la pantera rosa
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 Grünschnabel
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Re:Februar - 2008/01/30 19:38
In der prallen Sonne
Wir trafen uns nachts. Kurz vor meinem Geburtstag. Ich war auf dem Fahrrad unterwegs und fuhr eine schlecht beleuchtete Berliner Straße entlang. Ich war ein wenig angeschwipst. Vorher hatte ich bei Freunden zu Abend gegessen und es gab etwas Wein. Außerdem hatte ich es eilig. Wir hatten uns auf den Weg zu einer Bar gemacht, in der man auch tanzen kann. Es war 10 Minuten vor Mitternacht. Die anderen waren mit dem Bus unterwegs, ich mit dem Fahrrad. Irgendwie muss ich Dich übersehen haben. Jedenfalls ist klar, dass Du mich übersehen hast. Ich hatte gerade eine Seitenstraße überquert, als mich die dunkelblaue Limousine von rechts erfasste. Ich sah sie und bemerkte noch, dass der Fahrer sogar noch Gas gab, um um die Kurve zu fahren. Ich hatte wohl kein Licht an. Danke dem Regen. Ihm habe ich es zu verdanken, dass mein Rad einfach nur wegrutschte und ich sanft auf dem Asphalt landete. "Bist Du besoffen?!“ schrie ich fassungslos. Ein bleicher Mann stieg aus dem Auto. Das warst Du. „Haben Sie sich wehgetan? Das tut mir wirklich leid. Ich komme gerade von der Arbeit und ich habe Sie gar nicht gesehen." Ich war völlig perplex. Ich musste mich erst einmal sammeln. „Sie haben sogar noch Gas gegeben!“ Du warst genauso fassungslos wie ich. Einen Augenblick lang trafen sich unsere hilflosen Augen. Diese Rehaugen, diese unglaubliche Wärme. Wie passte das zusammen mit der erlebten Brutalität? Zwei türkische Männer tauchten auf. Sie hatten den Unfall miterlebt. Ich ging meine Köperteile durch. Es war alles noch dran. Und mein Fahrrad schien auch heil zu sein. Der ältere von den beiden Zeugen bestand darauf, dass wir sofort ins Krankenhaus fahren. "Ich habe das selbst schon erlebt. Machen Sie es lieber gleich. Fahren Sie zusammen ins Krankenhaus und lassen sie sich untersuchen. Sonst gibt es nur Ärger." Ich hatte nur im Kopf, dass meine Freunde auf mich warteten. "Wissen Sie, ehrlich gesagt habe ich in fünf Minuten Geburtstag und möchte ihn nicht gerne im Krankenhaus verbringen. Am besten Sie geben mir Ihre Adressen und ich fahre dann weiter." So machten wir es dann auch. Richard. Du wolltest mich gar nicht gehen lassen, aber ich ging. Ich setzte mich wieder auf mein Fahrrad und fuhr los. Punkt Mitternacht betrat ich die Bar, um mit Sekt anzustoßen. Doch unsere Begegnung hatte noch Folgen. Ich war verwirrt, unter Schock. Eine dicke Beule begann auf meinem Oberschenkel zu wachsen und auch mein Gesäß tat mir weh. Doch es war mehr als das. Eine Energie hat mich erwischt, die nun in mir fortlebt. „Mensch, Anna, und Dir ist wirklich nichts passiert?!“ Meine Freundin Clara stieß mich von der Seite an. „Nein, irgendwie war das ein Wunder, ich muss einen Schutzengel gehabt haben." Nichts war für mich so wie davor. Die Koordinaten hatten sich für mich verschoben. Denn Du hast mich berührt. Dennoch war ich ja vollkommen heil. Es gab keinen Grund, Dich anzurufen. Jetzt haben meine blauen Flecken langsam die Farbe gewechselt, sie verschwinden. Eben fahre ich wieder die gleiche Strecke entlang. Doch etwas ist anders. Ich halte an. Am Straßenrand, genau an der dieser Ecke steht etwas geschrieben. Eingeritzt in den Bürgersteig. Ein Herz. Es hat unsere Initialen. R und A. Dort steht es schwarz auf weiß. Verschämt schaue ich um mich, so als könntest Du mein Wangen erröten sehen. Hier stehe ich, in der prallen Sonne. Ich werde Dir antworten. Ein Herz habe ich schon gemalt. Ich werde es mit einem Inhalt für Dich füllen.
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