Andreas
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 Gelegenheitsschreiber
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Re:Wie finde ich einen Verlag - 2006/12/02 20:35
Sehr geehrter Herr Hans-Peter Roentgen, Ihre Fragen fand ich interessanter, als die Antworten. Woran mag das liegen? Vielleicht, weil die Lektoren sich widersprechen? Lediglich der schreibende außerirdische Eschbach wirkt glaubwürdig. AUCH Ihre Rezensionen bei Amazon haben enormes Gewicht, die regelmäßig mein erhöhtes Interesse weckten, wenn ich darüber stolperte. Verraten Sie mir, wieviel Wälder Sie bereits "durchlesen" haben?
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Und nun eine Ihnen vertrauensvoll gestellte Frage, in der Hoffnung, es liest kein SS („Staatsschutz“ mit. Ich erlaubte mir, mein Hirn und meine Wut auf 441 Seiten zu entlasten, wovon ich Ihnen anhängig den Prolog klemme. Erst danach funktionierte mein Gehirn wieder normal, und dann kamen mir Bedenken. Deshalb meine Frage an Sie, ob ich mich zeitgemäß schon mal warm anziehen sollte, für den Gulag in Sibirien, oder ob Kamm und Zahnbürste reichen? Es grüßt Sie ganz lieb Andreas Dietze
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Prolog
An den Staatsratsvorsitzenden der NDDR Pavel Pylska! Lieber Pavel, vorsorglich noch ein paar Zeilen von mir, falls uns Unheil in der wirtschaftsfaschistischen „BRD“ widerfahren sollte. Nur noch wenige Stunden werden wir in der NDDR verweilen und ich kann Dir versichern, daß mir die Muffen sausen, wenn ich an meine bevorstehende Reise in die sogenannte „BRD“ denke, in diesen zwischenzeitlich allseits verhaßten und der Düsternis preisgegebenen Teil unseres Landes, der einst meine Heimstatt war.
Jetzt weiß ich zu schätzen, wie richtig Dein damaliger Entschluß war, Ostdeutschland wieder vom Westteil zu trennen. Ich gebe ja zu, daß das für mich erst ein Schock war, denn ich konnte doch nicht wissen, daß Euch ein vollkommenes neues Konzept vorschwebte. Anfangs wurdet Ihr von allen nur denkbaren reaktionären, ideologischen Richtungen verunglimpft, und auch ich glaubte an eine Neuauflage von Kommunismus und Sozialismus, wie ihn Ulbricht und Honecker verstanden. Natürlich sah ich in Eurem Ökosozialismus nur einen Etikettenschwindel.
Du kannst Dir nicht vorstellen, wie ich bei meinem ersten Besuch in der Neuen Deutschen Demokratischen Republik ins Staunen geriet. Mir ist es bis zum heutigen Tag ein Rätsel, wie Ihr es in so kurzer Zeit schaffen konntet, die Wirtschaft auf Alternativenergien umzustellen und eine gerechte Gesellschaft zu erschaffen. Ich habe noch nie so viele glückliche, ausgeglichene, friedliche Menschen gesehen! Euer Werk war und ist revolutionär! Dafür danke ich Dir!
Die letzte Nacht in unserem geliebten Ökostaat NDDR war für mich eine Katastrophe, denn ich wurde gefoltert, von Träumen, worin sich Hakenkreuzbundesadlerfahnler und Rotfahnler gegenseitig die hirnlosen Köpfe einschlugen, um gewaltsam die Macht in der „BRD“ zu ergreifen, dabei konnte ich keine Ordnungskräfte sichten, die hatten sich aufgelöst. Nach der traumwirren Nacht brachte mir der Morgen keine Erleichterung, im Gegenteil, mit wachem Kopf kam ich nicht umhin, zum x-ten Mal den Werdegang des ganzen Unheils zu analysieren. Die Tragik des Chaosstaates liegt einer banalen Ursache zugrunde, dem Steuersystem, an dem sich faule, unkreative, egoistische, sesselfurzende Bürokraten bereicherten, Lobbyisten im Dienst der Monopolisten, allen voran die der Energiemonopolisten, steuerten die Gesetze, und jene wie Pilze aus dem Boden schießenden „gemeinnützigen“ Vereinigungen, scheffelten mit. Über Jahrzehnte bedienten sie sich unbehelligt aus den Steuertöpfen, und weil die Töpfe nicht ausreichten, wurden mit viel Phantasie neue erfunden und die alten vergrößert, in denen das den fleißigen Menschen inflationär abgepreßte Geld versteckt wurde. Und weil das bei ständig steigender Gier am Ende auch nicht reichte, griffen die Blutgeldsauger die Substanz des arbeitenden Volkes an. Nun ist der Zustand erreicht, den jeder Mathematiker Jahrzehnte vorher hätte berechnen können. Die, die es erkannten, schwiegen, um nicht in Ungnade zu fallen. Reformen waren nicht möglich, die Staatsform war und ist falsch! Und nun ist alles futsch, dieser Staat ist pleite, das Volk rebelliert, die Bürger wehren sich mit Brandanschlägen und Attentaten gegen die Bonzen der regierenden Wirtschaftsfaschisten, es bedarf eines Neuanfangs! Wann bricht der allgemeine offene Bürgerkrieg aus? Und wann übernimmst und sanierst Du diesen Dreckstaat, die Psychiatrie „BRD“? Die Menschen dort drüben wünschen sich ebenfalls Ökosozialismus, glaube mir! Das Volk warten auf Deine Hilfe, nutze diese Chance bevor es zu spät ist, denn drüben schreit der Heimler bereits wie Hitler, und in Kabler hat er seinen Schrumpfgermanen Goebbels gefunden!
Am widerlichsten an der ganzen Sache ist und wird noch lange in unserem Gedächtnis haften bleiben, daß sich Gauner als geniale Gutmenschen feiern ließen und dafür unzählige ehrbare Menschen in den Ruin getrieben wurden.
Und in dieses wirtschaftsfaschistische Chaosland will ich mich freiwillig begeben? Es graust mich gewaltig!
(Wenn ich daran denke, daß ich noch vor gar nicht langer Zeit mit ganz ähnlichen Gefühlen die NDDR betreten habe – ach Mensch, Pavel, was war ich für ein Idiot!)
Aber, mein lieber Pavel, ich fahre trotzdem in den Westteil, weil ich das unbändige Bedürfnis verspüre, Rache zu üben...
Vielleicht fängt man uns bereits an der Grenze ab, dann haben wir Pech gehabt. Kommen wir durch, werden wir bis Stuttgart die Autobahnen und Städte meiden, demnach nur Landstraßen benutzen, denn das ländliche Volk ist noch nicht derart durchgedreht, entsprechend wenige Militaristen werden uns belästigen, so glauben wir wenigstens.
Für den Fall, daß uns bei der Reise etwas zustoßen sollte, bitte ich Dich von Herzen, ein Auge auf unser im Ökoparadies zurückgelassenes Töchterchen Jana zu haben, sie ist doch noch so jung und unerfahren. Ich danke Dir! Dein Alex
Anmerkung: Diesen Brief hinterließ Alex auf dem Bett in Leipzig-NDDR, als er mit seiner Gattin Sina die Reise in die „BRD“ antrat. “Abstecher ins Feindesland“ wird beschrieben im Kapitel 54.
Copyright: Andreas Dietze / 01.12.2006. .
Beitrag bearbeitet von: Andreas, um: 2006/12/07 07:24
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