miklos_muhi
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Himmelstadt - 2008/01/07 08:29
Nein, es ging nicht um das Geld, als er sich für diesen Einsatz gemeldet hat, es ging auch nicht um Begeisterung oder Patriotismus, es ging auch nicht darum, sich für den Militärdienst vorzubereiten. Ganz im Gegensatz zu den anderen, die gar keine Absichten verfolgten (das wurde von höchsten Stellen betont) hatte er sehr wohl seine Absichten, Absichten von den er kein Wort zu sagen wagte.
Er wusste jetzt genug, um seinen Plan endlich umzusetzen. Am Nachmittag ist sein persönlicher Grenzsoldat dem unerbittlichen Ruf der Natur gefolgt ... Dieser Ruf war sogar so unerbittlich, dass er gar nicht daran gedacht hat, einen Kameraden als Ersatz herbei zu rufen. Es war schon Nachmittag, jeder wurde schläfrig und langsam. Es war warm. Es war alles so, wie er es haben wollte. Es war die Gelegenheit.
Sein Körper wurde mit Adrenalin überschüttet, seine Muskeln folgten den Befehl ohne zu zögern. Ein schneller Sprint, aber nicht schnell genug, um die Schall hinter sich zu lassen. „Halt!“ Nur noch ein halber Meter, ein hoher Sprung; seine Hände griffen den oberen Teil der Mauer und er versuchte sich hoch zu ziehen.
Dann knallte es und seine Kraft war sofort weg. Die Schmerzen kamen nach einigen Sekunden, als er begriffen hat, was passiert ist. Er schrie nach Hilfe, aber er bekam nur Zuschauer – mit und ohne Uniform, gaffende, hoffende, rufende und wütende Zuschauer und ein Verbandspäckchen, das er nicht gebrauchen konnte.
Die Schmerzen verschwanden langsam, die Welt wurde trüb und verdunkelte sich. Dann war es wieder alles hell, er sah, wie die verhasste Grenzsoldaten seinen leblosen Körper weg brachten, er sah, wie die Menschen auf der anderen Seite wüteten, Menschen, die immer kleiner wurden, bis er sie nicht mehr sehen konnte.
Er fand sich vor einem großen Tor wieder, stand fest auf seinen Füßen, die keine Spur mehr vom Schuss gezeigt haben. Der Tor öffnete sich langsam, er trat ein und sah sich um. Hinter dem Tor verbarg sich eine Stadt voller Menschen.
Aufgeregt machte er sich auf die Wanderschaft, er lief und lieft Tag ein, Tag aus, er wollte jede Straße sehen, jeden Platz, jede Gebäude. Er konnte mit allen Reden, er verstand plötzlich jede Sprache der Welt, und jeder Verstand ihn. Er redete viel mit den Menschen, alle erzählten sich ihre Geschichte, wie sie hierher gekommen sind, was sie mal waren und wie das Leben so hier ist.
*
Auf seinen Wanderschaften durch die Stadt kam langsam zu den Randgebieten. Es gab immer wenigere Häuser und immer wenigere Menschen. Niemand wollte ihn begleiten, niemand kam ihm entgegen. Das war die erste Gelegenheit, dass er wieder dunkler wurde, je weiter er kam.
Den Schild neben der Straße wollte er nicht wahr nehmen, er konnte es nicht, er glaubte es nicht; alle seine Sinne, jede seiner Gehirnzelle rebellierte gegen den Schriftzug. Er ging weiter und strengte sich an, es zu vergessen, was er eben gesehen hat.
Plötzlich stand er vor einer Mauer; sehr hoch, er konnte nicht sehen, wie hoch es genau war. Links und Rechts nahm die eiskalte und graue Mauer kein Ende. Es gab keine Tore und keine Straßen mehr, die Erde neben der Mauer war hart mit eine menge scharfen und kantigen Steinen.
Er kehrte zutiefst verstört zurück und hielt neben dem Schild an. Die knallrote Buchstaben brüllten ihn regelrecht an: „Achtung! Sie verlassen jetzt den christlichen Sektor!“
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