RichardNorden
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Re:Themenfindung - 2007/11/27 22:42
Hmmmm, nichts gegen den nötigen Ernst, aber sollte das Schreiben nicht genau wie das Leben selbst in erster Linie Spaß machen? Ich halte es da mit Mickey Spillane (ja, ich weiß, dass sich allein bei der Nennung dieses Namens der Niveaufraktion sämtliche Nackenhaare sträuben), der einmal in einem Interview sagte: "Ich schreibe die Bücher, die ich selbst gerne lesen würde."
Ich kann mich ja irren, aber bei manchen Posts habe ich den Eindruck, als ob hier der Spaß am Schreiben und am Fabulieren zugunsten eines Kampfs um Stil und Anspruch vernachlässigt wird.
In meinem 'Evil Day Job' (um einen meiner geliebten 'Amerikanismen' zu verwenden ) als Untermensberater im IT-Bereich muss ich mich schon mehr genug um eine 'gediegene' Ausdrucksweise bemühen. Wenn ich in die Welt von Styngard abtauche, haben für mich Spannung und Atmosphäre weit höhere Prioritäten als ein ein durchkonstruierter und bis in den letzten Wortzwischenraum auf Hochglanz polierter Stil.
Wie heißt es so schön: 'Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann.' Man kann nicht allen gefallen, und wer das versucht, macht sich nur selbst unglücklich und entwickelt sich mehr und mehr von dem weg, was man einmal war und was einen eigentlich zum Schreiben getrieben hat.
Daraus könnte sich eine interessante Diskussion entwickeln. Wie seid ihr zum Schreiben gekommen? Was treibt euch an die Tastaturen von Schreibmaschinen, Computern, Laptops und Alphasmarts? Die Suche nach dem perfekten Satz, dem blütenreinen Stil, gegen den auch der kritschste Literaturpapst keine Einwände erheben kann? Oder ist es doch mehr der innere Drang, das Ventil zu öffnen und all die Geschichten zu Papier zu bringen, die einem wie ein inneres Feuer auf der Seele brennen? Schreibt ihr ruhig, besonnen und 'gelegentlich' oder könnt auch ihr euch keinen Tag vorstellen, ohne zu Schreiben?
Ich hatte jahrelang meine Leidenschaft fürs Schreiben zugunsten einer 'klassischen Karriere' in den Hintergrund gedrängt. Rückblickend bedaure ich diese Zeit nicht, da ich mir so die Grundlage dafür aufbauen konnte, mich heute mehr aufs Schreiben konzentrieren zu können. Zweitens hat diese Zeit mir klar gemacht, wie wichtig mir das Schreiben wirklich ist und wie sehr es ein zentraler Teil meiner Persönlichkeit ist. Und da der menschliche Geist niemals still steht, haben sich allein in diesen Jahren so viele Ideen für Romane und Geschichten in mir angestaut, dass ich Jahrzehnte brauchen würde, um sie alle zu Papier zu bringen.
Zurück zum Thema. Was ist euch wichtig beim Schreiben? Stil oder Spannung? Es richtet sich wirklich gegen niemanden persönlich, aber manchmal habe ich bei einzelnen Personen das Gefühl, dass aus Angst vor der Schmach der 'Trivialität' so sehr am eigenen Stil gefeilt wird, dass es irgendwann nicht mehr der eigene Stil ist. Das hat jetzt nichts mit provokativen Thesen im Sinne von 'Jeder wird als Original geboren, die meisten sterben als schlechte Kopie' zu tun. Wir alle lernen und wachsen beim Schreiben. Unser Stil entwickelt und verfeinert sich, genau wie unser Wortschatz und Satzbau mit jeder Geschichte und jedem Buch, das wir schreiben, feiner und nuancierter wird. Aber das ist ein natürlicher Entwicklungsprozess. Es ist meines Erachtens wie beim Sport: wer übermäßig trainiert, steigert nicht seine Ausdauer und körperliche Fitness, sondern baut einen monströsen und unbeweglichen Muskelapparat auf.
Wer sich getroffen fühlt, werfe den ersten Stein Aber Spaß beiseite, ich würde mich über ernstgemeinte Antworten wirklich freuen. Schreibt doch mal, warum ihr schreibt. Ich denke, jeder von uns sollte realistisch genug sein, um zu wissen, dass es einfachere, schnellere und sicherere Wege gibt, um 'reich und berühmt' zu werden (Achtung, Ironie, bitte hierauf keine Stellungnahmen). Selbst ein durchschnittlicher Bauarbeiter hat einen höhreren Stundenlohn als ein durchschnittlicher Schriftsteller und die Chancen, einen (auch kommerziellen) Ausnahmestatus wie z.B. J.K. Rowling, John Grisham oder Stephen King zu erreichen, sind für die Vertreter unserer Zunft weit geringer, als vom Blitz erschlagen zu werden. Also, warum schreibt ihr, wenn es doch so ein undankbarer, schlecht honorierter Job ist, der von kaum jemandem ernst genommen wird, bevor man nicht zumindest einmal in der Spiegel-Bestsellerliste vertreten war? 
Ich mache gerne den Anfang: Ich schreibe jeden Tag (ob es regnet oder schneit, ob ich mich blendend fühle oder mir die Grippe in den Adern pulsiert), seit ich mir in einer gesundheitlich recht üblen Situation (an der mein beruflicher Lebenswandel gelinde gesagt nicht ganz unschuldig war) eine Frage stellen musste: Was wäre, wenn ich irgendwann auf ein Leben zurückblicken muss, das aus nichts außer Arbeit bestand? Wenn ich mir selbst sagen müsste: 'Warum hast du die ganzen Geschichten eigentlich nie aufgeschrieben?' - nur um zu erkennen, dass es dafür jetzt zu spät ist? Für mich war das ein Wendepunkt, und bis heute hat es keinen Tag gegeben, an dem ich meine Entscheidung bereut hätte.
Was ist eure Geschichte?
Gruß Richard http://www.richardnorden.de
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