RichardNorden
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Re:Themenfindung - 2007/11/28 13:05
c48 geschrieben: Ich ahne, was Du meinst, kann jedoch, mangels Wissen über das Genre, nichts dazu sagen. Das Phänomen ist meiner Meinung nach nicht genreabhängig, sondern hängt mehr vom Typus des Schreibenden ab. Es gibt Autoren, die sich einfach hinsetzen und losschreiben, um sich dann überraschen zu lassen, wo die Handlung sie hinführen wird. Andere brauchen ein solides Grundgerüst, von dem sie dann beim eigentlichen Schreiben nur ungern abweichen. Und natürlich alle Abstufungen dazwischen.
Sobald man aber ein festes Outline hat, führt die Eigendynamik der sich verselbstständigenden Charaktere dazu, dass man das ursprüngliche Gerüst teilweise massivst umbauen muss. Das kann in jedem Genre passieren: ob man nun plötzlich feststellt, dass eine für die Handlung geplante Liebesbeziehung einfach nicht funktioniert, da sich eine der Figuren ganz eindeutig in eine andere Richtung gezogen fühlt, oder ob man bei einer Selbstfindungsgeschichte erkennen muss, dass die Figur sich unter dem Einfluss der Ereignisse in eine ganz andere Richtung entwickelt, als man geplant hat. Der Effekt ist in jedem Fall derselbe: die Charaktere beginnen, ihre Handlung mitzuschreiben und die anfängliche Planung ad Absurdum zu führen.
Den geringsten Arbeitsaufwand bedeutet das natürlich für die Autoren, deren Romanhandlungen sich erst beim Schreiben entwickeln. Aber das ist wiederum reine Geschmackssache. Mir wäre es viel zu riskant, mich ohne ein solides Outline regelrecht in die Ecke zu schreiben. Und last not least ist die Überarbeitung ohne Outline meist wesentlich zeitaufwändiger, da man dazu neigt, Widersprüche und Logikbrüche einzubauen und nachher eine Menge toter Handlungsfäden aus der Handlung entfernen muss, bevor sich ein durchgängiges Ganzes ergibt.
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