Minnerva
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 Gelegenheitsschreiber
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Re:Fernsehen - 2007/12/06 22:39
Norm plus ultra
Ein Paar, das die Langeweile plagte, erkannte einst, woran es hakte: All die ätherischen Wahlmöglichkeiten konnten keine Zerstreuung bereiten - wie viele Kanäle sie auch empfingen, sie dennoch schlaff vorm Kasten hingen.
Sie entschieden kurzerhand: Der Apparat gehört verbannt! Schleppten ihn in den Keller, wo er zum alten Plattenteller und defektem Computerkram auf den Elektrofriedhof kam.
Die Stube war so blickfangsleer kein altgewohnter Anblick mehr, doch mit üppigem Pflanzenleben wurden ihr neue Impulse gegeben. Zudem ergaben sich Blickvarianten mit mehr Tiefe und weniger Kanten: Sessel wandten sich einander zu, lockten mit Stunden voll Ruh’, Gespräche und der Genuß von Musik brachten vergessene Freuden zurück.
Doch die Harmonie währte nicht lange, machte sie doch die Mitmenschen bange; denn sobald sie denen erzählten, daß sie Bücher statt Kanäle wählten, schlug ihnen von Nachbarn und Kollegen, unverhohlenes Mißtraun entgegen.
Normal ist das nicht – war man sich einig - der Fernseher sei, wenn auch nicht heilig, so doch als Lebensmittelpunkt zu ehren. Niemand darf ihm den Altarplatz verwehren! Wie kann einer sagen, er brauche nicht endlose Serie und Live-Bericht, um sich über fiktive Gestalten auf dem Sitzenden zu halten?
Die Frage kam auf und verwirrte sehr: Glauben die etwa, da ist noch mehr? Soll es nebst Krisen anderer Leute, Züchtigung fremder Kindermeute, Heulboje-Show und Jauche-Geldsegen irgendwas zu genießen geben?
Die Betrachter stellten klar, daß unser Pärchen genügsam war - und bedeuten für gute Bürger Konsumverweigerer nicht Ärger? Verderben die Gemütlichkeit, wenn sie zur Gute-Schlechte-Zeit mit Musizieren sich vergnügen, statt fressend vorm Gerät zu liegen!
So bedenke vor einem Wandel ausführlich: ‚Anders’ wirkt auf die Masse gefährlich.
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