truekrabat
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Ulrich Wickert - Der nützliche Freund - 2008/07/28 13:33
Um ehrlich zu sein, ich bin hin und hergerissen. Das Thema um Korruption auf Staatsebene und allgegenwärtiger Macht von Bankiers ist hinreichend ergiebig, um daraus ganze Romanserien zu erstellen. Sich daraus einen Abschnitt auszusuchen, der vielleicht den Bereich beleuchtet, wenn auch nur fiktiv, der die mögliche Leuna-Affäre und das Mitwirken höchster deutscher Politikerkreise zum Mittelpunkt macht zeugt von einem gewissen Mut, auch mal unbequeme Gedanken zu äussern.
Kurz zur Handlung:
Marc Leroc, verurteilter Mittäter in der Affäre um France Oil und Leuna-Raffinerie kündigt in Paris ein Buch an, in dem er die wahren Hintergründe und Hintermänner aufdecken will.
Margaux, Paris Journalistin und befreundet mit dem Untersuchungsrichter Jacques Ricou, wittert eine große Story und interviewt Leroc des öfteren in seiner Wohnung. Eines dieser Treffen endet für Leroc tödlich. Er stürzt vom Balkon seiner Wohnung aus dem 22. Stock auf die Strasse. Margaux wird von der Polizei bewusstlos dort vorgefunden.
Ricou beginnt zu ermitteln und stösst schon bald in ein Wespennest. Eine mysteriöse Frau begeht eine Mordanschlag auf ihn und wird am nächsten Tag aus dem Hospital entführt, scheinbar von der Polizei.
Ricou muss sich gegen den Vorwurf der Vergewaltigung wehren und sein Freund, Kommissar Jean Mahon, gegen den des Amtmissbrauchs.
Und eine ehrgeizige Leipziger Staatsanwältin versucht ihm den einzigen Zeugen zu entreissen, den er hat – Holm Mormann, einen Freund von Leroc.
Die Umsetzung des Themas in einen flotten Roman zu giessen und den Helden zum Schluss mit mehr oder weniger mit leeren Händen dastehen zu lassen gleicht in etwa dem Ausgang der Affäre, die im Roman behandelt wird.
Anfangs erscheint der Stil etwas zu detailliert, die Wegbeschreibungen zu ausführlich, Situationsdarstellungen zu genau. Auch die Wortwahl ist an manchen Stellen vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, wenn auch grammatisch völlig korrekt.
Etwa nach zwei Dritteln des Buches schwenkt der Stil jedoch plötzlich um und die Handlung gewinnt an Fahrt. Stellenweise ist es fast schon schade, das manches nicht ausführlicher beschrieben ist, manche Figuren nur noch am Rande zitiert werden, aber selbst nicht mehr in Erscheinung treten.
Dennoch ist daraus eine gelungene Story mit schlüssiger Handlung geworden, wenn auch das Ende vom Leser vermutlich als abrupt und überraschend wahrgenommen wird.
Alles in allem ein gelungener Roman, der auch eine gewisse Vorfreude auf das vierte Abenteuer des Pariser Richters aufkommen lässt.
Beitrag bearbeitet von: truekrabat, um: 2008/08/19 10:06
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