spacer
spacer
Logo
tchibo.de



 
Hauptmenü
Startseite
Suche
Buch
Hörbuch
Film zum Buch
Vorschau
Videos
Magazin & Interviews
Autoren
Verlage
Forum
News
Service
Branchenbuch
Extras
Shop
Newsletter
Mediadaten/Werbung
Impressum
Newsletter
Wöchentliche Buchtipps, Buchpakete gewinnen & Neuigkeiten - Hier abonnieren

Hinweise zum Newsletterversand
Zu Google hinzufügen
Fügen Sie die literature.de-Rezensionen zu iGoogle hinzu
 

Startseite arrow Forum

literature.de-Forum  


Joana
Benutzer

Gelegenheitsschreiber
Beiträge: 9
graphgraph
Karma: 2  
Klicken Sie hier, um das Profil des Benutzers anzuzeigen
Der Brunnenschacht, unheimlich - 2007/09/20 14:16 Der Brunnenschacht


Er steht vor der alten Mühle seiner Eltern und gemischte Gefühle kommen in ihm hoch.
Die dunklen mächtigen Bäume des Waldes sind noch näher an das Haus gerückt, ihre Schatten sind fast bedrohlich, empfindet er und zieht die Schultern hoch.
Er hat zwar seine Kindheit hier verbracht, aber es lastet ein dunkles Geheimnis auf der Vergangenheit.
Das ist auch der Grund, warum er die alte Mühle und das Grundstück rundherum so schnell als möglich verkaufen will.

„Ach, der Herr Moser!“ Die alte Anna steht vor ihm und mustert ihn mit ihren kleinen listigen Augen, aus der die Neugierde nur so sprüht.

„Guten Tag, Anna!“ Da er in beiden Händen je ein Gepäckstück trägt, nickt er nur, ohne ihr eine Hand entgegen zu strecken.

„Ist aber Zeit, dass sie einmal da vorbeischauen, die Mutter ist ja nun schon seit einem Jahr tot und das Haus steht leer. Tut mir leid, der Selbstmord. Schrecklich
Was glauben sie, was sich da nachts tut? Unheimlich! Plötzlich beginnt sich das Mühlenrad zu drehen, dann bleibt es wieder stehen. Oder es kommt Rauch aus dem Kamin, obwohl kein Feuer im Haus sein kann. Grüner Rauch! Ich glaube Frieda spukt da herum!“

Er lacht kurz und unwillig auf und gleichzeitig läuft es ihm kalt über den Rücken. Er will nicht an Frieda erinnert werden!

Anna ist eine Nachbarin, die ihm und den Anderen schon in seinen Kindertagen alt erschienen war. Sie war immer voller Bosheit und als Kinder nannten sie sie heimlich eine Hexe.
Er dreht sich wortlos um und geht auf das Haus zu. Da er wirklich schon sehr lange nicht hier war, braucht es eine Weile, bis der klobige Schlüssel im Schloß greift und sich dreht.

Im Inneren des Hauses riecht es muffelig und feucht, die Räume sind seit Monaten nicht gelüftet worden. Die Feuchtigkeit des vorbei fließenden Baches hat sich wahrscheinlich durchs ganze Haus gezogen. Er reißt alle Fenster und Läden auf und hofft, dass genug frische Luft hereinströmen wird, um wenigstens ein oder zwei Tage hier wohnen zu können.
Er erwartet gleich morgen früh einen Käufer, der das Haus und das Grundstück kaufen möchte. Er vermutet, dass man das alte Haus wahrscheinlich abreißen wird. Es kommt sicher viel zu teuer, die alte Mühle wieder zu renovieren.

In einer Nische der Wohnküche, die den unteren Raum ausfüllt, ist ein, nun mit Brettern abgedeckter, tiefer Brunnen. Obwohl die Bretter die Öffnung total verschließen, vermeidet er es, hinzusehen und geht in großem Bogen vorbei. Es fällt ihm jedoch auf, dass die Bretter wie neu aussehen und einen Kontrast zu den Brettern des übrigen Fußbodens bilden. Sollte der Brunnen nicht vernagelt sein? Der Brunnen wurde schon lange nicht mehr genutzt und war früher immer lose mit Bretter abgedeckt, aber es stand immer eine große hölzerne Truhe darüber.
Die Truhe war nun weggerückt und stand daneben. Dies erschien ihm seltsam, doch machte er sich keine weiteren Gedanken drüber.


Eine knarrende Treppe führt in das Obergeschoß und er wirbelt viel Staub auf, als er nach oben geht. Langsam und vorsichtig setzt er Fuß um Fuß auf die knarrenden Bretter und ist froh, als er heil oben ankommt. Hier bietet sich der gleiche Anblick, alles ist verstaubt und Spinnweben hängen an der Decke. Sicherlich starren ihn einige Augen von Mäusen und Ratten aus Spalten und Ritzen an und beobachten ihn.

Er beeilt sich auch hier alle Fenster zu öffnen. Es sind nur zwei Räume hier oben, der Schlafraum der Eltern und sein ehemaliges kleines Zimmer mit einem kleinen Vorraum und einem Waschraum, der nachträglich mit einer primitiven Dusche und einem Waschbecken ausgestattet wurde. Das Wasser wurde aus dem Bach herauf gepumpt und war meist eiskalt.

Er beschließt, die Nacht in seinem ehemaligen Zimmer zu verbringen, welches am ehesten bewohnbar schien. Das Bett war in all den Jahren wo er nicht mehr hier war, mit einer Decke und einem Kunststofftuch bedeckt gewesen und wirkte daher nicht so staubig, wie all die anderen Möbelstücke im Haus.

Er stellt seine zwei Reisetaschen auf den kleinen Tisch beim Fenster und beginnt den Raum wohnlicher zu gestalten. Er überzieht das Bett mit der vorhandenen Bettwäsche, stellt jedoch fest, dass sich der Polster und die Decke irgendwie klamm anfühlen. Er legt beides auf das geöffnete Fenster und hofft, dass die Sonnenstrahlen während des Tages sie auffrischen werden.

Die ganze Zeit über ist er bedrückt und es befällt ihn eine Nervosität, die er normaler Weise gar nicht kennt und auch nicht erklären kann.

Den restlichen Tag streicht er durch den angrenzenden Wald, findet dabei seine Ruhe wieder und genießt die Geräusche und Gerüche, die er immer sehr geliebt hatte.

Die Geschichte mit Frieda taucht wieder aus seiner Erinnerung auf. Es war eine böse Geschichte, die mit dem Verschwinden des Mädchens endete. Frieda war ein Nachbarskind und sie spielten oft in der alten Mühle, warfen Steinchen auf die Mühlräder und lachten, wenn sie in hohem Bogen auf der anderen Seite wieder herunter fielen. Sie war ungefähr Zwölf, vier Jahre älter als er, ein sehr frühreifes Mädchen und wußte das auch.
*
Mutter merkte immer, wenn Vater am Fenster stand und zu ihnen heraus schaute und im besonderen Frieda beobachtet. Da wurde er stets unruhig und nach einer Weile kam er ebenfalls zu ihnen heraus. Fast immer ging er mit Frieda dann in den alten Lagerschuppen neben der Mühle und sie kamen immer erst nach einer Weile wieder, beide etwas erhitzt und Vater ging wieder ins Haus.
Er dachte sich damals nichts dabei, doch später, wenn er rückwirkend überlegte, wurde ihm klar, was damals geschah.
Dann konnte man hören, wie Mutter furchtbar laut schrie und Vater ihr laut gebot, ruhig zu sein. Sie war dann plötzlich still und er konnte sie weinen hören.
Wenn er so zurück denkt, ist er heute sicher, dass Vater auf Mutter einschlug.

Damals, mit seinen acht Jahren konnte er sich nicht zusammen reimen, was die Beiden wirklich in der Scheune machten. Heute schämt er sich deswegen und tiefes Mitleid für die Mutter kommt auf.
Eines Tages, sie spielen wieder bei der Mühle und Frieda hat eines ihrer dünnen Kleidchen mit einer dunklen Schärpe an, fällt sie in den Bach. Weinend läuft sie, naß wie sie war ins Haus.
Die Mutter hilft ihr aus dem Kleid und gibt ihr ein altes Hemd von Vater zum anziehen, bis ihr Kleid trocken ist.
Ihm fällt aber nicht auf, dass Frieda nicht mehr herauskommt, umso mehr als Vater aus dem Dorf kommend ihn auffordert mit ihm in den Wald zu kommen und Holz abzuführen, dass er seit dem Morgen dort geschlagen hat. Er ist sofort dabei.
Sie kommen erst spät abends wieder zurück, es ist schon fast dunkel. Das Essen steht auf den Tisch und Mutter wartet.
„Hörst du das auch?“ Fragt Vater und schaut in die Runde.
„Was?“ Scheinbar hört Mutter Nichts. Sie klappert mit den Tellern und singt dabei.
„Ich höre es wimmern, wie wenn eine Katze wimmert.“
„Hier ist keine Katze!“ Sie singt noch immer.

Vater schüttelt den Kopf und runzelt die Augenbrauen.
Er, ein kleiner Bub, versucht auch was zu hören, doch die Geräusche in der Küche waren so laut und da vergaß er es wieder.

Sie gingen schlafen.
So oft es ging, schickte Mutter ihn und Vater in den nächsten Tagen weg, um was zu erledigen.
In den folgenden Tag waren viele Menschen unterwegs um Frieda zu suchen. Sie wurde vermißt. Trotz eingehender Suche konnte das Mädchen nicht gefunden werden.
Anna, die damals nicht weit von ihnen weg wohnte erzählte aber überall herum, sie hätte das Mädchen noch nachmittag bei der Mühle gesehen. Doch Mutter sagte aus, das Mädchen hätte nach mir das Haus verlassen und sie wisse nicht, wohin sie gegangen war.
Das Mädchen war und blieb verschwunden.

Ihm wird plötzlich kalt und er zieht eine Jacke über, die aber auch nicht viel hilft.

Er schiebt dann abends die Gedanken an Frieda und dem Gerede von Anna beiseite und beschliesst, nach einem bescheidenen Abendmahl, dass er sich mit gebracht hat, schlafen zu gehen.

Er kann lange nicht einschlafen, Das Bildnis seiner Mutter verfolgt ihn, die nasse Gestalt von Frieda, er wälzte sich herum. Sollte Mutter....... ? Es wird im ganz übel, wenn er daran denkt. Schreckliche Bilder und kurze Albträume quälen ihn. Er spielt mit dem Gedanken, wieder aufzustehen, hinunter zu gehen und in den Brunnenschacht hinunter zu sehen. Doch dann nimmt er sich vor, dies erst morgen früh zu machen und ihn dann zu vernageln.

Als er dann doch fast in einen Dämmerschlaf fällt, spürt er plötzlich, dass sich das Mühlenrad zu bewegen begann. Man hört und spürt das immer im ganzen Haus. Früher war es ein beruhigendes Geräusch für ihn, heute reißt es ihm aus dem ohnehin sehr leichten Schlaf und er setzt sich ruckartig im Bett auf.
Wer hat das Rad in Bewegung gesetzt? Er war sich sicher es war Anna, sie will ihn scheinbar erschrecken.
Er steht auf und läuft die Treppe hinunter. Durch die heftige Erschütterungen beim Laufen brechen zwei der Bretter und er wäre fast mit einem Fuß in der Öffnung stecken geblieben.

Der untere Wohnraum ist schwach erleuchtet, gelblich-grüne Schwaden ziehen am Fußboden entlang und die Bretter beim Brunnen in der Ecke waren verschoben. Er will hingehen und nach schauen, doch plötzlich erklingt helles Lachen von draußen,
„Komm doch, schau wie das Rad sich dreht! Wir werfen wieder Steinchen!“

Es wird ihm kalt. Eiskalte Schauer laufen über seinen Rücken und die Härchen auf seinem Handrücken stellen sich auf.
Es ist die Stimme von Frieda, oder bildet er sich das nur ein?
Er läuft vor das Haus, und tatsächlich dreht sich das Rad. Es sind einige Schaufeln im Laufe der Zeit vermodert und abgebrochen, einige sind noch intakt. Über das Rad gelehnt, riesengroß erscheinend, mit einem wehenden grünlichen Schleier bedeckt räkelt sich Frieda. Ihre Haare flattern leicht im Nachtwind, ihre Arme sind durchscheinend und dünn, ihre Augen jedoch sind so groß wie Handteller und glühend. Ihre Beine scheinen mit dem Wasser des Baches verbunden zu sein und auch die Schleier vermischen sich mit dem in der Nacht dunkelgrün wirkenden Bach. Über ihren fast durchsichtigen Körper rieseln Wassertropfen.

„Frieda!“ Stammelt er und streckt seinen Arm nach ihr aus.

„Ja, Peter, komm.....!. Komm mit auf das Rad, wir drehen uns, ich zeig dir die Wasserwelt!“

Er spürt wie von ihr ein seltsames Ziehen und magnetische Kräfte ausgehen, er fühlt sich gezogen und klammert sich erschrocken an den Türstock.

„Ja, klammere dich nur dort an, so wie ich mich angeklammert habe, als sie mich gestoßen hat, in das große finstere Loch!“ Sie reißt den Mund auf, er wird riesengroß und es schien ihm, als ob ein grüner, giftiger Hauch heraus käme.
Sie läßt das Rad los und schwebt über den Bach, Ihre Beine sind noch immer mit dem dunklen Wasser verbunden und es scheint, als würde sie in den Bach rinnen und sich mit dem Wasser vereinigen.

Er weicht zurück.
„Ich ..... ich habe das nicht gewußt!“

„Oh, ich habe gerufen, habe geschrien! Keiner kam, um mir zu helfen, auch du nicht. Nun wirst auch du genau so sterben!“
Er taumelt in das Haus und schließt die Türe hinter sich.

„Das nützt dir gar nichts, ich bin hier!“
Die grünlichen Schleier kommen ungehindert unter der Türe durch und richten sich vor ihm wieder auf und formieren sich zu einer konturlosen, durchsichtigen Gestalt. Die sich nun im Raum rasch hin und her bewegt und um ihn herum tanzt. Er dreht sich wirr herum und folgt ihr mit den Augen, bis er spürt, dass es ihm schwindelt.
„Jede Nacht bin ich deiner Mutter erschienen, habe sie geweckt, habe sie tanzen lassen, wie dich nun! Ich habe so lange gepocht und geschrien, bis sie die Truhe entfernt hat und die Bretter weggeschoben hat!“ Sie lacht grausam. „dann ist sie mich nie wieder los geworden!
Als sie eines Nachts schreiend weglief, geradewegs in den Fluß und in den Fluten verschwand stand ich am Ufer und blickte ihr befriedigt nach.
Das Wasser ist nun mein Element, es wird auch das deine sein und jeder, der dieses Haus bewohnt wird dazu verflucht sein, mit uns jede Nacht zu tanzen!“


Sein Körper dreht sich im Kreise, wird von den sich bewegendem schleierartigen Nebel völlig umgeben.

Er spürt, wie sich sein Körper völlig wie auflösend hingibt, wie er sich fast mit diesem Wesen verbindet und körperlos wird, sie zieht den nun hilflosen Körper durch die offenen Spalten der Brunnenabdeckung hinab in den Brunnenschacht.

Noch am nächsten Tag wird der Körper des Mannes auf dem Grunde des Brunnens entdeckt. Er mußte in der Nacht hinunter gestürzt sein und sich das Genick gebrochen haben, war die einhellige Meinung.

„Ich verstehe das nicht,“ sagt Anna zu den Polizisten, „er hat hier seine Kindheit verbracht, er wußte ja, dass da ein tiefer Brunnen war! Und im Pyjama war er auch, also Mitten in der Nacht muß das passiert sein!“ Sie zieht die Mundwinkel nach unten.

„Vor allem, warum war der Brunnen nicht besser gesichert?“ Der Polizist schüttelt den Kopf.

„Das war wegen Frieda!“ Sagte Anna und ging weg.
Noch im Gehen flüstert sie:
„Sie hat ihn und die Alte geholt!“

„Kennst du eine Frieda?“ Fragt der Polizist seinen Kollegen.
  | | Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Melden Sie sich an oder loggen Sie sich oben rechts ein.

      Themen Author Datum
    thread link
Der Brunnenschacht, unheimlich
Joana 2007/09/20 14:16
spacer
Suche
Anzeige
Anmeldung
Warum anmelden?
Mehr erfahren...
Statistik

9.402 Rezensionen, 1.533 Autorenporträts,  1.954 Clubmitglieder, uvm.

Wer ist Online
Aktuell sind 438 Gäste online und 1 Mitglied online
Anzeige


Hörbücher hier herunterladen!

Impressum  |  Kontakt  |  AGB  |  Blog  |  FAQ  |  Werben auf literature.de  |  Presse  |  Jobs  |  RSS-Feeds

Partner: frueherlesen | blaetterrauschen | Zu Google hinzufügen

© 1998-2008 literature.de - literaturschau-mediendienst und content-newmedia.de  |  litstats

Alle Rechte vorbehalten - kein Teil der Inhalte darf auf anderen Seiten / in anderen Medien ohne Zustimmung von literature.de verwendet werden!

Empfehlungen:

spacer