Kristallia131313
Benutzer
 Grünschnabel
| Beiträge: 2 |   | Karma: 0
|
Re:Mai - 2008/05/08 20:46
Der Lebensretter
„Schatz, sei so gut und bring die Sachen schon mal ins Auto.“, damit drehte sich seine Frau um und eilte dem kleinen Zeitschriftenladen entgegen. Seufzend tat er wie ihm geheißen und verließ den Großmarkt in Richtung Parkplatz. Die zwei Kleinigkeiten, die seine Frau hatte besorgen wollen, waren leider zu einem Berg aus Tüten und Schachteln mutiert, die er nun keuchend vor sich her balancierte. Ganz oben lag die eingeschweißte Tüte mit Fisch; die undichte eingeschweißte Tüte. Während er über den Parkplatz marschierte beobachtete er, wie sich die streng riechende Flüssigkeit langsam ihren Weg über die Cornflakespackung bahnte, zum Pelzanhänger seines Autoschlüssels kroch und schließlich davon aufgesogen wurde. „Den würde er wohl wegschmeißen müssen.“, dachte Frank. Er war frustriert. Nicht wegen des Anhängers oder seiner Aufgabe als Packesel, noch nicht einmal wegen der anschließenden langen Fahrt zu seiner Schwiegermutter. Nein, was ihn frustrierte waren die blitzenden schicken Autos um ihn herum. Adrett aufgereiht in Reih und Glied, wie auf einer Autoschau standen sie da, eines schöner als das andere. Mit sehnsüchtigen Blicken betrachtete er ein schickes rotes Cabrio. Daneben stand sein eigenes Auto. Eine verbeulte Klapperkiste aus dem letzten Jahrhundert. Missmutig stapfte er zur zerkratzten Fahrertür. Und wieder hatte ihm niemand die Freude gemacht das verdammte Ding zu klauen. Warum auch? Bei der Auswahl hier? Seufzend warf er einen Blick über die Schulter. Roter Lack, Ledersitze…KLIRR. Verflixt nun war ihm auch noch der dumme Schlüssel heruntergefallen. Mit Hängen und Würgen stellte er die Einkäufe auf dem Autodach ab. Er sah nach unten. Kein Schlüssel. Er bückte sich tiefer. Immer noch kein Schlüssel. Fluchend ging er auf die Knie und schaute unter seinen Wagen. Zwei große Katzenaugen schauten zurück. Dort unten kauerte ein zerzaustes braunes Pelzknäuel und in seinem Maul der Fellanhänger samt Autoschlüssel. Es war Urlaubszeit, womöglich hatte jemand das Tier ausgesetzt. „Bist du hungrig? Armes Ding, aber das kannst du nicht fressen.“, sprach er versöhnlich auf das Tier ein und streckte dabei vorsichtig die Hand nach seinem Schlüssel aus. „Auuu!“, er zog seine zerkratzte Hand zurück. „Verflixt noch mal.“, murmelte er mit der schmerzenden Hand im Mund. „Gibt es ein Problem?“ Überrascht schaute Frank auf. Vor ihm stand der Besitzer des roten Cabrios, ein drahtiger junger Mann, der ihn mit kritischem Blick musterte. Plötzlich wurde Frank bewusst, was für ein lächerliches Bild er abgeben musste. „Nun, ja da unter dem Wagen...“, begann er halblaut, die Sache war ihm mit einem Mal furchtbar peinlich. Der junge Mann kam näher und packte Frank am Handgelenk. Prüfend schnupperte der Fremde an einem frischen schwarzen Fleck an Franks Ärmel, dann legte er sich auf den Boden und steckte den Kopf unter das Auto. Frank saß nur verwirrt daneben. Der Mann kam wieder zum Vorschein, sein Blick war ernst. „Mit dem Wagen sollten sie nirgendwo mehr hin fahren, das wäre lebensgefährlich.“, er drückte Frank seine Karte in die Hand. Kfz-Mechaniker prangte darauf in großen Buchstaben.
Als Franks Frau wieder kam bot sich ihr ein äußerst merkwürdiger Anblick. Der Wagen war verschwunden. An seiner Stelle lagen die Einkäufe im Kreis verteilt. In der Mitte hockte Frank, eine leere Fischtüte in der Hand und eine kleine sehr zufriedene Katze auf dem Schoß. „Ah Schatz, sei so gut und kauf uns noch eine Ausgabe von „Unser Kater“ und einen Korb.“
Beitrag bearbeitet von: Kristallia131313, um: 2008/05/17 18:41
|