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Redaktion
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Meisterfeder
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Mai - 2008/05/05 11:46 Bis zum 31.05.08 können Sie sich mit Ihrem Text am Wettbewerb von write&change beteiligen. Der Text soll sich mit dem unten eingestellten Bild beschäftigen!

Der Text sollte die Länge von 3.500 Zeichen inkl. Leerzeichen nicht überschreiten. Pro User ist ein Text zugelassen. Mitarbeiter und Angehörige von literature.de und click & care dürfen nicht teilnehmen.

Stellen Sie Ihren Text bitte hier als Antwort hinein.

Was es zu gewinnen gibt, erfahren Sie hier.



Beitrag bearbeitet von: Redaktion, um: 2008/05/05 11:49
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miklos_muhi
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Auf zwei Rädern in San Francisco - 2008/05/05 21:27 Nach einer Woche Besprechungen löst sich die Spannung. Ein Januartag – zwar ein kühler, aber immerhin sind die Bäume grün. Heute bin ich ein Tourist, so steige in einen Cable Car, der mich schüttelt und rührt, als der er auf den höchsten Punkt der Hyde Street halt macht. Rechts die Transamerica Pyramide, links die Golden-Gate-Brücke, vorne die Bucht – die Stadt hinter uns entwischt dem Klicken und Summen der Kameras.

Endstation; die Menschen steigen aus und überfluten die Einkaufsstraße. Souvenirs überall – T-Shirts (hergestellt in Honduras), ein Schmuckladen (betrieben von einer Familie aus Hawaii), ein Laden mit Kalender und Fotobedarf, geleitet von einem Indianer mit umfangreichen Wissen über alten Kameras.

Ein Fahrradverleih und eine Frau vor der Tür, die mein Interesse sofort erkennt und auf mich zukommt:
„Are you here to bike the bridge?“ – Die Antwort ist ein eindeutiger ja; im Laden werde ich herzlich Empfangen. Ich werde über die Details aufgeklärt. Unterschrift, Versicherung, Helm, Karte und einige Tipps für den Tour – dann kann ich losfahren. Radwege, ein Park und Touristenpromenaden. Alles grün, 15 Grade plus am 26 Januar, Menschen gehen Spazieren, manche Joggen und viele Radlern winden sich zwischen ihnen.

Je näher die Brücke der Goldenen Tor kommt, desto merkwürdiger erscheint die Idee durch die Brücke zu radeln. Es geht nach oben; trotz 18 Gängen rast mein Puls; es tut gut, anzuhalten und durchzuatmen -- die Aussicht ist in jeder Hinsicht atemberaubend.

Der Bürgersteig auf der Ozean-Seite ist für die Radler reserviert. Gesunde Meeresluft, Bewegung, endlose Wasserfläche zum Links, zum Rechts rast den Verkehr. Eine blaue Tafel auf jedem Pfeil weist darauf hin, dass es gefährlich und fatal sein kann von der Brücke zu springen und Hoffnung gäbe es immer und dass man nur Anrufen müsse, um beraten zu werden – zu jeder Tafel gehört ein Telefon.

Ab der Mitte der Brücke pendle ich in einem gewissen Marine County in Richtung einer Aussichtsplattform – auf der anderen Seite der Brücke. Nach kurzer Suche entdecke ich die eine Treppe mit einer Rampe um Fahrräder zu schieben. Die Treppe führt zu einer Holzkonstruktion unter der Brücke, der weg zur anderen Seite.

Wieder ein Blick auf San Francisco, diesmal von Norden. Langsam erholen sich meine Muskel, der Puls wird wieder normal und mir fallen die sieben Dollars pro Stunde und die drei Dollar für die Versicherung ein. Das beendet mein Staunen und es geht wieder zurück.

Auf der Strand sichere ich das Rad mit dem massiven Stahlschloss, ziehe meine Schuhe aus und genieße die warme Berührung des trockenen Sandes unter meinen Füßen. Nur die Hunde wagen sich ins Wasser und nur um die Bälle zurückzubringen. Der nasse Sand fühlt sich kühler an, das Wasser ist bitterkalt, aber ich stehe im Pazifik. Der Gang zurück zum Fahrrad über den warmen Sand trocknet meine Füße wieder.

Beim Fahrradverleih werde ich wieder herzlich empfangen:
„Germany is back!“ – meint einer der Ladenbesitzer und reicht mir die Hand. Einige Fragen, wie es war und ob es Spaß gemacht hatte, dann das Papierkram. Ich solle wieder kommen, versteht sich.

Der Rückweg zum Hotel gehe ich zu Fuß. Die Anstrengungen machen die nach einem Gitterstruktur angeordneten Straßen und die Dekorationen im Chinesische Viertel vergessen. Beim Hotel in Downtown ist es schon dunkel geworden.

Heute gab es ein mechanisiertes Blutplättchen weniger im Verkehrsinfarkt einer Großstadt. Die Müdigkeit ist mir egal, sie hilft sogar gegen das Jet-Lag.

Beitrag bearbeitet von: miklos_muhi, um: 2008/05/12 06:51

Beitrag bearbeitet von: miklos_muhi, um: 2008/05/12 07:04
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Kristallia131313
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Re:Mai - 2008/05/08 20:46 Der Lebensretter

„Schatz, sei so gut und bring die Sachen schon mal ins Auto.“, damit drehte sich seine Frau um und eilte dem kleinen Zeitschriftenladen entgegen. Seufzend tat er wie ihm geheißen und verließ den Großmarkt in Richtung Parkplatz. Die zwei Kleinigkeiten, die seine Frau hatte besorgen wollen, waren leider zu einem Berg aus Tüten und Schachteln mutiert, die er nun keuchend vor sich her balancierte. Ganz oben lag die eingeschweißte Tüte mit Fisch; die undichte eingeschweißte Tüte. Während er über den Parkplatz marschierte beobachtete er, wie sich die streng riechende Flüssigkeit langsam ihren Weg über die Cornflakespackung bahnte, zum Pelzanhänger seines Autoschlüssels kroch und schließlich davon aufgesogen wurde. „Den würde er wohl wegschmeißen müssen.“, dachte Frank. Er war frustriert. Nicht wegen des Anhängers oder seiner Aufgabe als Packesel, noch nicht einmal wegen der anschließenden langen Fahrt zu seiner Schwiegermutter. Nein, was ihn frustrierte waren die blitzenden schicken Autos um ihn herum. Adrett aufgereiht in Reih und Glied, wie auf einer Autoschau standen sie da, eines schöner als das andere. Mit sehnsüchtigen Blicken betrachtete er ein schickes rotes Cabrio. Daneben stand sein eigenes Auto. Eine verbeulte Klapperkiste aus dem letzten Jahrhundert. Missmutig stapfte er zur zerkratzten Fahrertür. Und wieder hatte ihm niemand die Freude gemacht das verdammte Ding zu klauen. Warum auch? Bei der Auswahl hier? Seufzend warf er einen Blick über die Schulter. Roter Lack, Ledersitze…KLIRR. Verflixt nun war ihm auch noch der dumme Schlüssel heruntergefallen. Mit Hängen und Würgen stellte er die Einkäufe auf dem Autodach ab. Er sah nach unten. Kein Schlüssel. Er bückte sich tiefer. Immer noch kein Schlüssel. Fluchend ging er auf die Knie und schaute unter seinen Wagen.
Zwei große Katzenaugen schauten zurück. Dort unten kauerte ein zerzaustes braunes Pelzknäuel und in seinem Maul der Fellanhänger samt Autoschlüssel. Es war Urlaubszeit, womöglich hatte jemand das Tier ausgesetzt.
„Bist du hungrig? Armes Ding, aber das kannst du nicht fressen.“, sprach er versöhnlich auf das Tier ein und streckte dabei vorsichtig die Hand nach seinem Schlüssel aus. „Auuu!“, er zog seine zerkratzte Hand zurück. „Verflixt noch mal.“, murmelte er mit der schmerzenden Hand im Mund.
„Gibt es ein Problem?“ Überrascht schaute Frank auf. Vor ihm stand der Besitzer des roten Cabrios, ein drahtiger junger Mann, der ihn mit kritischem Blick musterte. Plötzlich wurde Frank bewusst, was für ein lächerliches Bild er abgeben musste. „Nun, ja da unter dem Wagen...“, begann er halblaut, die Sache war ihm mit einem Mal furchtbar peinlich.
Der junge Mann kam näher und packte Frank am Handgelenk. Prüfend schnupperte der Fremde an einem frischen schwarzen Fleck an Franks Ärmel, dann legte er sich auf den Boden und steckte den Kopf unter das Auto. Frank saß nur verwirrt daneben. Der Mann kam wieder zum Vorschein, sein Blick war ernst. „Mit dem Wagen sollten sie nirgendwo mehr hin fahren, das wäre lebensgefährlich.“, er drückte Frank seine Karte in die Hand. Kfz-Mechaniker prangte darauf in großen Buchstaben.

Als Franks Frau wieder kam bot sich ihr ein äußerst merkwürdiger Anblick. Der Wagen war verschwunden. An seiner Stelle lagen die Einkäufe im Kreis verteilt. In der Mitte hockte Frank, eine leere Fischtüte in der Hand und eine kleine sehr zufriedene Katze auf dem Schoß. „Ah Schatz, sei so gut und kauf uns noch eine Ausgabe von „Unser Kater“ und einen Korb.“

Beitrag bearbeitet von: Kristallia131313, um: 2008/05/17 18:41
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vinyaromeniel
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Grünschnabel
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Der Traum vom Jubeln - 2008/05/15 18:55 Die Julisonne spiegelte sich in den unzähligen Autos und erzeugte so eine Helligkeit, die mit ungeschützten Augen kaum ertragbar war.
Markus hatte versucht die Autos zu zählen, bei 200 hatte er aufgegeben. Auf diesem Parkplatz stand wohl jedes Modell, das jemals gebaut wurde, in allen möglichen und unmöglichen Farben und Formen. Es kam ihm vor wie eine Ausstellung, ein Gebrauchtwagenmarkt gemischt mit einem Museum. Er schüttelte den Kopf, dass sich manche Menschen trauten mit solchen Blechbüchsen noch rum zu fahren.
Der Wind frischte auf und das Stimmengewirr vieler Menschen drang an sein Ohr. Es wurde lauter, änderte sich von Jubelrufen zu Buhrufen, wurde ruhiger. Es musste ein spannendes Fußballspiel sein, das war sicher.
Als der Wind abebbte, verstummten auch die Rufe, stattdessen konnte er einem Vogelpaar dabei zuhören, wie sie in den höchsten Tönen miteinander stritten. Oder unterhielten sie sich nur? Markus war kein Vogelkenner, aber er hörte gerne dem Gesang der Vögel zu. Er verwandelte diese Blechwüste in eine Idylle.
Wenn er die Augen schloss und sein Gesicht in die Sonne hielt, hatte er fast das Gefühl allein auf dieser Welt zu sein. Der Wind streichelte sein Gesicht und ließ ihn beinahe vergessen, dass um ihn herum nichts außer Autos und Betonstraßen waren.
Erneutes Jubeln, diesmal um einiges lauter als vorher, drang an Markus’ Ohr. Ob wohl ein Tor gefallen war? Er hatte noch nie ein Stadion von innen gesehen, aber es musste toll sein, mitten in der Menge zu stehen und mit seiner Mannschaft um den Sieg zu kämpfen. Er stellte sich vor, wie er eine dieser vielen Stimmen war, die laut jubelten, wenn es zum Torschuss kam und frustriert seufzten, wenn das Tor von der gegnerischen Mannschaft geschossen wurde.
Dabei hatte er nicht einmal eine Lieblingsmannschaft. Er kannte nicht einmal die Regeln. Eigentlich mochte er Fußball gar nicht, aber einmal mit über 30.000 anderen Menschen in so einem Stadion zu sein, das musste einzigartig sein.
Der Klang der Stimmen hatte sich geändert. Das Brummen eines Motors durchschnitt die Idylle und riss Markus aus seinen Gedanken.
Seufzend streifte sich Markus die orange Sicherheitsweste über. Er griff nach der Kelle, die um seinen Hals gebaumelt hatte, und erhob sich aus seinem Klappstuhl. Er stellte sich mitten auf die ihm am nächsten liegende Kreuzung und rückte noch einmal seine Weste zurecht.
30.000 Menschen… Und alle wollten jetzt nach Hause. Wie viele Autos er heute heil aus seinem Parkplatz ordern musste? Vermutlich mehr als 200.
Die ersten Autos erreichten seine Kreuzung. Noch war alles ruhig. Wer wohl vorzeitig das Stadion verließ, nur um in Ruhe den Parkplatz verlassen zu können? Er hätte in die Autos schauen können, doch die Sonne spiegelte so sehr, dass er trotz Sonnebrille kaum etwas sah.
Noch einmal atmete Markus tief die Juliuft ein. Noch roch es nach Heu, dessen Geruch der Wind von den Feldern hier her getragen hatte.
Doch bald, wenn das Stimmengewirr von 30.000 Menschen bei ihm angekommen war, wenn 30.000 Menschen in ihre Autos aus allen möglichen und unmöglichen Farben und Formen gestiegen waren und den Parkplatz verlassen wollten, dann wäre die Idylle des Hochsommers vorbei. Heugeruch würde abgelöst werden von Benzingestank. Die Symphonien der Vögel würden übertönt von dem schrillen Hupkonzert hunderter Autos und die Apathie des Hochsommers würde der Hektik von 30.000 Menschen weichen.
Doch Markus ignorierte es. Nächstes Jahr, vielleicht nächstes Jahr würde er IN einem der Autos sitzen und würde in das schrille Hupkonzert mit einstimmen, denn dann wäre er eine dieser Stimmen, die im Stadion jubelte, seufzte und buhte.


Beitrag bearbeitet von: vinyaromeniel, um: 2008/05/27 12:40

Beitrag bearbeitet von: Vinyaromeniel, um: 2008/05/31 21:14
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Agemo
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Grünschnabel
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Re:Mai - 2008/05/30 17:03 Eine Nacht zum Meer

Es gibt Nächte, die sind magisch. Sie kommen unerwartet, schleichen sich in dein Leben und flüstern zu dir. Du musst nach ihnen greifen, sonst sind sie wie der sagenumwobene Gott Kairos mit seinem goldenen Schopfe auch schon wieder fort.
Die meisten Menschen sind zu langsam und verpassen ihre Gelegenheit.

Heute vor einem Jahr hatte ich genau so eine Nacht. Sie hieß Lea: „Lass uns zum Meer fahren! Wenn wir uns abwechseln, dann können wir noch den Sonnenaufgang sehen.“ Das war Lea! Sie konnte gerade vollkommen alltäglich sein, den Abwasch erledigen, und plötzlich zeigte sich dieses Funkeln in ihren grünen Augen. „Zum Meer fahren? Warum?“ Meine Rolle war es, ganz einfach solche saublöden Fragen zu stellen. Wahrscheinlich steigerte ich damit sogar ihre Lust auf ein Abenteuer.

Die Autoscheinwerfer gruben sich in die Dunkelheit und die Fahrbahnmarkierung sauste monoton unter dem Fahrzeug her, um wieder in der Nacht zu verschwinden. „So ist das Leben. Wie ein einzelner weißer Streifen auf der Autobahn.“ Ich blickte kurz zu Lea. Sie nahm einen Schluck aus der Colaflasche und strich eine blonde Strähne zurück. „Wie ein weißer Streifen?“ „Ja, Henry! Wie ein gottverdammter weißer Streifen! Sie sehen alle gleich aus, laufen Glied in Glied und sind so schnell wieder fort wie sie erschienen sind. Es ist alles so sinnlos. Henry, wenn wir nicht aufpassen, dann enden wir im Leben genau hier.“ Danach schwieg Lea. Auch ich sagte kein Wort. Wir fühlten uns. Es war DER Moment. Der richtige Moment. Wir wussten es beide und schwebten über diesen vielen, unzähligen weißen Streifen bis zum Meer.

„Wann geht die Sonne auf?“ Lea und ich hatten die Zeit vergessen und tatsächlich einen einsamen Strand irgendwo an der Nordsee gefunden. Es war gerade Flut und es war perfekt so. Ich blickte auf meine Uhr. „In einer halben Stunde vielleicht.“ Lea nickte. Wir setzten uns ans Wasser. Der Sand war feucht, wir froren beide, doch das war egal. „Wir sind angekommen.“ Lea nahm meine Hand. „Bist du sicher?“ fragte ich. „Ja. Wir sind hier. Also sind wir angekommen.“

Die Sonne erschien schneller als erwartet und wir sprangen beide auf, als der Horizont in ein Flammenmeer eintauchte.
„Was tun wir jetzt?“ Ich musste an die lange Fahrt hierher denken. Mein Körper fühlte sich schwer an. Das war typisch für Lea. Sie dachte niemals an den Rückweg. Es gab für sie immer nur dieses eine Ziel und warum sollte man zurückkehren, wenn alles erreicht war?
„Ich weiß nicht, was wir jetzt tun sollten. Sag du es mir. Ich wollte nur die Sonne über dem Meer sehen. Wir sind hier, Henry.“ Sie hatte Recht. Wir waren hier. Hier am Meer. Und der Himmel brannte.

„Bist du glücklich?“ Es war eben dieser verrückte Augenblick, der mir diese Frage schenkte. Ich möchte gar nicht daran denken, was aus mir geworden wäre, wenn ich nicht mit Lea ins Auto gestiegen wäre. Ein einsamer weißer Fahrbahnstreifen auf dem Weg zum Meer wahrscheinlich, ohne jemals anzukommen.
„Ja. Ich bin glücklich.“ Lea ließ sich nach hinten in den Sand fallen. Ich fiel mit ihr. „Dann heirate mich!“ Lea drehte ihren Kopf zu mir und lächelte. „Du hast es verstanden“, sagte sie.

Beitrag bearbeitet von: agemo, um: 2008/05/31 18:11
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Meisterfeder
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Re:Mai - 2008/06/03 09:52 Hier ist eine Geschichte, die uns per E-Mail erreichte:

Denkwürdiger Ausflug

Mara schluckte. Schon in dem lächerlichen Zug, der als Shuttle zwischen Parkplatz und Vergnügungspark diente, hatte sie die Ahnung eingeholt. Die Ahnung, einen Fehler gemacht zu haben, Was heisst, einen Fehler? Gleich mehrerer Vergehen hatte sie sich schuldig gemacht und jetzt bekam sie die Rechnung dafür. Es war ein Fehler gewesen, sich nicht der Reisegruppe anzuschliessen, sondern auf eigene Faust hierher zu fahren. Es war ein Fehler gewesen, kein Taxi zu nehmen, sondern einen Mietwagen. Es war ein Fehler gewesen, sich das Auto nicht genauer anzusehen. Es war ein Fehler gewesen, sich die Parkplatznummer nicht zu merken.
Scheisse! Sie war dermassen erleichtert gewesen, es bis hierher geschafft zu haben – die hiesige Verkehrsführung war äusserst gewöhnungsbedürftig – dass sie einfach ausgestiegen und davongelaufen war. Betrübt starrte sie auf den Schlüssel in ihrer Hand. Ein Chevrolet. Ein erster Hinweis. Welche Farbe hatte das Ding noch mal gehabt? Rot? Oder doch Blau?
Die letzten Fahrgäste, die mit ihr im Shuttle gesessen hatten, startete die Motoren ihrer Karossen und tuckerten gemächlich Richtung Ausgang. Es wurde still.
Die Sonne brannte heiss vom wolkenlosen Himmel und vom Teer aufgeheizte Luft liess die Konturen der Fahrzeuge weiter weg verschwimmen. Entfernt hörte man Kreischen und Gelächter aus dem Park, nahe am Ohr das Surren einer Mücke, klatsch, jetzt ein Blutfleck, am liebsten hätte Mara sich ein weiteres Mal geohrfeigt. Sie hatte Durst. Ihre Füsse schmerzten. Ob sie sich für kurze Zeit unter einen der paarweise gepflanzten Bäume setzen sollte? Normalerweise fühlte sie sich zu Bäumen hingezogen. Sie erschienen ihr unerschütterlich und vermittelten ihr Geborgenheit. Schutz vor Regen. Schutz vor Sonne. Schutz vor Selbstzweifeln. Normalerweise.
Diese Bäume hier schienen ihr bedrohlich. Grimmig wirkten sie, flankiert von Autos in allen Farben, die leblos dastanden und ihnen ihrerseits einen morbiden Hauch verliehen. „Schlechtes Karma“, dachte Mara, „wie sonst kommt man als Baum in eine solche Teerwüste?“ Panik stieg in ihr auf. Sie blickte sie sich um. Was sollte sie tun? Der nächste Schuttle war noch nicht zu sehen – am Nachmittag wollte niemand nach Hause – und selbst wenn: Was hätte ihr das genützt? „Könnten Sie mir bitte helfen, mein Auto zu finden? Nein, ich weiss nicht, in welcher Sektion ich es abgestellt habe. Die Farbe? Äh … es ist ein Chevrolet …“ Mara, die über einigen Humor verfügte, wollte lachen, aber nur ein trockener Schluchzer war zu hören. Der Park an sich hatte sie schon geschafft, und wäre es nicht für eine Recherche gewesen, so hätte sie einen weiten Bogen um ihn gemacht. Sie sah bereits die Schlagzeile vor sich. „Parkplatz in der Mittagshitze wurde zur Falle für Touristin“. In einem Land wie diesem würde das Folgen haben. Bereits nächste Woche würde vermutlich ein brandneues Sicherheitssystem montiert werden, dass es auch dem grössten Deppen verunmöglichen würde, sein Auto nicht wiederzufinden.
In einem Anflug von Zorn – über die Hitze, über die unzähligen Autos, über ihre eigene Dummheit – warf Mara den Autoschlüssel zu Boden und trampelte darauf herum. Sie tat dies in dem Wissen, weit und breit das einzige Lebewesen zu sein, wenn man von den Retortenbäumen absah.
Ein Blinken fünf Reihen weiter, begleitet von einem schrillen Sirenengeheul liess sie in Ihrem Tun innehalten. Mara erstarrte, entspannte sich - und dankte Gott für die Amerikaner, die an alles dachten.
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Meisterfeder
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Re:Mai - 2008/06/03 09:56 Eine Geschichte von Susanne P. Kriska, ebenfalls per E-Mail:

Parc de triomphe

Das Château Je-m’en-fous lag auf einer Anhöhe, von der aus sein erfolgreicher Bewohner Jean-Voyou de Pas-de-Honneur einen bequemen Ausblick über seinen persönlichen Fahrzeugpark hatte. Und der war von gar gigantischen Ausmaßen.

„Monsieur, würden Sie als Verkörperung beispiellosen unternehmerischen Erfolges wohl unseren Zuhörern verraten, wie Sie es geschafft haben, innerhalb so kurzer Zeit das sich in desolatem Zustand befindliche Schloss zu restaurieren und einen derartige Wohlstand zu verbreiten?“, fragte ich, indem ich meinem Gesprächspartner das Mikrofon in Mundhöhe hielt.

Geschmeichelt lächelte er: „Gewiss... Bon, es war nicht so schwer, nachdem erst einmal das Bauxitvorkommen hier entdeckt wurde. Ich werde Ihnen meine Firmenstrategie nicht bis ins Kleinste erörtern, aber es dürfte Ihnen klar sein, dass es einfach Sinn macht, das Aluminiumwerk in unmittelbare Nähe des Basisrohstoffes zu situieren - zumal es einen großen Fluss gibt, der unseren Wasserbedarf deckt und außerdem dem Transport dient.“

Er holte Luft: „Sie glauben gar nicht, welchen Aufschwung es in den nahegelegenen Dörfchen aufgrund meiner Aktivität gegeben hat. Vorher waren das nur verschlafene Orte inmitten von Wald und Feld. Langweilig. Und nun, regardez, der Triumph des Unternehmertums über die Rückständigkeit! Ich habe für mannigfaltige kulturelle Angebote gesorgt, um meinen Arbeitern Zerstreuung am Feierabend zu bieten. So entstand sogar eine Spielbank, in der sich die Leute prächtig amüsieren können.“

„Wem gehört die?“, fragte ich dümmlich.

„Mir natürlich. Sehr rentabel übrigens...“, antwortete er würdevoll.

Nun wagte ich mich weiter vor: „Man erzählt sich gemeinhin, dass Sie in den Abbaugebieten Arbeiter aus dem Maghreb beschäftigen, die illegal über das Meer nach F...“

„Wir wollen uns doch nicht etwa mit unwichtigen Details aufhalten, nicht wahr.“, unterbrach er mich unwillig. „Reden wir lieber über meine Anstrengungen für den Umweltschutz, das liegt doch allen am Herzen, hein?“

Ich war ihm wohl auf die teuren Füße getreten. Ich dachte an die Freiheit der Medien, doch er fuhr bereits fort: „Wir sparen die Energiebeschaffungskosten, indem wir einfach den hiesigen Wald als Energiequelle nutzen“, sagte er und zeigte auf drei kahlrasierte Hügel in östlicher Richtung.

„Wir tun noch mehr für die Umwelt“, redete er weiter und zeigte auf eine Zeltstadt in westlicher Richtung, grau und trist wie ein Flüchtlingslager.
„Unsere Arbeiter müssen keine langen Arbeitswege in Kauf nehmen. Da sie in unmittelbarer Nähe der Arbeitsstätte wohnen, sind sie schnell dort und schnell wieder zu Hause. Damit ersparen wir unserem Planeten eine Menge an Erdöl und Abgasen und so weiter. Die würden ja sonst alle Auto fahren, nicht?“

„Und Ihre eigenen Autos?“, bemerkte ich dreist.

„Nun, jedes Auto wird ja nur ein einziges Mal im Jahr bewegt, da ich genau 365 Fahrzeuge besitze. Eins für jeden Tag. Ich habe in meinem Leben mit großen Widrigkeiten zu kämpfen gehabt. Doch ich habe darüber triumphiert! Wenn Sie so wollen, ist der Fahrzeugpark dort unten mein Parc de Triomphe! Der Triumph des Starken über die Schwachen. Voìla. Ha, ha.“

Ich war bedient: „Vielen Dank für das Interview, Monsieur de Pas-de-Honneur.“

„Bitte, gerne. Ach übrigens, ich bin letzten Monat in den Aufsichtsrat Ihrer Sendeanstalt berufen worden. Sie lassen besser den Satz über die Illegalen weg.“ Er nickte freundlich, aber seine Augen blitzten gefährlich. Sie glitzerten offensichtlich mit den 365 Windschutzscheiben um die Wette.
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