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kayusmaximus
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Grünschnabel
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graphgraph
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Spiel des Lebens - 2007/12/16 13:11 Hamburg Volkspark an einem Samstag im November.
Langsam trabt er über den grünen Rasen. Alle sind sie aufgestanden, 50.000 Menschen applaudieren einem Mann der heute etwas wundervolles vollbracht hat. Ein Schauer läuft über seinen Rücken, eine Gänsehaut umhüllt seinen Körper und plötzlich spielt nichts anderes mehr eine Rolle, nur dieser eine Moment. Er vergisst die Kälte die Sorgen die Momente des Zweifelns, die gesamte Last ist von seinen Schultern gefallen. Er hat es geschafft, diesmal hat er niemanden enttäuscht.

30 Minuten vorher
Sergio ist 28, wie jeden Samstag steht er auf dem Fußballplatz. Es ist nur noch kurz zu spielen, seine Mannschaft braucht ein Tor. Es wäre so wichtig für den Verein heute zu gewinnen um nicht sang und klanglos unterzugehen.
Sergio spielt noch nicht lange in Hamburg, sie haben ihn vor einem Jahr mit sehr hohen Erwartungen geholt aber richtig gefallen hat es ihm hier noch nie. Was soll es auch, wenn sie es nicht packen ist er eh frei, kann gehen wohin er will.
Dann, ein missglückter Befreiungsschlag, der Ball kullert langsam in seine Richtung, Sergio zögert nicht lange, er holt zum Schuss aus aber das Bein eines Gegenspielers ist vor ihm dran. Wieder nicht getroffen, der Gegner scheint heute einfach Übermächtig zu sein. Ein paar Augenblicke später, eine Unachtsamkeit in der Abwehr, eine zweite Chance für Sergio, wieder holt er aus. Er spürt den Ball an seinem Spann, jaaaa, diesmal hat er ihn richtig getroffen, alles läuft wie in Zeitlupe vor ihm ab. Der Ball fliegt Richtung Tor, keiner kann ihn mehr halten, er schlägt im rechten oberen Winkel ein und als nächstes kann Sergio nur noch einen Schrei vernehmen.

Zur selben Zeit
Helmut ist 45, wie jeden Samstag geht er am Ufer der Elbe spazieren. Es ist düster, der Winter hält Einzug und mit ihm die Kälte. Er spürt sie nicht, sie hat schon seit langem in sein Leben Einzug gehalten.
Er fühlt die Flasche in seiner Jackentasche, der Ursprung und die Lösung all seiner Probleme. Die Hände zittern und er sehnt sich nach dem ersten Schluck. Wieder hat er seinen Job verloren, wieder steht er da mit leeren Händen und weiß nicht wie es weitergehen soll.
Die Flasche geöffnet, der erste Tropfen wärmt seine Kehle und plötzlich sieht er sie…..

Augenblicke vorher
Die kleine Liselotte ist gerade 5 geworden. Sie mag es zu malen, ihren kleinen Bruder zu ärgern und mit ihrer Mutter am Ufer der Elbe zu spazieren. Ein Moment der Unachtsamkeit, ein Schritt zu weit und plötzlich spürt sie nur noch Kälte. Etwas reißt sie mit, es ist nass, es ist kalt und lässt sie kaum atmen. Ein Strom in dessen Bann sie sich befindet und aus dem es kein Entrinnen mehr gibt.

Helmut traut seinen Augen nicht, ein kleiner Punkt im Wasser, Schreie vom Seitenufer, kleine Arme die hilflos aus den Fluten ragen. Langsam treibt der kleine Körper in seine Richtung, Er zögert nicht lange, ohne zu überlegen stürzt er sich mit einem heftigen Satz in die Fluten.

Verpasst, seine Hände sind zu taub, er kann sie nicht halten. Es scheint als wären die Wassermassen ein unbarmherziger und übermächtiger Gegner. Sein Herz pocht wie noch nie zuvor, seine Gliedmaßen schmerzen aber sein Körper ist voller Adrenalin. Da, eine zweite Chance, das Mädchen kann sich an etwas Treibholz klammern. Helmut schlägt aus mit Händen und Füßen, die Strömung kommt ihm nun zu gute. Er spürt die Hände des Kindes, sie klammern sich an ihn. Er muss aufpassen dass er nicht untergeht, er spürt etwas Boden unter den Füßen, eine seichte Stelle, er kann sich wieder bewegen und erreicht mit letzter Kraft das Ufer. Als nächstes kann er nur noch Schreie vernehmen.

Im Stadion
Sergio reißt die Arme empor, der Moment des Triumphes ist gekommen, er läuft in Richtung Fanblock, küsst das Emblem des Vereines und fällt vor dem Fanblock auf die Knie. Lange hat er gewartet auf dieses Gefühl, die Kameras sind nur auf ihn gerichtet. Er kann sich selbst darstellen vor einem Millionen Publikum. Er küsst seinen Ring und zeigt mit seinen Fingern in Richtung Himmel um seine Gottesfürchtigkeit unter Beweis zu stellen.
Seine Mitspieler kommen angeeilt, sie umarmen Ihn, sie liebkosen ihn. Im Freudentaumel sind Neid und Missgunst der letzten Wochen wie verflogen.

Am Ufer
Ein paar Passanten kommen kreischend angeeilt, sie reißen Helmut das Kind aus den Armen. Die Mutter umschlingt die kleine Lotte, Tränen strömen von ihren Wangen.

Triefend nass und vollkommen erschöpft liegt Helmut auf dem Boden, sein Kreislauf spielt verrückt, er ist nahe der Ohnmacht. Das Adrenalin weicht zu Gunsten der Kälte aus seinen Venen. Er erhebt sich langsam, ohne zu verstehen was gerade passiert ist macht er sich wieder auf den Weg. Er läuft nicht jubelnd in Richtung Fanblock, fällt nicht auf die Knie und stellt sich selbst auch nicht vor laufenden Kameras dar…

Wieder in der Gegenwart
Das Spiel ist aus, Hamburg hat die Klasse gehalten und Sergio ist mit seinem Tor der Held des Tages. Alle reißen sich um ihn, Sponsoren, Medien, Fans, alle wollen sie ihren Heilsbringer bewundern. Sergio fühlt sich großartig, er könnte die ganze Welt umarmen. Hier und da noch ein flotter Spruch zu den Reportern und schon macht er sich auf den Weg in Richtung Mannschaftsbus. Sein Handy steht an diesem Abend nicht still, Glückwünsche und Danksagungen von überall. Noch in vielen Jahren werden sie von seinem Tor sprechen, ein Tor das ihn für immer in den Geschichtsbüchern verewigt…..

Helmut ist noch immer benommen, das Laufen fällt ihm schwer. Er torkelt langsam Richtung U Bahn Station. Überall fröhliche Gesänge, Menschen liegen sich in den Armen und feiern auf den Gleisen. Einige male wird er angerempelt, sie halten ihn für einen betrunkenen Obdachlosen. Er stinkt nach Schlamm und Öl, verachtende Blicke treffen ihn. Keine Anrufe an diesem Tag, keine Danksagungen, keine Reporter oder Kameras um ihn herum. Helmut ist es egal, er möchte nur seine Ruhe…

Der nächste Morgen
Die Boulevardblätter überbieten sich gegenseitig mit Lobeshymnen. Jeder kennt den kleinen Argentinier der schon tot geschrieben war aber plötzlich wie Phönix aus der Asche auftauchte um es allen zu zeigen. Mehrere Seiten werden ihm gewidmet, sein hartes Leben aufgerollt und seine vor Glück weinende Mutter abgelichtet. Sergio ist in aller Munde.

Im hinteren Teil der Zeitung ein kurzer Bericht:

‚Mann rettet Kind aus Elbe’
Hamburg: Am gestrigen Samstag hat ein noch unbekannter Mann ein Kind aus den Fluten der Elbe gerettet. Das Kind war beim spielen mit dem Hund in das Wasser gestürzt und wurde einige Meter mitgerissen. Ein Augenzeuge berichtet: ‚der Mann sprang in die Fluten und konnte nach mehreren Versuchen das Kind an Land ziehen. Danach verschwand er im allgemeinen Getümmel und konnte von keinem identifiziert werden’.
Die Familie des Kindes möchte sich hiermit bei dem Unbekannten bedanken und bittet über folgende Chiffre mit ihm in Kontakt zu treten……..

Helmut schlägt die Zeitung zu, er wird sich nie bei dem Mädchen melden. Er fühlt sich gut, er spürt neuen Lebensmut. Diesmal hat er es geschafft, diesmal hat er niemanden enttäuscht.
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Spiel des Lebens
kayusmaximus 2007/12/16 13:11
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