Liyah
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 Grünschnabel
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Schreckensgarten - 2008/08/17 17:08
Clarise rannte den engen Weg entlang, gierige grüne Finger leckten nach ihrem Kleid und zerrissen es. Sie wurde verfolgt. Ihr Atem ging schnell und mit gerafftem Kleid rannte sie weiter. Eine Sackgasse. Sie drehte sich um und rannte zurück zur Wegkreuzung. Sie konnte die Stimmen ihrer Verfolger hören. Sie verlor einen Schuh und tauchte ihren nackten Fuß in den Kies. Clarise fühlte den Staub aufwirbeln und wie die Steine ihre weiche Haut einrissen. Doch sie konnte nicht stehen bleiben. Den zweiten Schuh schmiss sie achtlos weg. Clarise bog nach links ab und hoffte, dass sie ihrem Ziel näher kam. In ihrer Eile strauchelte sie und fiel gegen die hohe Hecke des Irrgartens. Äste umfingen ihren Körper und ritzen ihn und Clarise konnte das saftige Grün der gebrochenen Blätter riechen. Die Kratzer waren unwichtig, sie stieß sich ab und kam wieder auf die Füße. Ein höhnisches Lachen in ihrer Nähe ließ sie herumfahren, doch es war niemand zu sehen. Sie hatte nicht mehr viel Zeit. Clarise zog zornentbrannt ihr Gesicht in Falten und lief schneller. Mit jedem Schritt hörte man das Knirschen des Kieses unter ihren Füßen und sie konnte den Staub schmecken, der ihren Weg verriet. Sie musste die erste sein und das Zentrum des Irrgartens vor den anderen erreichen. Ihr Leben hing davon ab.
Es war ein schreckliches Spiel. Doch dieses Mal hatte Clarise sich ihm nicht entziehen können. Der Preis war einfach zu hoch. Clarise war nun an der dritten Kreuzung, sie hatte die Orientierung verloren. Aus einem Impuls heraus bog sie dieses Mal rechts ab und folgte dem Weg. Der Staub, den sie selbst aufwirbelte, kroch in die Kratzer in ihrer Haut und brachte sie zum brennen. Ihre Beine waren inzwischen schwer vom Laufen. Der Weg bog ab und am Ende konnte sie eine Öffnung erkennen. Ihr Herz hüpfte und klopfte noch schneller in ihrer Brust. Ihr Atem strich über ihre trockenen Lippen. Ihre Schritte verlangsamten sich, denn nun wurde sie nervös und konnte die Spannung kaum ertragen. Dort unter dem blauen Himmelszelt lehnte er sich an eine Steinsäule. Der Mann in dem schwarzen Anzug hatte sie noch nicht bemerkt. Gelangweilt blickte er auf die Rose in seinen Händen und dann in die Ferne. Mohn in Tonkrügen stand im Kreis um ihn angeordnet. Clarise kam immer näher und ihre Hände zitterten, sie konnte den schweren süßen Duft der Blumen schon wahrnehmen. Sie hatte diesen Mann schon so lange gewollt und begehrt. Sie war die Erste. Der Irrgarten wurde zum Garten ihrer Träume. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Zielsicher ging sie auf ihren Geliebten zu und holte sich ihren Preis.
Beitrag bearbeitet von: Liyah, um: 2008/09/15 10:16
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