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 Grünschnabel
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Re:Drachenläufer - 2008/10/14 12:19
Immer dichter hüllen die Nebelschwaden die penetrant flimmernden Lichter der Stadt in fluoreszierende Watte. Der Nieselregen und der feuchte Schweiß der Straße liefern sich klammheimlich ein Turnier um die Gaderoben der Passanten und es ist so kalt, dass man unweigerlich an eine Verschwörung gegen diese urbane Festung glauben muss. Freilich entgeht dies dem beengten Horizont all dieser Lobbyisten der Konsumgesellschaft, die unbeeindruckt der Gefahren im abendlichen Kaufrausch durch die Gassen kriechen.
Ein Mann bahnt sich den Weg durch diese morbide Menge. Doch bei genauerem Hinsehen bahnt sich der Weg vor ihm. Denn die Menschen, eben noch mit sich selbst beschäftigt, weichen zurück und äugen ihn mit ehrfürchtigen, fast schon wehmütigen Blicken an. Doch nur um ihn sogleich wieder zu vergessen. Ein Mann, vielleicht der eindruckvollste den sie je gesehen haben: groß, langes dunkles Haar und wissende Augen, welche wie auf ein fernes Ziel gerichtet, hastig die Umwelt scannen. Er wandelt in stolz gekrümmter Haltung, als trüge er die Last der Welt.
Allein, langsam brechen diese Schultern. Ich spüre es. Meine Augen fahnden nach einem Kameraden, einen Freud in dieser bedrängten Zeit. Einen, der mir beisteht in dieser schicksalhaften Bedrohung. Doch teilnahmslose Augenpaare huschen ohne ein Leuchten vorbei, wenden sich beinahe ab. Es ist einsam ein Held zu sein. Keiner ist gerüstet gemeinsam mit mir diese Metropole der Pathologie zu retten. Und langsam glaube ich, dass sie auch nicht mehr gerettet werden will, oder es zumindest nicht mehr verdient. Immer weiter muss ich gehen. Immer eiliger, denn immer unentrinnbarer naht der Kampf. Ich werde die Stadt verlassen, mich ekeln ihre undankbaren Kreaturen an.
Aus den Augenwinkeln bemerke ich etwas, nur ein kurzes Aufblitzen. Ich bleibe stehen und wende meinen Blick in diese Richtung. Dann sehe ich ihn und weiß sofort, er ist der Richtige. Seine Aura der Hoffnung leuchtet schon von weitem. Fast renne ich auf ihn zu. Ich werde mich zu ihm zu setzen. Er wird mir Halt geben in den kommenden schwarzen Stunden. Wir werden gemeinsam kämpfen gegen alles was da Nacht für Nacht auszieht diese Stadt zu vernichten. Und das wird immer mehr und immer stärker. Doch jetzt auch wir wenigstens Zwei. -
Als ich aufwache tut mir alles weh. Aber so ist es jeden Morgen. Es ist meine Bestimmung, nachts wenn wir alle schlafen zu kämpfen um die Welt zu retten. Ich schaue mich um und suche meinen Freund. Doch er ist weg. Die Sonne ist schon nicht mehr zu sehen. Ich muss ihn wiederfinden bevor es völlig dunkel wird!
Wo bin ich überhaupt? Mir wird bewusst, dass ich an einer Plakatwand lehne. Hatte ich die Stadt nicht gestern verlassen? Mühsam erhebe ich mich und gehe rückwärts ein paar Schritte von der Wand weg. Ich spüre wie mir übel wird. Da ist er. Doch wie kann das sein? Mein Freund der Baum ist aus Plastik? Was für ein Betrug! Panik steigt in mir auf. Ich gehe weiter zurück und sehe weitere Plastikbäume, genau wie mein perfider Freud. Ohnmächtige Wut spült durch meine Adern. Ich zittere am ganzen Körper. Ich schau auf meine Hand, die sich meiner Kontrolle entziehen will. Ich muss mich beruhigen, immerhin bin ich der Held und die letzte Hoffnung der Stadt. Dann endlich finde ich meinen treuen Kameraden John Barleycorn.
Und zusammen machen wir uns wieder auf die Suche nach einem neuen, einem richtigem Kriegsgefährten.
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