckt. Mit Rehsprüngen verschwindet es zwischen den Sandburgen. Nur ihre Fußsohlen sind noch weiß. Wie viel Wind wirbelt sie auf; wie viel… Liesbeth tapst ins Bad, greift an den Haken neben den Spiegel und kichert wie das Mädchen. Zurück am Sessel zieht sie den Stecker der Stehlampe aus der Dose, drückt einen anderen hinein. Ihr Daumen auf den Schalter und warme Luft strömte durch die Stube. Liesbeth lächelt ihn an, den Fön in ihrer Hand. Im Sessel zurücksinkend schließt sie die Augen. Es schreien die Möwen. Die Wellen schäumen an den Strand. Sommerwind streicht ihre Beine hinauf und hinunter. Bis zum Meer sind es nur noch ein paar Schritte.
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IIQ
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Re:Juli - 2008/07/18 12:17Trübsal in Zeiten der Erosion
Natürlich ist unsere Welt. Funkelnd tauchst du neben mir auf, frische Kühle spritzend nach diesem heißen Tag. In deinen Augen der Glanz der Weite und Tiefe des Ozeans. Natürlich ist die Welt. Und vielleicht auch nicht.
Da ist die Schlacht die jenseits der Zeiten tost – ohne jeden Tropfen Blut. Denn eine schimmernde Träne ist letztlich nur salziges Wasser. Der Krieg begann bevor deines Vaters Vater auszog, anmaßend Grenzen neu zu ziehen. Und er wird noch andauern wenn deines Sohnes Sohn Sand und Staub, und mit ihm natürlich die ganze Welt.
Manchmal, wie heute mit nur sanfter Härte. Im ersten rosa Morgenlicht, oder jetzt golden von der warmen Abendsonne beleuchtet, wenn kein Hauch Gewalt verheißt. Der Schönheit nicht achtend, mit Millionen von Söldnerinnen, Welle um Welle die Gegner zermürbend. Manchmal auch unter riesigen schicksaldrohenden hellschwarzen Wolken in peitschend - heulendem Sturmangriff. Sich auftürmend zum Berg der Berge bedeckt. Während Du an deinem Ofen sitzt, deine Katze auf dem Schoß, Tee schlürfend.
Ja es gab epochale Siege – da wurden sie mächtig und erhoben sich aus der schäumend zischenden, körperlosen Masse. Fest wie Granit und uneinehmbar wie Babylon verteitigend die feuchte neue grüne Heimat. Trutzige schwarze Burgen des Zynismus. Außen verteitigt mit Zinnen und Schützen und dann mit Kerker und Rohrstock auch nach Innen. Schließlich mit aller Macht den zerrinnenden Rest zusammenhaltend, doch der Tränen sind mehr.
„Und genießt du es?“ Fragst du und lächelst. „Ist es nicht herrlich hier?“
Allein, der Weg der Träne ist auch kein leichter. Nach endlos langem, scheinbar ziellosem Umherirren wirft sie sich in Todesverachtung gegen die Mauern und stirbt im nächsten Augenblick den staubigsten aller Tode. Und doch wird sie wieder kommen – wieder kämpfen – wieder sterben – wieder siegen... Nicht allein, sondern mit Divisionen Schwestern. Und sie werden sich wiederholen was ihnen genommen und mehr.
„Wie könnte ich genießen auf der wüsten Erde zu liegen, bei dem Schlachtenlärm, während zu Hause die roten Felsen bröckeln?“ denke ich und sage: „Es ist wunderschön.“
Tausende Perlen glänzen auf deiner Haut. Der Weg war umsonst.
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Siebenschläfer
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Re:Juli - 2008/07/21 14:57Fundstücke im Archiv
„Guck mal, …!“Serena pfiff leise durch die Zähne. „Das ist ja n’ Ding … musst du dir unbedingt ansehen“. Knut brummte unwillig. „Ich bin gerade mitten in einer wichtigen Sache.“ „Ach, komm schon“, insistierte seine Kollegin, die fasziniert auf ihren Bildschirm starrte. Widerstrebend ging Knut zu ihrem Arbeitsplatz hinüber und dachte wehmütig an früher, als er allein in einer Box gearbeitet hatte. Vor einigen Jahren hatte jedoch eine Studie belegt, dass sich die Produktivität durch soziale Kontakte steigern liess. Obwohl durch zwischenmenschliche Kommunikation natürlich wertvolle Zeit verloren ging, war die geleistete Arbeit insgesamt besser und der Ertrag somit grösser. „Was, meinst du, ist das?“ Gespannt sah Serena zu Knut auf. „Hm, schwierig zu sagen. Scheint ein Strand zu sein. Das muss aus der Zeit datieren, bevor sich der Meeresspiegel anhob. Und die Punkte … könnten Autos sein; diese fahrbaren Blechbüchsen, mit denen sich unsere Vorfahren fortbewegten. Der Strand soll übrigens ein beliebtes Ausflugsziel gewesen sein.“ Knut schüttelte den Kopf. „Die waren schön blöd damals; legten sich freiwillig an die Sonne.“ „Du bist aber auch nicht gerade helle, was?“, spottete Serena. „Siehst du etwa Fahrspuren im Sand? Was meinst du, wie die Dinger da hingekommen sind? Überleg doch mal, wir arbeiten gerade am Jahr 2008: Tennismatches, Eisbären … das grüne Zeitalter eben. Die Luftkissentechnik wurde erst zu Wasser angewendet.“ „Du hast recht“, Knut runzelte die Stirn. „Was könnte das denn sonst sein?“ „Seehunde!“ sagte Serena triumphierend. „Eine ganze Kolonie von Robben, die sich am Strand ausruht.“ „Tatsächlich?“ Interessiert beugte sich Knut etwas tiefer über die Aufnahme. „Gab’s die denn damals noch?“ „An der Nordsee schon, an der Ostsee waren sie zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich selten. Zwanzig Jahre zuvor hatte eine Seuche, durch ein Virus ausgelöst, zwei Drittel der Population dahingerafft. An der Nordsee konnte sie sich zwischenzeitlich wieder etwas erholen, was auf die Kappe einiger fanatischer Tierschützer ging. Im Laufe der Jahre stieg aber die Belastung durch Umweltgifte so stark an, dass das grosse Fischsterben einsetzte und die Nahrungsquelle der Tiere versiegte." „Da scheint sich wieder mal wer in ein altertümliches Thema verguckt zu haben“, feixte Knut. „Waren die denn nicht gefährlich? Scheinen ja ziemlich gross gewesen zu sein“. „Das war tatsächlich der Grund, wieso die Tierschützer zurückgepfiffen wurden. Ursprünglich waren die Tiere recht gutmütig. Doch mit dem Hunger büssten sie ihre gute Laune ein. Ein, zwei Vorfälle, bei denen eine Robbe einen Strandgänger bedrohte, lösten weltweites Entsetzen aus und die Seehunde wurden zum Abschuss freigegeben. Das war das Ende dieser Spezies. Schade eigentlich, findest du nicht?“ „Tja“, Knut zuckte die Schultern, „lange hätten sie es doch sowieso nicht mehr gemacht.“ „ Hm... trotzdem …weisst du, manchmal frage ich mich …“ Serena blickte nachdenklich in den tropischen Urwald , der an der Wand vor ihr simuliert wurde. „Wie es wäre, wenn die Natur noch existieren würde?“ Knut lächelte spöttisch. „Es Strände und Wälder gäbe, Pflanzen und Tiere? Dann gäbe es auch noch eine Reihe anderer Dinge, die uns im Laufe der Zeit ziemlich unangenehm wurden. Komm, Kindchen, lass das Träumen. Es gibt uns, das ist das Wichtigste, oder?“ Serena nickte und nahm ihre Archivierungsarbeit wieder auf. Doch lange, sehr lange klang sein letztes Wort in ihr nach: „Oder …?“
Mallorca 2050 - 2008/07/23 12:07Diese Geschichte erreichte die care&click Redaktion per Email und ist von André Kamphaus geschrieben:
Mallorca 2050
Einst waren wir es, die dort lagen; es ist noch gar nicht lange her. Wir kamen und wir gingen mit der Sonne. Ganze Sommer lang verbrachten wir am Strand, dort wo der Wind die Sonne kühlt und das Meer die Hitze lindert. Wir wagten es, die Kleidung abzulegen, wir wagten es, was damals noch kein Wagnis war. Es war schön, die Haut gebräunt zu sehen, sie wurde glatt und fest von Luft und Wasser. Wir flogen her aus kalten Ländern und legten unsre winterblassen Körper auf den Sand, in die Sonne; das war der Grund für unser Kommen. Irgendwo ans Meer, ans Ende zog es uns, an irgend einen sonnenreichen Ort.
Wir mieteten uns ein in himmelhohe Häuser und strömten nach dem Frühstück raus ans Meer. Dort lagen wir zu vielen und wandten uns der Sonne zu, die in sommerlangen Bahnen ihre Strahlen ungehindert zu uns sandte. Was sollte es Schöneres geben, als diesen Wechsel zwischen kühlendem Meer und wärmendem Licht! Die Zeit durfte langsam vergehen, die Stunden am Meer waren heilig, es fehlte uns nichts, obgleich wir nichts taten.
Dass wir in Wahrheit sehr vieles taten, obwohl wir nichts taten, das machten wir uns nur allzu selten bewusst. Wir dämmerten in der Mittagshitze vor uns hin und hörten das Meer vor uns rauschen. Was es uns aber sagte, sagen wollte, darauf achteten wir nicht. Wir lagen rücklings auf unsern Frotteetüchern und sahen über uns die nächsten Urlauber kommen oder andere verschwinden. Die Geräusche der Maschinen störten uns beim Träumen nicht, sie gehörten längst hierher wie das sanfte Schlagen der Wellen. Alles lud zum Träumen ein, zum Baumelnlassen der Seele, zum Fallenlassen des Drucks, der daheim im kälteren Norden unser aller Alltag bestimmte.
Doch baumelten unsere Seelen nicht umsonst. Im Gegenteil, der Preis dafür war unabsehbar hoch. Denn heute müssen wir meiden, was einst die größte Wonne war; die Sonne ist ein Feind geworden, den es zu meiden gilt. Mag das Meer auch noch so herrlich glänzen, mag der unberührte Sand auch noch so viele Träume in uns wecken: Wir haben dort nichts mehr verloren. Und schon sind andere da, an unserer Stelle, duldsame Rückkehrer, die Schuld tragen an nichts, aber mittragen an allem, was wir verschuldet haben.
Beitrag bearbeitet von: Albrecht Mangler, um: 2008/07/23 14:18
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Kristallia131313
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Re:Juli - 2008/07/26 16:21Strand
„Sehen sie sich das nur an!“ Unsicher warf die junge Frau einen verstohlenen Blick zu ihrem Auftraggeber hinüber. Mit einer Mischung aus Sorge und ohnmächtiger Wut starrte der feiste Hotelbesitzer auf den Strand hinab. Worüber regte sich der Mann nur so auf? Sie sah wieder zum Meer hinüber. Die Sonne brannte vom Himmel, hinunter auf die unzähligen Urlauber, die sich zwischen Sonnenschirmen und schäumenden Wellen tummelten. Alles Hotelgäste und dem Anschein nach überaus zufriedene Gäste. Sie kniff die Augen zusammen und versuchte irgend etwas ungewöhnliches an diesem Urlaubstraum zu entdecken. „Womit habe ich das nur verdient!“, jammerte der dicke Kerl vor sich hin. Sie sah ihn genervt an. In ihren Augen hatte der Mann keinerlei Grund zu klagen, andererseits wäre alles in Ordnung bräuchte er keine PR-Agentin. „Ich darf sie daran erinnern, dass sie mich nicht stündlich bezahlen, Herr Meier. Wenn sie also die Güte hätten mir zu sagen wo denn nun das Problem liegt?“ Der Dicke sah sie überrascht an. „Reden sie immer so mit ihren Kunden?“, erwiderte er entrüstet. „Meine Kunden sind in der Regel verzweifelt und wollen schnelle und prompte Lösungen von mir.“ Der Hotelbesitzer sah sie beleidigt an, rief sich dann allerdings ins Gedächtnis, dass auch er verzweifelt war. „Was denken sie was das hier ist?“ Er grub seine Wurstfinger in den warmen Sand und hielt ihr eine handvoll davon unter die Nase. Missbilligend hob sie eine Augenbraue. „Sand?“, fragte sie in einem Tonfall, der dem Mann klarmachen sollte was sie von seiner Frage hielt. „Plastik!“, fauchte der Mann und warf das Zeug von sich. „Alles?“, fragte sie atemlos. „Nein, natürlich nicht.“, murmelte der Dicke, während er sich angewidert die Hand an der Hose abwischte. „In einer Probe wurden 5% davon entdeckt, aber meine Experten sagen mir es wird täglich mehr! Stellen sie sich vor, wenn meine Gäste davon erfahren! Zumachen kann ich! “ Wütend trat er gegen eine der Plastikdünen. „Erstens woher kommt das Plastik und zweitens wie sollte jemand davon erfahren?“ Mit gezücktem Stift sah sie ihn erwartungsvoll an. „Ähh, ungünstige Meeresströmungen, die den ganzen Müll, der im Meer schwimmt hier anschwemmen. Wobei das Zeug vorher durch irgendwelche mechanischen Einwirkungen zerrieben wurde oder sich aufgelöst hat und jetzt winzig klein ist.“ Es fiel ihm sichtlich schwer sich zu erinnern, was seine Experten nun genau gesagt hatten. „Aber es ist immer noch Müll und das verdammte Meer benutzt meinen Strand als Müllhalde!!“, brüllte er wütend. Einige Köpfe drehten sich zu ihm um. „Jedenfalls, kommt hier bald eine Prüfkommission vorbei. Bei einem Kollegen 100 km weiter nördlich waren sie auch schon.“, flüsterte er weiter. „Hmm“, machte sie nur und kritzelte eifrig in ihren Notizblock. Als sie fertig war wandte sie sich lächelnd dem Mann zu. „Keine Sorge Herr Meier, ihr Problem ist so gut wie gelöst.“
Vier Tage später war folgendes in der Zeitung zu lesen: Ein beispielhaftes Projekt zur Säuberung der Meere ist still und heimlich an unserer schönen Küste ins Leben gerufen worden. Durch ein vollkommen umweltschonendes Spezialverfahren wird im Meer treibender Kunststoff aus dem Wasser gezogen und als hygienischer Rohstoff zur Aufschüttung des hiesigen Strandes verwendet. Umweltbewusste Urlauber sind dermaßen begeistert von dieser bahnbrechenden Idee dass sich der Initiator vor Neubuchungen kaum retten kann. Es ist zu hoffen das sich noch viele weitere Hotels ein Beispiel nehmen werden an...
Haie vor der Küste !!! - 2008/07/28 19:38Haie streifen vor der Küste. Weiße Haie, immer hungrig, immer auf der Suche nach Beute. Leibspeise sind Robben, die auf die Fischgründe im Ozean angewiesen sind. Ein weiße Hai, zum ersten mal auf Robbenjagd, patroliert 200 Meter vor der Küste. In der Dämmerung machen sich die Robben auf den Weg, getrieben vom unbändigen Hunger ihrer Jungtiere. Der Hai spürt die Aufregung am Strand, macht sich bereit, all seine Sinne sind auf die herannahende Beute gerichtet. Das Wasser wird immer unruhiger, Hunderte von Robben stürzen in die Fluten, versuchen durch regelmäßige Sprünge während des Schwimmens der Gefahr zu entkommen. Denn der Hai lauert schon. In größerer Tiefe wartet er auf die Rush Hour der Robben, sucht sich gezielt eine aus und rast nach oben. Eine junge Robbenmutter, die gerade ihr erstes Kind am Strand zurückgelassen hat, springt alle paar Schwimmzüge aus dem Wasser. Da schnellt der Jäger an die Wasseroberfläche, reißt sein riesiges, mit scharfen Zähnen bestücktes Maul auf, bereit zu töten. Es gibt keine Möglichkeit mehr zu entkommen. Blutrot färbt sich das Wasser, die Robbe ist sofort tot. Dieses Mahl wird dem Hai für die nächsten Tage genügen, die anderen Robbenmütter können ihre Jagd ungestört fortsetzen. Nachdem der Hai seine Beute komplett verzehrt hat, zeiht er sich ins offene Meer zurück. Nun ist er satt. Das eine Robbenbaby am Strand wird verhungern, denn seine Mutter ist dem berüchtigsten Hai der Weltmeere zum Opfer gefallen. Doch all die anderen Robbenmütter, die erfolgreich von der lebensgefährlichen Jagd zurückkommen, können ihre Jungen ernähren und eine neue Generation Robben großziehen.
Der Hai wird wenige Tage später in einem riesigen Fischernetz qualvoll verenden. Dem vermeintlich gefährlichsten Räuber des Meeres ist ein einfaches Schleppnetz zum Verhängnis geworden. Er wird nie wieder Robbenmütter jagen können.