mia
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 Grünschnabel
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Re:Januar - 2008/01/28 15:50
Lindgrün
Mir ist nicht klar, warum man diese Räume nicht in einem anderen Farbton gestrichen hat. Ich öffne meine Augen und habe das Gefühl, dass es mich anschreit, dies hellgrün oder lindgrün oder wie auch immer man es nennt. Alles ist durchdacht, entspricht dem neusten Stand der Wissenschaft. Das bioenergetische Essen, die ergonomische und energiesparende Form der Dusche, der abwechslungsreiche und gesundheitserhaltende Tagesplan und der, zumindest aus psychologischer Sicht, ausgleichende Farbton. Mich macht das lindgrün einfach nur nervös.
Seit mehr als acht Monaten sind wir unterwegs. Etwas mehr als drei Monate brauchten wir, um Marlon zu erreichen, dann sechs Wochen Aufenthalt, um die Station aufzubauen und seit mehr als drei Monaten befinden wir uns auf dieser Trübseligen Rückreise. Es gibt weder Tag noch Nacht, nur die Gleichförmigkeit des Alls und die künstlich ausfeilte Tag-/Nachtsimulation.. Monatelange Tests hatte ich über mich ergehen lassen und bravourös bestanden. Dann der Beginn der Reise, der Abschied von allem Gewohnten. Nach den ersten zwei Wochen verging die Euphorie, ich war fast schon ein bisschen gelangweilt, als die Nächte mir ein Rätsel aufgaben.
Eines Morgens wache ich erstaunt auf und sehe den Traum immer noch ganz klar vor meinem geistigen Auge: ich blicke aus dem Fenster hinunter auf die gepflasterte Straße. Alles ist in warm trübes Mondlicht gehüllt. Verwundert betrachte ich zwei Menschen, die offensichtlich kämpfen, zwischen ihnen entdecke ich einen Stab, dessen Bedeutung ich nicht erkenne. Alles wirkt verspielt, ganz gradlinig und undramatisch. Ich beobachte.
Der Traum begleitet meine Anwesenheit bei diesem unterfangen. Nach und nach erstaunt er mich nicht mehr, ich wünschte ihn weiter träumen zu können, zu erkenne worum es geht.. Der Traum gehört zu mir, meine einzige Ablenkung in diesem sterilen Szenario.
Ich bereite mich auf die Ankunft vor, in fünf Stunden verlasse ich meine lindgrüne Parzelle und kehre zurück in mein Leben.
Ein jubelnder Empfang, ich eile in das vorbestellte Hotelzimmer; zu viel Aufmerksamkeit; ich muss mich langsam eingewöhnen. Den Ort an dem ich mich befinde, habe ich vergessen. Ein Jetlag wird mir dank des pfiffigen Tages-/Nachtsimulator erspart bleiben.
Ich blicke auf den fremden Wecker, es ist sieben und ich muss gleich zu dem Pressetermin. Ich bin bereit, frisch und erholt. Ich schaue aus dem blanken Fenster, es ist dunkel, nur der Mond bestrahlt mit seinem warmen, trüben Licht die graugepflasterte Straße. Ich sehe zwei Menschen kämpfen, zwischen Ihnen ein bedeutungsloser Stab. Plötzlich umarmen sich die beiden, lachen und gehen gemeinsam die Straße hinunter.
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