Albrecht Mangler
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 Grünschnabel
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Mallorca 2050 - 2008/07/23 12:07
Diese Geschichte erreichte die care&click Redaktion per Email und ist von André Kamphaus geschrieben:
Mallorca 2050
Einst waren wir es, die dort lagen; es ist noch gar nicht lange her. Wir kamen und wir gingen mit der Sonne. Ganze Sommer lang verbrachten wir am Strand, dort wo der Wind die Sonne kühlt und das Meer die Hitze lindert. Wir wagten es, die Kleidung abzulegen, wir wagten es, was damals noch kein Wagnis war. Es war schön, die Haut gebräunt zu sehen, sie wurde glatt und fest von Luft und Wasser. Wir flogen her aus kalten Ländern und legten unsre winterblassen Körper auf den Sand, in die Sonne; das war der Grund für unser Kommen. Irgendwo ans Meer, ans Ende zog es uns, an irgend einen sonnenreichen Ort.
Wir mieteten uns ein in himmelhohe Häuser und strömten nach dem Frühstück raus ans Meer. Dort lagen wir zu vielen und wandten uns der Sonne zu, die in sommerlangen Bahnen ihre Strahlen ungehindert zu uns sandte. Was sollte es Schöneres geben, als diesen Wechsel zwischen kühlendem Meer und wärmendem Licht! Die Zeit durfte langsam vergehen, die Stunden am Meer waren heilig, es fehlte uns nichts, obgleich wir nichts taten.
Dass wir in Wahrheit sehr vieles taten, obwohl wir nichts taten, das machten wir uns nur allzu selten bewusst. Wir dämmerten in der Mittagshitze vor uns hin und hörten das Meer vor uns rauschen. Was es uns aber sagte, sagen wollte, darauf achteten wir nicht. Wir lagen rücklings auf unsern Frotteetüchern und sahen über uns die nächsten Urlauber kommen oder andere verschwinden. Die Geräusche der Maschinen störten uns beim Träumen nicht, sie gehörten längst hierher wie das sanfte Schlagen der Wellen. Alles lud zum Träumen ein, zum Baumelnlassen der Seele, zum Fallenlassen des Drucks, der daheim im kälteren Norden unser aller Alltag bestimmte.
Doch baumelten unsere Seelen nicht umsonst. Im Gegenteil, der Preis dafür war unabsehbar hoch. Denn heute müssen wir meiden, was einst die größte Wonne war; die Sonne ist ein Feind geworden, den es zu meiden gilt. Mag das Meer auch noch so herrlich glänzen, mag der unberührte Sand auch noch so viele Träume in uns wecken: Wir haben dort nichts mehr verloren. Und schon sind andere da, an unserer Stelle, duldsame Rückkehrer, die Schuld tragen an nichts, aber mittragen an allem, was wir verschuldet haben.
Beitrag bearbeitet von: Albrecht Mangler, um: 2008/07/23 14:18
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