Benno
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 Grünschnabel
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Re:Februar - 2008/02/27 19:00
Letzte Nacht hatte es ein wenig geschneit und Rita hatte dieses Ereignis zum Anlass genommen, um mich an meinem freien Tag zu einem Spaziergang zu nötigen.
Ich hatte zwar generell nichts gegen ein wenig Bewegung einzuwenden, doch die Aussicht meine Fußzehen dem möglichen Kältetod auszusetzen, hatte bei mir nicht gerade zu einem Schrei der Begeisterung geführt.
Ich konnte mich Rita’s Wunsch allerdings nicht verschließen und so kam es, dass wir beide an einem Donnerstag gemeinsam einen Spaziergang unternahmen.
Besonders viel Schnee war letzte Nacht nicht gefallen und mich erinnerte das ganze daran als hätte jemand einen überdimensionalen Puderzuckerstreuer benutzt, allerdings mit einer Halbherzigkeit, die ich mich an das Ausfüllen meiner Steuererklärung von vor zwei Wochen erinnerte.
Rita war es einerlei. Sie war sichtlich gut gelaunt und schien jede Minute zu genießen. Daran änderte auch der Umstand nichts, als sie plötzlich wie angewurzelt stehen blieb und mit ihrer rechten Hand wild nach vorne zeigte.
„Da, guck mal! Siehst du das da?“
Ich blickte in die Richtung ihres deutenden Zeigefingers, konnte aber beim besten Willen nichts erkennen.
'Komm, das müssen wir uns genauer ansehen“.
Meine Neugierde war mittlerweile auch geweckt und so folgte ich ihr.
„Mensch Bernd, das gibt’s doch gar nicht, ich glaub ich wird’ verrückt!“
„Mmm“, mehr brachte ich als Antwort nicht heraus.
Wir knieten daraufhin am Straßenrand und betrachteten zwei Herzen, die jemand in den Schnee gemalt hatte. Die Tatsache, dass sich auf dem einen unsere Initialen befanden, war durchaus befremdlich. Das zweite Herz hingegen war von etwas größerer Form, stand etwas rechts abseits vom anderen und ohne Initialen.
„Bernd, wenn du das linke Herz hier betrachtetest, an was musst du dann als erstes denken?“
„An einen Schmetterling?“
„Na ja nicht wirklich, so ein bisschen vielleicht. Aber ist das nicht unglaublich. Wir laufen hier entlang, entdecken diese zwei gemalten Herzen, in einem von ihnen stehen unsere Initialen und dann mit dieser Zahl fünfundachtzig darunter. Was das wohl zu bedeuten hat?“
„Vielleicht die Anzahl der Jahre, die wir verheiratet sein werden?“
Sie schaute mich daraufhin für einen kurzen Moment überrascht an, fing dann aber an zu grinsen und stürmte geradezu in meine Arme, was dazu führte, dass wir beide zu Boden gingen, während uns die Wolken von oben verstohlen zuwinkten.
Wir beide blieben im Anschluss noch für einige Augenblicke andächtig stehen - betrachteten dieses ja schon fast seltsame Gemälde im Schnee und wunderten uns über dessen tiefere Bedeutung und den uns unbekannten Künstler.
Rita ließ dieses Ereignis den ganzen Tag nicht mehr so richtig los, aber so war sie. Sie konnte sich wirklich für alles Mögliche begeistern und ihre Augen leuchteten dann als hätte man in ihnen zwei Wunderkerzen gezündet, die es zu meinem Glück immer wieder schafften Licht in meine Seele zu zaubern.
Als wir abends im Bett lagen versuchte Rita sich immer noch an der Quadratur des Kreises, sah in der Symbolik dieser zwei Herzen einen tieferen Sinn und zermarterte sich ihr Hirn, in der Hoffnung, eine Art Erleuchtung würde sich ihr offenbaren.
Ich war schon fast eingeschlafen, als sie mich mit einem Kuss zurück in die Wirklichkeit holte.
„Bernd, ich weiß nun was das zweite Herz bedeutet!“ „Und?“, fragte ich sie etwas verschlafen.
Das ist das Herz des Engels, der über uns beide wacht.
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