Siebenschläfer
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 Gelegenheitsschreiber
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Re:Juli - 2008/07/21 14:57
Fundstücke im Archiv
„Guck mal, …!“Serena pfiff leise durch die Zähne. „Das ist ja n’ Ding … musst du dir unbedingt ansehen“. Knut brummte unwillig. „Ich bin gerade mitten in einer wichtigen Sache.“ „Ach, komm schon“, insistierte seine Kollegin, die fasziniert auf ihren Bildschirm starrte. Widerstrebend ging Knut zu ihrem Arbeitsplatz hinüber und dachte wehmütig an früher, als er allein in einer Box gearbeitet hatte. Vor einigen Jahren hatte jedoch eine Studie belegt, dass sich die Produktivität durch soziale Kontakte steigern liess. Obwohl durch zwischenmenschliche Kommunikation natürlich wertvolle Zeit verloren ging, war die geleistete Arbeit insgesamt besser und der Ertrag somit grösser. „Was, meinst du, ist das?“ Gespannt sah Serena zu Knut auf. „Hm, schwierig zu sagen. Scheint ein Strand zu sein. Das muss aus der Zeit datieren, bevor sich der Meeresspiegel anhob. Und die Punkte … könnten Autos sein; diese fahrbaren Blechbüchsen, mit denen sich unsere Vorfahren fortbewegten. Der Strand soll übrigens ein beliebtes Ausflugsziel gewesen sein.“ Knut schüttelte den Kopf. „Die waren schön blöd damals; legten sich freiwillig an die Sonne.“ „Du bist aber auch nicht gerade helle, was?“, spottete Serena. „Siehst du etwa Fahrspuren im Sand? Was meinst du, wie die Dinger da hingekommen sind? Überleg doch mal, wir arbeiten gerade am Jahr 2008: Tennismatches, Eisbären … das grüne Zeitalter eben. Die Luftkissentechnik wurde erst zu Wasser angewendet.“ „Du hast recht“, Knut runzelte die Stirn. „Was könnte das denn sonst sein?“ „Seehunde!“ sagte Serena triumphierend. „Eine ganze Kolonie von Robben, die sich am Strand ausruht.“ „Tatsächlich?“ Interessiert beugte sich Knut etwas tiefer über die Aufnahme. „Gab’s die denn damals noch?“ „An der Nordsee schon, an der Ostsee waren sie zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich selten. Zwanzig Jahre zuvor hatte eine Seuche, durch ein Virus ausgelöst, zwei Drittel der Population dahingerafft. An der Nordsee konnte sie sich zwischenzeitlich wieder etwas erholen, was auf die Kappe einiger fanatischer Tierschützer ging. Im Laufe der Jahre stieg aber die Belastung durch Umweltgifte so stark an, dass das grosse Fischsterben einsetzte und die Nahrungsquelle der Tiere versiegte." „Da scheint sich wieder mal wer in ein altertümliches Thema verguckt zu haben“, feixte Knut. „Waren die denn nicht gefährlich? Scheinen ja ziemlich gross gewesen zu sein“. „Das war tatsächlich der Grund, wieso die Tierschützer zurückgepfiffen wurden. Ursprünglich waren die Tiere recht gutmütig. Doch mit dem Hunger büssten sie ihre gute Laune ein. Ein, zwei Vorfälle, bei denen eine Robbe einen Strandgänger bedrohte, lösten weltweites Entsetzen aus und die Seehunde wurden zum Abschuss freigegeben. Das war das Ende dieser Spezies. Schade eigentlich, findest du nicht?“ „Tja“, Knut zuckte die Schultern, „lange hätten sie es doch sowieso nicht mehr gemacht.“ „ Hm... trotzdem …weisst du, manchmal frage ich mich …“ Serena blickte nachdenklich in den tropischen Urwald , der an der Wand vor ihr simuliert wurde. „Wie es wäre, wenn die Natur noch existieren würde?“ Knut lächelte spöttisch. „Es Strände und Wälder gäbe, Pflanzen und Tiere? Dann gäbe es auch noch eine Reihe anderer Dinge, die uns im Laufe der Zeit ziemlich unangenehm wurden. Komm, Kindchen, lass das Träumen. Es gibt uns, das ist das Wichtigste, oder?“ Serena nickte und nahm ihre Archivierungsarbeit wieder auf. Doch lange, sehr lange klang sein letztes Wort in ihr nach: „Oder …?“
Beitrag bearbeitet von: Siebenschläfer, um: 2008/07/21 15:00
Beitrag bearbeitet von: Siebenschläfer, um: 2008/07/21 15:02
Beitrag bearbeitet von: Siebenschläfer, um: 2008/07/28 09:35
Beitrag bearbeitet von: Siebenschläfer, um: 2008/07/28 09:38
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