freakydarling
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Re:Wörterbörse - 2006/08/20 01:09
Es war schon immer sein Traum gewesen, zur See zu fahren. Die wilde Gischt, das sanfte Auf und Ab der Wellen, die salzige Luft, einfach die Freiheit auf dem Ozean – das war seine Bestimmung. Seit er klein war verspürte er in sich diesen Wunsch. Der Auslöser dafür war jedoch so klein und unscheinbar, dass niemand gedacht hätte, welche Bedeutung er haben würde. Es war ein kleines Schiff gewesen; kaum 10cm lang. Eines Tages fand er es am Stand. Das Hochwasser spülte es ihm direkt vor die Füße, wo es dann im Sand stecken blieb, bis er es vorsichtig aufhob. Das Schiffchen war aus einem Holzstück geschnitzt, bis ins kleinste Detail kunstvoll verarbeitet und in seinem Gesamteindruck doch unscheinbar. Es gefiel ihm auf Anhieb und so stellte er es am Fußende seines Bettes auf und betrachtete es jeden Abend bevor er sich schlafen legte. Jedes Mal träumte er davon, das Schiffchen wäre ein großes Schiff und er würde mit seiner Mannschaft über alle 7 Weltmeere segeln. Er stellte sich vor, wie es wäre, als Piratenkapitän die Pflichten seiner Crew zu überwachen, die Vorräte zu prüfen oder ab und zu dem Koch in der Kombüse einen Besuch abzustatten. Doch all dies waren Träume und wenn der Morgen graute fragte er das Schiffchen enttäuscht: „Warum bist du nicht echt und trägst mich über das Meer?“ Je älter er wurde, desto dringender wollte er seine Träume verwirklichen und die Besuche am Hafen seiner Heimatstadt wurden zur Routine, doch niemand wollte oder brauchte ihn an Bord seines Schiffes. An einem besonders regnerischen Morgen jedoch schlug er die Augen auf und betrachtete lange das Schiffchen. „Ich werde dich mitnehmen“, beschloss er, „Vielleicht bringst du mir Glück.“ So kam es, dass er sich wieder einmal zum Hafen begab, doch an jenem Tag munkelten die Leute, ein neues Schiff hätte angelegt. Niemand hatte es schon einmal gesehen oder wusste aus welchen Gewässern es stammte, doch in ihm regte sich die Neugierde und er begann das neue Schiff genauer zu betrachten. Die Masten, die Galionsfigur, die Segel, das Steuerrad, der Aufbau, ja sogar der Kiel - soweit er ihn erkennen konnte - kamen ihm bekannt vor. Hektisch zog er das Schiffchen aus seiner Tasche und verglich es mit seinem größeren Abbild vor ihm. Völlige Übereinstimmung. Nicht ein Balken, nicht eine Kerbe wich vom Original ab. Freudig lief er auf einen Matrosen zu, der gerade von Bord gehen wollte. „Sucht ihr noch jemanden für eure Crew?“, fragte er. Der Matrose lächelte und antwortete: „Wir können immer frisches Blut in unserer Mannschaft gebrauchen. Wie ist deine Name?“ Er überlegte und sagte schließlich: „Mein Name ist nicht so wichtig. Aber man kann mich Blackbeard nennen.“
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