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 Meisterfeder
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Re:Mai - 2008/06/03 09:52
Hier ist eine Geschichte, die uns per E-Mail erreichte:
Denkwürdiger Ausflug
Mara schluckte. Schon in dem lächerlichen Zug, der als Shuttle zwischen Parkplatz und Vergnügungspark diente, hatte sie die Ahnung eingeholt. Die Ahnung, einen Fehler gemacht zu haben, Was heisst, einen Fehler? Gleich mehrerer Vergehen hatte sie sich schuldig gemacht und jetzt bekam sie die Rechnung dafür. Es war ein Fehler gewesen, sich nicht der Reisegruppe anzuschliessen, sondern auf eigene Faust hierher zu fahren. Es war ein Fehler gewesen, kein Taxi zu nehmen, sondern einen Mietwagen. Es war ein Fehler gewesen, sich das Auto nicht genauer anzusehen. Es war ein Fehler gewesen, sich die Parkplatznummer nicht zu merken. Scheisse! Sie war dermassen erleichtert gewesen, es bis hierher geschafft zu haben – die hiesige Verkehrsführung war äusserst gewöhnungsbedürftig – dass sie einfach ausgestiegen und davongelaufen war. Betrübt starrte sie auf den Schlüssel in ihrer Hand. Ein Chevrolet. Ein erster Hinweis. Welche Farbe hatte das Ding noch mal gehabt? Rot? Oder doch Blau? Die letzten Fahrgäste, die mit ihr im Shuttle gesessen hatten, startete die Motoren ihrer Karossen und tuckerten gemächlich Richtung Ausgang. Es wurde still. Die Sonne brannte heiss vom wolkenlosen Himmel und vom Teer aufgeheizte Luft liess die Konturen der Fahrzeuge weiter weg verschwimmen. Entfernt hörte man Kreischen und Gelächter aus dem Park, nahe am Ohr das Surren einer Mücke, klatsch, jetzt ein Blutfleck, am liebsten hätte Mara sich ein weiteres Mal geohrfeigt. Sie hatte Durst. Ihre Füsse schmerzten. Ob sie sich für kurze Zeit unter einen der paarweise gepflanzten Bäume setzen sollte? Normalerweise fühlte sie sich zu Bäumen hingezogen. Sie erschienen ihr unerschütterlich und vermittelten ihr Geborgenheit. Schutz vor Regen. Schutz vor Sonne. Schutz vor Selbstzweifeln. Normalerweise. Diese Bäume hier schienen ihr bedrohlich. Grimmig wirkten sie, flankiert von Autos in allen Farben, die leblos dastanden und ihnen ihrerseits einen morbiden Hauch verliehen. „Schlechtes Karma“, dachte Mara, „wie sonst kommt man als Baum in eine solche Teerwüste?“ Panik stieg in ihr auf. Sie blickte sie sich um. Was sollte sie tun? Der nächste Schuttle war noch nicht zu sehen – am Nachmittag wollte niemand nach Hause – und selbst wenn: Was hätte ihr das genützt? „Könnten Sie mir bitte helfen, mein Auto zu finden? Nein, ich weiss nicht, in welcher Sektion ich es abgestellt habe. Die Farbe? Äh … es ist ein Chevrolet …“ Mara, die über einigen Humor verfügte, wollte lachen, aber nur ein trockener Schluchzer war zu hören. Der Park an sich hatte sie schon geschafft, und wäre es nicht für eine Recherche gewesen, so hätte sie einen weiten Bogen um ihn gemacht. Sie sah bereits die Schlagzeile vor sich. „Parkplatz in der Mittagshitze wurde zur Falle für Touristin“. In einem Land wie diesem würde das Folgen haben. Bereits nächste Woche würde vermutlich ein brandneues Sicherheitssystem montiert werden, dass es auch dem grössten Deppen verunmöglichen würde, sein Auto nicht wiederzufinden. In einem Anflug von Zorn – über die Hitze, über die unzähligen Autos, über ihre eigene Dummheit – warf Mara den Autoschlüssel zu Boden und trampelte darauf herum. Sie tat dies in dem Wissen, weit und breit das einzige Lebewesen zu sein, wenn man von den Retortenbäumen absah. Ein Blinken fünf Reihen weiter, begleitet von einem schrillen Sirenengeheul liess sie in Ihrem Tun innehalten. Mara erstarrte, entspannte sich - und dankte Gott für die Amerikaner, die an alles dachten.
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