Ella
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Kleiner Rückblick: Autorengruppe Zimmerer. - 2007/11/05 17:06
Selbsthilfe
Bei uns gibt es mitten in der Stadt einen Platz wo es immer nach Kaffee duftet. Bänke gibt es und Blumenbeete, eine Fussgängerzone schließt sich an. An warem Sonnentagen, wenn die Sonnenstrahlen schon frühmorgens übers Strassenpflaster huschen, riecht sogar die Sonne nach Kaffee. Ein Platz zum Wohlfühlen, ein Ort an dem man sich gerne ausruht, wo man sich trifft und mitenander redet. Meistens jedoch sitzen auf den Bänken jene, die das Leben ausgespien hat, die zwar den Alltag aber keine Normalität mehr kennen: Landstreicher, Stadtstreicher, Säufer, Arbeitsscheue. Bei schönem Wetter kreist schon Morgens die Weinflasche, fadendünner Zigarettenrauch steht in der Luft. Man lässt sie ungeschoren, weil sie unter sich bleiben und immer da waren.
Seit kurzem ist das anders geworden. Jetzt steht gegenüber der Ruhebänke, auf einem Rondell ein neuer Brunnen. Eine Brunneninitiative hat es zu Wege gebracht. Man hat bei diversen Festivitäten kräftig die Werbetrommel gerührt. Nach zwei Jahren war das Geld für das Prunkstück beisammen.Seine Seitenwände zieren Begebenheiten und Ereignisse aus der früheren Stadtgeschichte. Heimatgefühle sind in. Zur Einweihung veranstaltet man ein Brunnenfest. Der Tag ist heiß, man trinkt,isst, trinkt wieder. Das Orchester spielt tsching tsching bäm und in all der Festesfreude merkt niemand, dass die Bänke weg sind. Vielleicht hat man sie, um fürs Fest mehr Platz zu haben einfach mal abgeschraubt? Doch am nächsten Tag sind sie immer noch nicht da. Ratlos staunen Stadt Landstreicher und Passanten. Ein besonders engagierter Bürger geht aufs Rathaus, fragt nach. Der diensttuende Beamte faselt etwas von Niveau, Rücksichtnahme auf Fremde Image und Kultur.Und dem Fragenden wird langsam klar was das alles soll. Man will das Gesindel, die Saufbrüder, nicht in Brunnennähe haben. Sie sollen sich weiter oben hinsetzen, wo es auch Bänke gibt, allerdings ein wenig abseits, hinter Büschen versteckt.
Nicht weit weg vom neuen Brunnen befindet sich eines der besten Hotels der Stadt. Schwäbisches Fachwerk, dunkelbraun glänzende Balken, geraniengeschmückte Fenster, ein Renomiertempel. Dahin laden unsere prominenten Mitbürger und die die sich dafür halten, ihre Gäste ein. Einige wichtige Persönlichkeiten waren vom Brunnenfest noch übrig geblieben. Nun wollten man noch einmal nachfeiern. Lorbeerbäume standen rechst und links am Eingang des Hotels. Diskret, aber nachdrücklich waren die Parkplätze geräumt worden. Kandelaber und gewöhnliche Strassenlaternen strahlten um die Wette. Die illustren Besucher entstiegen ihren Nobelkarossen, als ihnen plötzlich der Atem stockte. Da sassen auf den Eingangsstufen Stadt und Landstreicher, Säufer und all jene, die sonst auf den Bänken am Brunnen gesessen hatten. Schweigend und todernst saßen sie Spalier in ihren abgerissenen Klamotten, zwischen sich die Weinflasche. Aggressiv stieg fadendünner Zigarettenrauch zum Himmel. Den eleganten Damen und Herren blieb nichts anderes übrig, als über sie wegzusteigen. Dass am anderen Morgen die Bänke wieder da waren, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Natürlich hat keine einzige Zeitung über den Vorfall berichtet, was sich von selbst versteht. Was, frage ich, hätte man denn schreiben sollen?
Geschrieben von Elisabeth Zimmerer.
Beitrag bearbeitet von: Ella, um: 2007/11/05 17:10
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