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 Meisterfeder
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Frühjahrsputz - 2007/06/17 10:27
Der Mai ist zwar schon vorbei, trotzdem...
Frühjahrsputz
Der Frühling hat heuer etwas lange auf sich warten lassen. „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“ – so hat es der gute Goethe einst formuliert. „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“, ruft Jahr für Jahr der betagte und deshalb schon seit Jahrzehnten pensionierte Oberstudienrat aus dem weit geöffneten Fenster seiner Wohnung. In den Vorgärten wird gesät und gepflanzt. Die jungen Frauen führen ihre luftigen Kleider aus und locken damit die Blicke der von Frühlingsgefühlen heimgesuchten männlichen Passanten an. Und wer nähert sich sofort dem rauschenden Bach hinter den Siedlungshäusern auf leisen Gummisohlen, rotes Plastikküberl und gelben Schwamm in fester Hand?
Es sind Autowäscher mit Kind und Kegel, die sich anschicken, ihre fahrbaren Sparbüchsen vom Winterdreck zu befreien. Und sie scheuern und schuften mit den Resten alter Unterhosen und verbrauchter Gardinen, verwenden allerlei chemische Wundermittelchen und schmirgeln an jedem Lackfleck so lange herum, bis das blanke Blech der Karosserie durchschimmert. In ihrer fürsorglichen Reinigungswut kitzeln sie sogar die kleinen Steinchen aus den Profilen der Gummihufe. Dabei unterhalten sie sich lautstark über Vor- und Nachteile ihrer den immer kostspieliger werdenden Benzin fressenden Weggefährten. Ein Hauch von Neid mag wohl aufkommen, angesichts der unterschiedlichen Pferdestärken, doch den lässt man sich nicht anmerken.
Der Frühjahrsputz am Limousinchen ist für den daran vorbei spazierenden Zuschauer eine entzückende Unterhaltung. Der vor lauter Anstrengung bereits schweißgebadete Papa baut die Sitze aus, die von der offensichtlich resoluten Mama mit einem Teppichklopfer gnadenlos verprügelt werden, als trügen sie die Schuld an hohen Ratenzahlungen. Selbst das kleine Töchterchen werkelt fleißig mit. Was macht’s, wenn es den Kübel voller Schmutzwasser umstößt und die penibel polierten Felgen deshalb wieder so ausschauen wie vor der Reinigungsprozedur. Der Papa wird’s schon richten. Sein pubertierender Sprössling liegt gedankenverloren auf der trockenen Wiese, bohrt eifrig in der Nase und kümmert sich einen Dreck darum, dass der Vater ihn einen Faulpelz schimpft.
Schließlich und endlich scheint die Verschönerungsarbeit doch abgeschlossen zu sein – und alle stehen nun ehrfürchtig um das stolz glänzende Gefährt herum. Genau in diesem Moment, als die Mama rasch noch einmal mit dem Rehleder über den Rückspiegel wischt, beginnt es heftig zu regnen. Alle flüchten unter das Wagendach. Der Papa flucht ungemein und nimmt sich vor, künftig anstatt an den Bach hinter den Siedlungshäusern zur Waschanlage bei der Tankstelle am anderen Ende der Stadt zu fahren und den dort vorhandenen Servicedienst in Anspruch zu nehmen.
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