Toni
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 Gelegenheitsschreiber
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Re:April - 2008/04/06 17:31
Vom Garten, der einmal war
Es war einmal ein König, der herrschte über ein mächtiges Reich. Als er nun alt geworden war, wollte er es einem seiner drei Söhne vererben. So ließ er alle drei zu sich kommen und sprach: „ Derjenige soll König werden, der mir aus dem Garten, der einmal war, das Wasser des ewigen Lebens bringt.“ Als erster machte sich der älteste Sohn auf. Er ritt bis zu den Sieben Bergen und sprach dann zu sich: „Was soll ich mich so quälen! Ich bringe meinen Vater frisches Wasser von hier, das wird es auch tun.“ Doch als der alte König von dem Wasser trank, merkte er, dass es nicht das Wasser des ewigen Lebens war und so schickte er den zweiten Sohn fort. Da machte sich auch der zweite Sohn auf und ritt bis zu den Sieben Bergen. Drei Tage benötigte er, bis er sie überquert und die Sümpfe ohne Wiederkehr erreicht hatte. Dort sprach er zu sich: „Was soll ich mich so quälen! Ich bringe meinem Vater frisches Wasser von hier, das wird es auch tun.“ Doch als der alte König von dem Wasser trank, merkte er, dass es nicht das Wasser des ewigen Lebens war und so schickte er seinen letzten Sohn fort. Da machte sich auch der dritte Sohn auf. Er ritt nicht zu den Sieben Bergen, sondern setzte sich kurz hinter dem Königsschloss unter einen Baum und bedauerte sich. Wie er so da saß, kam ein Mädchen und fragte ihn: „Warum sitzt du hier und bläst Trübsal?“ „Ach“, jammerte er, „du hast gut reden, ich soll meinem Vater aus dem Garten, der einmal war, das Wasser des ewigen Lebens bringen.“ Das Mädchen antwortete: „Wenn es weiter nichts ist! Was ekomme ich von dir, wenn ich es für dich hole?“ Da freute sich der Königsohn und sprach: „Wenn du das tust, sollst du meine Frau und die Königin des Reiches werden.“ Das hörte das Mädchen gerne und meinte: „Warte hier auf mich!“, sprachs und brach auf. Als es am Fuße der Sieben Bergen angekommen war, bat es die Vögel: „Ihr Vögel unter dem Himmel, helft mir und zeigt mir den Weg über die Sieben Berge.“ Da flogen ihm die Vögel voraus und zeigten ihm den Weg durch die Berge. Bei den Sümpfen ohne Wiederkehr bat das Mädchen die Frösche und Unken: „Ihr Frösche und Unken, helft mir und zeigt mir den Weg durch die Sümpfe ohne Wiederkehr.“ Da hüpften ihm die Frösche und Unken voraus und zeigten ihm den Weg durch die Sümpfe. Schließlich stand das Mädchen an einem großen blauen See, in dessen Mitte war der Garten, der einmal war und eine prächtige Pappelallee führte dorthin. Doch seltsam – hier gab es keine Vögel unter dem Himmel, kein Getier im Wasser oder an Land. Hier war es ganz still und alles tot. Das Mädchen aber fasste sich ein Herz, sprach ein Gebet und marschierte los. Doch tats einen Schritt, entfernte sich der Garten, der einmal war, zwei Schritte weiter im See. Drei Tage und drei Nächte wanderte es und nach diesen drei Tagen und drei Nächten war der Garten, der einmal war, nicht mehr zu sehen. In seinem Elend kauerte sich das Mädchen unter eine Pappel und weinte und weinte, bis es eingeschlafen war. Es erwachte am Gezwitscher der Vögel, am Quaken der Frösche und am Kitzeln der Ameisen an seinem Arm. Erstaunt stellte es fest, dass es mitten im Garten, der einmal war, saß. Neben ihm stand der jüngste Königsohn, er war ihm mit den Vögeln und anderem Getier gefolgt und so hatte sich der Garten, der einmal war, in den Garten, der immer sein wird, verwandeln können. „Komm, lass uns vom Wasser des ewigen Lebens holen und zu meinem Vater heimkehren“, sprach der jüngste Königsohn. Zurück am Hofe wurden sie vom alten König, den Brüdern und dem ganzen Hofstaat empfangen. Der alte König begrüßte seinen Sohn mit den Worten: „Du willst geschafft haben, was deinen Brüdern nicht gelungen ist?“ „Ja“, antwortete der dritte Königsohn mit fester Stimme „und zwar mit Hilfe dieses Mädchens, meiner zukünftigen Frau und Königin.“ Als der alte König das Mädchen sah, dachte er bei sich: „Dieses Bauerntölpel soll einmal Königin werden! Nie und nimmer, da bleibe ich lieber selbst König!“ Laut sagte er: Gebt mir den Krug, auf dass ich von dem Wasser trinken und ewig leben kann.“ Das Mädchen durch-schaute ihn aber und rief: „Habe ich die Sieben Berge und die Sümpfe ohne Wiederkehr durchwandert und habe ich aus dem Garten, der einmal war, das Wasser des ewigen Lebens geholt, nur damit du es trinkst und ewig König sein kannst? Niemals!“ Und nach diesen Worten trank es selbst aus dem Krug und gab das restliche Wasser dem dritten Königsohn. Kaum hatten sie getrunken, gingen ein Strahlen und ein solcher Glanz von ihnen aus, dass alle, nicht nur der Hofstaat und die Brüder, sondern auch der König, ehrfürchtig auf die Knie sanken. Schon am nächsten Tag wurde die Hochzeit gefeiert und der Königsohn und das Mädchen herrschten lange und gerecht über das Reich, bis sie es geeigneten Nachfolgern übergaben und in den Garten, der immer sein wird, zurückkehrten und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sich dort noch heute.
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