Phineas
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Die Hasenkiste - 2008/07/04 14:28
Totale des Raums. Langsamer Zoom auf eine verrottete Holzkiste, die zwischen alten Gartengeräten steht. „Die Schmidt'sche Hasenkiste“, sagt Karöttchen mit ihrer Moderatorinnenstimme. „In diesem verfallenen Eigenbau aus dem 50er Jahren hat sich heute am frühen Morgen eine Tragödie ereignet, die drei jungen Hasen das Leben gekostet hat.“ Durch Halbdunkel in den Innenraum. Altes Stroh klebt auf dem Boden, zusammengehalten von Kot und Urin. Hier und dort liegen Ostereier, geschmückt mit Pfotenabdrücken. „Es stinkt fürchterlich“, sagt Karöttchen. „Wie können Hasen nur so leben?“ „Wirklich schrecklich“, bestätigt Mümmel, der Kamerahase. Er greift nach vorn und schaltet die Videoleuchte ein. Ihr Lichtkegel durchschneidet den Schatten. Eine Spinne zwängt sich durch eine Ritze im Holz. „Abstoßend! Meine Damen und Herren, ich weiß nicht, wie viel Sie von den Zuständen vor Ort mitbekommen, aber ich kann Ihnen sagen: Es ist fast unerträglich, hier zu stehen.“ Großaufnahme: ein roter Fleck. Der Boden ist aufgekratzt. Haarbüschel hängen an den Wänden. „Schaurige Szenerie“, kommentiert Karöttchen. „Überall klebt Blut.“ „He! Was haben Sie am Tatort verloren?“, tönt eine Rammlerstimme. Die Kamera wackelt und ruckt herum. „Ah. Einer der Ermittler. Ich werde versuchen, ihn für ein Interview zu gewinnen.“ Ein alter Hase mit grauem Fell kommt ins Bild. Sein Mittelscheitel reicht vom Kopf bis zum Schwanz. Bekleidet ist er mit einer Krawatte, auf der ein goldenes Dienstabzeichen prangt, und einem breiten Ledergürtel. In seinem Maul hängt ein Möhrenlolli. „Versuchen können Sie's.“ Grinsend schiebt er den Lolli per Zungenantrieb von einer Backe zur anderen. „Wie heißen Sie“, fragt Karöttchen. „Kommissar Rhabarber, Mordkommission.“ „Könnten Sie ...“ „Wendet euch an die Pressestelle.“ „Hier, nehmen Sie“, flüstert Mümmel. Der Kommissar sieht nach unten. Seine Augen werden groß. „Natürlich berichte ich der Öffentlichkeit gern, wie der Stand der Ermittlungen ist.“ Zoom-out. An Rhabarbers Gürtel hängt ein frischer Bund Rübenkraut. Er lächelt. „Ich helfe der Presse wo ich kann.“ Schwenk auf Karöttchen. Sie nickt. „Können Sie unseren Zuschauern sagen, was hier geschehen ist?“ Rhabarber halbnah. „Eine schlimme Sache.“ Der Kommissar seufzt. „Ein Dreifachmord an Einjährigen. Seltsame Burschen ... Es ist unmöglich zu verstehen, was in den Köpfen junger Hasen vorgeht. Als ich noch jung war, vor fünf Jahren ...“ „Was meinen Sie damit?“, unterbricht ihn Karöttchen. Rhabarbers Kopf in Großaufnahme. Er wirkt nervös. „Die Jungs gehörten zu einer Gang – nichts Ungewöhnliches in solchen Ställen –, haben sich das Fell lila angesprüht und einen auf cool gemacht. 'Yo Knusperhase!' und so weiter ... Sie wissen schon: Hippe-Hoppler.“ Beide halbnah. „Könnten die Morde Folge eines Bandenkriegs sein?“ „Nein.“ Rhabarber schüttelt den Kopf. „Aber denken Sie nicht, dass das Ausmaß der Gewalt ...“ „Wir haben einen Verdächtigen.“ „Ach, wirklich?“, flötet Karöttchen. Ihr Ohr zuckt, wie immer, wenn sie verärgert ist. „Und? Sagen Sie den Zuschauen, um wen es sich handelt?“ „Es ist das Wiesel, das die Morde gemeldet hat. Cleverer Bursche, hat überall Osterdekoration ausgelegt, um die Sache als Ritualmord zu tarnen.“ Rhabarber deutet auf die Eier. „Aber uns täuscht er nicht.“ Er lächelt selbstbewusst. „Sie können den Verdächtigen überführen?“ „Das ist immer die gleiche Geschichte mit diesen Wieseln.“ „Ja?“ „Verhafte eins und du hast auf jeden Fall einen Schuldigen.“
Beitrag bearbeitet von: phineas, um: 2008/07/20 09:22
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