c48
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 Gerneschreiber
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Re:Themenfindung - 2007/11/26 14:59
Hallo Tanja,
herzlichen Glückwunsch, ich erahne den Weg. gerade habe ich Dein Profil studiert. Du schreibst, lebst davon, bist mir also einige Schritte voraus. Wunderbar!
Den Weg hinter mir zu haben, kann ich nicht behaupten. Ich schreibe an meinem zweiten Manuskript, lerne täglich Neues, erfahre viel durch Thema und Entwicklung der Charaktere. Es ist spannend. Ich wünsche mir sehr, es bleibt so und ich finde weiterhin Unbekanntes.
Du hast vollkommen Recht. Es geht darum, sich nicht an irgendwas anzupassen, sondern dem eigenen Stil zu folgen. Er macht letztlich die Geschichte aus und wird dem eigenen Anspruch an Sprache gerecht. Ich bin zu unerfahren, glaube aber, jedes Genre hat seine eigenen Anforderungen. Mir liegt nur eines und ich will unbedingt die deutsche Sprache, also z.B. keine Anglizismen. Es war eine riesige Überraschung, worin die sich verbergen. Ich habe gedacht, perfektes Deutsch zu beherrschen und hatte versteckte Amerikanismen "aneinander gereiht". Ich will unter anderem Wortwiederholungen vermeiden und die Mischung zwischen langen, kurzen und mittellangen Sätzen in Waage halten. Es bildet sich ein Rhythmus, ein Sog.
Ich glaube: Die Geschichte dem Handwerk zuordnen, ist sicherlich nicht günstig, das Handwerk für die Geschichte benutzen, der geeignete Weg. Für mich ist das ein nicht endender Prozess, wie die Arbeit eines Bildhauers. Zuerst der Fels, dann herausarbeiten, was in ihm verborgen ist. So entwickelt sich letztlich auch die Geschichte. Nur habe ich den Vorteil, ich kann wieder etwas dazuschreiben, während bei einem Fels ab ist, was ab ist. 
Lesen lassen habe ich absichtlich einen Mann und eine Frau, beide kritsch, gemein ehrlich kritisch , aber keine Schreiber. Sie sollten nur der Plausibilität folgen, die Erkennbarkeit der einzelnen Handlungsstränge usw. Da ich die Geschichte im Kopf habe, weiss ich mehr als die LeserInnen. Denen alles mitzuteilen, ist für mich zur "Kunst" geworden.
Mein Probeleser ist richtig gut in Sprache, ein Anwalt, der Plausibilität also unterworfen und er hat mir die Anglizismen um die Ohren geschlagen. Meine Probeleserin habe ich zielgerichtet ausgewählt. Sie "musste" sich von meiner Geschichte -unangenehm- berührt fühlen. Sie steht dem Thema anders als ich gegenüber. Ich erfuhr durch ihre Kritik, wann ich mich in Behauptungen ergiesse und die Ebene des Erzählens verlasse. Stilistisch habe ich keinen Rat gesucht, ich will meiner Art zu erzählen unbedingt folgen.
Ich glaube daran, (ich lese nur so) LeserInnen beginnen und werden entweder in die nächste Seite gezogen oder legen das Buch weg. In meinem Bücherregal gibt es sehr viele angelesenen Romane, wenige, die ich mehrfach las. Zugegeben, es wäre wahrscheinlich leichter, sich anzupassen, Themen zu suchen, die gerade aktuell sind. Doch ein Manuskript braucht Zeit. Es wird immer jemand eher begonnen haben und somit vor mir fertig sein. Und jeder Autor ist besser als der andere, da anders.
Mir geht es um meinen eigenen Anspruch. Es ist klar, meine Bekannten und Freunde lesen, um zu erfahren, was ich fertig bringe. Wollte ich nur für sie schreiben, wäre ein Blog im Internet ausreichend.
Danke für den Hinweis mit dem Verlinken, ich habe schon an meinem ohnehin nicht ausgeprägten technischen Verstand gezweifelt. =))
herzlich
c48
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