miklos_muhi
Benutzer
 Regelmäßiger Schreiber
| Beiträge: 34 |   | Karma: 7
|
Auf zwei Rädern in San Francisco - 2008/05/05 21:27
Nach einer Woche Besprechungen löst sich die Spannung. Ein Januartag – zwar ein kühler, aber immerhin sind die Bäume grün. Heute bin ich ein Tourist, so steige in einen Cable Car, der mich schüttelt und rührt, als der er auf den höchsten Punkt der Hyde Street halt macht. Rechts die Transamerica Pyramide, links die Golden-Gate-Brücke, vorne die Bucht – die Stadt hinter uns entwischt dem Klicken und Summen der Kameras.
Endstation; die Menschen steigen aus und überfluten die Einkaufsstraße. Souvenirs überall – T-Shirts (hergestellt in Honduras), ein Schmuckladen (betrieben von einer Familie aus Hawaii), ein Laden mit Kalender und Fotobedarf, geleitet von einem Indianer mit umfangreichen Wissen über alten Kameras.
Ein Fahrradverleih und eine Frau vor der Tür, die mein Interesse sofort erkennt und auf mich zukommt: „Are you here to bike the bridge?“ – Die Antwort ist ein eindeutiger ja; im Laden werde ich herzlich Empfangen. Ich werde über die Details aufgeklärt. Unterschrift, Versicherung, Helm, Karte und einige Tipps für den Tour – dann kann ich losfahren. Radwege, ein Park und Touristenpromenaden. Alles grün, 15 Grade plus am 26 Januar, Menschen gehen Spazieren, manche Joggen und viele Radlern winden sich zwischen ihnen.
Je näher die Brücke der Goldenen Tor kommt, desto merkwürdiger erscheint die Idee durch die Brücke zu radeln. Es geht nach oben; trotz 18 Gängen rast mein Puls; es tut gut, anzuhalten und durchzuatmen -- die Aussicht ist in jeder Hinsicht atemberaubend.
Der Bürgersteig auf der Ozean-Seite ist für die Radler reserviert. Gesunde Meeresluft, Bewegung, endlose Wasserfläche zum Links, zum Rechts rast den Verkehr. Eine blaue Tafel auf jedem Pfeil weist darauf hin, dass es gefährlich und fatal sein kann von der Brücke zu springen und Hoffnung gäbe es immer und dass man nur Anrufen müsse, um beraten zu werden – zu jeder Tafel gehört ein Telefon.
Ab der Mitte der Brücke pendle ich in einem gewissen Marine County in Richtung einer Aussichtsplattform – auf der anderen Seite der Brücke. Nach kurzer Suche entdecke ich die eine Treppe mit einer Rampe um Fahrräder zu schieben. Die Treppe führt zu einer Holzkonstruktion unter der Brücke, der weg zur anderen Seite.
Wieder ein Blick auf San Francisco, diesmal von Norden. Langsam erholen sich meine Muskel, der Puls wird wieder normal und mir fallen die sieben Dollars pro Stunde und die drei Dollar für die Versicherung ein. Das beendet mein Staunen und es geht wieder zurück.
Auf der Strand sichere ich das Rad mit dem massiven Stahlschloss, ziehe meine Schuhe aus und genieße die warme Berührung des trockenen Sandes unter meinen Füßen. Nur die Hunde wagen sich ins Wasser und nur um die Bälle zurückzubringen. Der nasse Sand fühlt sich kühler an, das Wasser ist bitterkalt, aber ich stehe im Pazifik. Der Gang zurück zum Fahrrad über den warmen Sand trocknet meine Füße wieder.
Beim Fahrradverleih werde ich wieder herzlich empfangen: „Germany is back!“ – meint einer der Ladenbesitzer und reicht mir die Hand. Einige Fragen, wie es war und ob es Spaß gemacht hatte, dann das Papierkram. Ich solle wieder kommen, versteht sich.
Der Rückweg zum Hotel gehe ich zu Fuß. Die Anstrengungen machen die nach einem Gitterstruktur angeordneten Straßen und die Dekorationen im Chinesische Viertel vergessen. Beim Hotel in Downtown ist es schon dunkel geworden.
Heute gab es ein mechanisiertes Blutplättchen weniger im Verkehrsinfarkt einer Großstadt. Die Müdigkeit ist mir egal, sie hilft sogar gegen das Jet-Lag.
Beitrag bearbeitet von: miklos_muhi, um: 2008/05/12 06:51
Beitrag bearbeitet von: miklos_muhi, um: 2008/05/12 07:04
|