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literature.de-Forum  


Dr. Robert
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Regelmäßiger Schreiber
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Re:Januar - 2008/01/02 05:14 Der Gönner
Sie stehen da, wie zwei Liebende. Sie verschmolzen in dem Rauschen des morgens und meine voyoritischten Blicke genügen sich damit die Härte in ihren minimalen Bewegungen wahrzunehmen. Sie schienen nicht da zu sein, mehr ein Schatten ihrer Selbst, eine Regung am Rande der Stadt, die einander zwar berühren müssten, um nicht unterzugehen, aber auch nicht so weit aus ihrer Haut können, als dass sie nun ihrer Regung bedinungslos nachgaben.
Ich hatte ihn verfolgt, hatte mich hinter Häuserecken versteckt, hatte Abstand gehalten um zu erfahren, wer dieser Mann war, den sie alle den Gönner nannten. Ich, ein Verlierer in alltäglichen Belangen, wollte mehr erfahren, von einem, der alle Stricke des Lebens in der Hand zu führen schien. So war es mir jedenfalls in aller Pracht berichtet worden. Er sei ein Magier, ein Mann, der die Welt kenne und seinen Zauber auf sie wirken lassen konnte. Vorsichtig deutete mein damaliger Gesprächspartner auf das Ende des Tresens, wo ein gut gekleideter Mann gerade ein Getränk von einer lächelnden Bedienung entgegen nahm. Auch konnte ich nicht sehen, dass er auf eine Weise bezahlte. Auch bei unserer nächsten Begegnung, besiegte er alle Anwesenden in der Billiardkunst und erntete die neidischen Blicke seiner Konkurenten und den anhimmelnden Blick der Frauen. Einer flüsterte, es ginge mit dem Teufel zu, ein Anderer, es sei wie verhext!
Ich schwebte zwischen Erstaunen und Neugier, zwischen Bewunderung und Neid und fasste den Entschluss ihm den nächsten Abend seiner Wiederkunft zu folgen. Da war dieses Rätsel, dieser Zweifel, ob nicht doch mehr hinter seinem Geheimnis stecken könne als nur gute Manieren und ein geschicktes Händchen. In einer Zeit wie der unsrigen, redet niemand mehr von Zauber und Magie, niemand von Verwünschungen, so dass die Ausnahme mir doch genügend Grund zum Anlass gab, meinen impulsiv gefassten Plan in die Tat umzusetzen.
Zehn Nächte verbrachte ich in der Kneipe, bis ich die Gelegenheit erhalten sollte, seine Verfolgung aufzunehmen. Wie ich mir schon dachte, durchquerte er die nächtlichen Straßen allein. Über uns schrie eine Möve, und einen Moment lang flog sie so nah an ihm vorvei, dass ich mir einzubilden glaubte, sie würde auf seiner Schulter landen. Wie gern wollte ich doch glauben, seinem überirdischen Geheimnis auf die Spur zu kommen! Wi r betraten die Brücke, an der er sich an das Geländer lehnte und zum Fluss hinunterschaute. Unauffällig schob ich mich in das Dunkel eines Pfeilers und erwartete seinen Fortgang oder wollte an etwas Besonderem teilhaben. Ich wollte ganz nah sein, wollte sein Charisma in mich auf nehmen, wenigstens einen Teil, wollte den Honig seines Erfolges kosten. So verharrte ich reglos und gespannt. Eine Stunde war bereits so vergangen, er rauchte, da schob ich mich hinter den Pfeiler zurück, denn seine feinen Sinne könnten meine Anwesenheit bemerkt haben, denn manchmal wendete sein Blick sich nervös in meine Richtung zurück. Oder wartete er auf etwas? Vielleicht eine Frau?
Wie ich da stand, fühlte ich mich bei der Reflektion meines Tuns auf einmal so leer, so ausgehöhlt, kam mir Dumm vor, wie ein Schuljunge, der bei seinem großen Bruder durch das Schlüsselloch schaute.
So begann mit dem Warten schließlich der Morgen zu grauen und die Schatten wuchsen auf dem Beton zu unseren Füssen. Fühlte ich mich schon äußerlich frostig, so kam hinzu die Armseeligkeit meines eigenen Tuns, die Scharm und die Erkenntnis der eigenen Einsamkeit, des eigenen Elends, was die innere Kälte mit der Äußeren stark vermischte. Als mir diese Erkenntnis zu Kopfe stieg, wusste ich, dass ich jetzt wie er war, mir in den Momenten des Lauerns einen Teil seines Seins angeeignet hatte und trat unbesorgt hinter dem Pfeiler hervor, gewillt ihn anzusprechen, um ihn zu trösten und meiner Seele Erleichterung oder vielleicht Beistand zu verschaffen.
Mein Schatten wuchs über das Pflaster, verband sich mit dem seinen, in dem Moment, da der Gönner sich traurigen Blickes zu mir drehte. Aber ich kann nicht auf ihn zu gehen. Da sind nur unsere Schatten, die sich ineinander verflechten aber unfähig sind, wirklich auf einander zu zugehen.
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Januar
Redaktion 2007/12/30 11:00
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thread linkthread link Re:Januar
Dr. Robert 2008/01/02 05:14
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miklos_muhi 2008/01/07 08:29
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thread linkthread link Re:Januar
ina klein 2008/01/15 22:25
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thread linkthread link Re:Januar
PralinenFee 2008/01/17 20:17
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thread linkthread link Re:Januar: MEERFIEBER
Simonette 2008/01/26 16:03
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thread linkthread link Re:Januar
mia 2008/01/28 15:50
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thread linkthread link Wasserstraße
Phineas 2008/01/28 18:35
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thread linkthread link Re:Januar
ElSedl 2008/01/28 19:28
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thread linkthread linkthread link geh-zeiten
cecile h. 2008/01/28 23:33
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thread linkthread link Re:Januar
Toni 2008/01/29 09:25
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