spacer
spacer
Logo
tchibo.de



 
Hauptmenü
Startseite
Suche
Buch
Hörbuch
Film zum Buch
Vorschau
Videos
Magazin & Interviews
Autoren
Verlage
Forum
News
Service
Branchenbuch
Extras
Shop
Newsletter
Mediadaten/Werbung
Impressum
Newsletter
Wöchentliche Buchtipps, Buchpakete gewinnen & Neuigkeiten - Hier abonnieren

Hinweise zum Newsletterversand
Zu Google hinzufügen
Fügen Sie die literature.de-Rezensionen zu iGoogle hinzu
 

Startseite arrow Forum

literature.de-Forum  


hjgraf
Benutzer

Grünschnabel
Beiträge: 2
graphgraph
Karma: 0  
Klicken Sie hier, um das Profil des Benutzers anzuzeigen
Wieviel Würde braucht der Mensch? - 2007/08/23 12:09 Wieviel Würde braucht der Mensch?

Es ist ein lauer, angenehmer Sommerabend. Die Sonne schickt sich an, in einem wunderbar, glänzendem, rötlich schimmerndem Gold hinter den Häuserfassaden der Stadt zu verschwinden. Ein noch warmer, sanfter Wind bewegt die Gardinen am leicht geöffneten Fenster der Wohnung.

Leise dringen die Geräusche von der Straße in das einzige Zimmer der Wohnung. Ein Ein-Zimmer-Appartement mit Kochgelegenheit und kleinem Bad. Karg eingerichtet, mit Möbeln die schon bessere Zeiten gesehen haben. Abgestimmt aufeinander sind sie keinesfalls. Eher eingerichtet nach dem mehr oder minder gefüllten Geldbeutel. Die langsam einsetzende Dunkelheit wird durch einen fahlen Lichtschein einer Stehlampe durchschnitten. Aus einem alten Radiorekorder erklingt Stefan Remmler’s „Vogel der Nacht“ und verbreitet grenzenlose Traurigkeit in der Szenerie. Der Blick schweift umher und findet jemand liegen auf einer alten Couch unter dem Fenster. Die Hände zum Gebet gefaltet, ein entspanntes und fast schon fröhliches Gesicht. Auf dem Tisch, neben der Couch, ein Sammelsurium an Medikamenten, ein Glas mit weißlichem Belag auf seinem Boden. Kein Atemzug durchbricht die Stille des Moments. Ein Leben hat sein Ende gefunden.

Ein scheinbar zufriedenes, bleiches Gesicht. Ein regloser, eingefallener Körper. Wachsgelbe schmale Finger die ineinander greifen ruhen auf ihm. Das letzte Zeugnis eines menschlichen Lebens. Neben dem Glas, auf dem Tisch, finden sich einige Seiten die derjenige wohl noch beschrieben hat. Näher betrachtet erweisen sie sich als sein Testament. Nein, nichts Materielles hinterlässt er, lediglich die Geschichte eines zerstörten Lebens. Ein Leben, das letztlich sein Ende in einer verzweifelten Lage fand. Als wir das Testament in die Hand nehmen scheint zumindest seine Stimme wieder lebendig, beginnt einfach zu erzählen.

Ich hatte eine schöne und behütete Kindheit beginnt die Stimme. Meine Eltern, waren immer um das Wohl der Kinder bedacht. Lieber verzichteten sie selbst auf Annehmlichkeiten, damit wir nichts von der manchmal schon vorhandenen Not merkten. Mein Vater, ein Hilfsarbeiter, konnte keine Ausbildung machen, da unsere Großmutter nur eine Ausbildung zahlen konnte. Zu Gunsten seines jüngeren Bruders verzichtete er auf eine Ausbildung und schlug sich eben so als Hilfsarbeiter durch. Mutter, war Altenpflegerin, konnte ihren Beruf wegen Bandscheibenproblemen nicht mehr ausüben. Sie arbeitete als Putzfrau oder als Arbeiterin in Fabriken. Und doch hatten wir Kinder, was wir brauchten. Manchmal reichte auch noch dafür, einen Schüleraustausch zu finanzieren oder für einen Aufenthalt im Ausland. Jedoch manchmal wurde mir in der Schule schon klar, dass meine Eltern keineswegs zu den wohlhabenden der Gesellschaft gehörten. Ich konnte nicht immer mit den
„Modeerscheinungen“ meiner Zeit mithalten und bekam dies auch immer wieder durch die "spezielle Aufmerksamkeit" meiner Klassenkameraden zu spüren. Richtig eng wurde es allerdings, als mein Vater aus Krankheitsgründen seine Stellung verlor und nicht mehr arbeiten konnte. Er fing an zu trinken. Nein, geschlagen hat er niemals jemanden aus der Familie, aber trotzdem kann Alkoholsucht ein großes Problem sein. Trotz aller Liebe, die ich in der Kindheit spürte, ging sie und die Teenagerzeit schnell vorbei. Ich wollte. oder mußte schnellstens erwachsen werden.


Vater erkrankte immer mehr. Auch Mutter und Schwester begannen zu trinken. Immer wieder sah ich ich mich zwischen den Fronten gefangen. Oft fand ich mich als Puffer zwischen den alkoholischen Außeinandersetzungen wieder. Freunde mit nachhause nehmen, nein, das wollte ich nicht! Vielleicht sahen sie dann Vater, Mutter oder Schwester wenn sie betrunken waren. Nein, das wollte ich nicht, da schämte ich mich. Mutter litt immer wieder unter starken Anfällen von Atemnot. Vater starb langsam vor sich hin in unsäglichen Schmerzen durch kaputte Knochen und inneren Erkrankungen. Trotzdem ich das alles mit ansehen und erleben mußte liebte ich meine Familie aus ganzem Herzen. Es war meine Familie! Ich wünschte mir so sehr, allen einmal eine große Freude bereiten zu können mit etwas, das sie alle vielleicht noch nie gehabt hatten. Mal einen gemeinsamen Urlaub, vielleicht ein Haus, oder ...?

Mit 17 ½ Jahren wollte ich den Führerschein beginnen, damit ich ab und zu mit Vater rausfahren konnte. Vater hatte zwar einen Führerschein, konnte aber schon länger nicht mehr Auto fahren. Einfach mal mit ihm und der Mutter wegfahren, raus an schöne Orte. Nein, es sollte nicht sein. Drei Monate bevor ich mit der Ausbildung zum Führerschein hätte beginnen können, starb mein Vater. Nach langem Kampf mit dem Rentenversicherungsträger, Zeiten in denen wir als Familie nichts zu essen hatte, genehmigte man ihm schließlich doch eine Rente. Diese bekam er 12 Monate dann starb er. Trotz der tiefen Trauer, die ich in mir hatte, spürte ich dennoch irgendwie eine gewisse Erleichterung. Vielleicht weil ich den Kampf des Vaters, seine oftmals unsäglichen Schmerzen und die Qual mit erlebt hatte? Ein wenig schämte ich mich schon für dieses leichte Gefühl von Entlastung. Mit Führerschein und kurz danach der Mittleren Reife ging ich ins „wahre Leben“ hinaus. Ich hatte mich für die Ausbildung zum Krankenpfleger entschieden. Bereits hier erfuhr ich, was es heißt diskriminiert zu werden. Die Stadt ließ mich die Ausbildung nur machen, nachdem ich mich mit Unterschrift verpflichtete, Gewicht abzubauen. Denn wer im öffentlichen Dienst arbeiten wollte, der durfte nicht zu dick sein. Allerdings auch nur an der Basis, denn je höher die Stelle, spielte der Bauchumfang keine Rolle mehr. Seltsam jedoch, wie lange und ausdauernd doch auch übergewichtige Menschen arbeiten konnten? Und für’s Einspringen beim Ausfall anderer Mitarbeiter, zusätzliche Nachtschichten usw. war ich allemal gut. Trotz alledem empfand ich die ersten Jahre meiner beruflichen Tätigkeit als sehr schön. Der Umgang mit Menschen, ihre Erzählungen, Erfahrungen und ihre Zuneigung halfen mir, durchzuhalten. Durchzuhalten bei Kollegen, die mich mieden wegen meiner Körperfülle. Die hinter meinem Rücken lästerten. Die mir auch bewusst ungünstige Dienste eintrugen, gerade dann, wenn sie wussten, dass ich etwas vor hatte. Kollegen, die mir den Urlaub strichen, weil jemand anderes doch ganz dringend seinen Urlaub nehmen musste.

Mit den Jahren häufte ich mir ein großes Wissen in meinem Fachbereich an. Galt sogar bei bestimmten Ärzten und Therapeuten als ein kompetenter Mitarbeiter. Jedoch auch dies gönnten mir so manche Kollegen nicht. Sie legten mir Steine in den Weg, wo sie nur konnten,
hielten Infos für mich zurück,ließen Eintragungen in die Doku-Systeme sein, die wichtig waren usw. Nur um mir Probleme zu machen, mich los zu werden. Ich verabschiedete mich deshalb aus der klinischen Pflege und entschied mich für die ambulante Pflege. Hier arbeitete ich sehr gerne.
Ich war selbstständig und so gut wie niemand konnte mir in die Arbeit hinein redete, wenn sie in Ordnung war. Mit der Zeit aber häuften sich meine Einsätze bei Patienten, die entweder besonders gewichtig waren, oder im Endstadium einer unheilbaren Krankheit waren. Leider sorgte zu diesen Zeiten noch kein Arbeitgeber für einen Ausgleich für die Mitarbeiter, die diesen besonderen Belastungen unterlagen. Jahrelange, ständige Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden hinterlässt seine Spuren, auch bei mir. In dieser Zeit nahmen meine Familie, Mutter und Schwester. sie waren nun schon seit Jahren trocken, einen jungen Straffälligen auf. Dieser lebte 10 Jahre in der Familie, bevor er starb. Er wurde wie ein Sohn, wie ein Bruder und deshalb war es besonders schwer, ihn zuhause zu pflegen als er an A.I.D.S. erkrankte und auch daran starb. In meiner letzten Stelle als Krankenpfleger erlebte ich auch, was Mobbing denn so bedeutet. In einer Einrichtung für körperbehinderte Jugendliche und Erwachsene war ich betraut mit dem Aufbau einer speziellen Internatsgruppe für teil-und dauerbeatmete Personen, aus pflegerischer Sicht. Ich nahm diese Aufgabe sehr ernst und bemühte mich nach Kräften, etwas aufzubauen das meinem Ideal der Pflege näher kam. Ich arbeitete Tag und Nacht, meistens ohne finanziellen Ausgleich dafür, steckte alles mögliche an Kraft und Zeit in diesen Aufbau hinein, dass er etwas Gutes werde. Für kurze Zeit war es das auch. Der Ruf der Gruppe drang sogar bis München und der Landtagsvizepräsident lud eine Gruppe der behinderten Jugendlichen zu einem Besuch des Landtags nach München ein. Doch beim Gegenbesuch des Präsidenten bei der Gruppe war ich, der Krankenpfleger, leider nicht mehr im Hause.

Angesichts der Erfolge, vielleicht, die ich mit seiner Arbeit erzielen konnte und die sich widerspiegelten in Empfehlungen der umliegenden Fachärzte und Hausärzte, dem Interesse einiger Kommunal-und Landespolitiker, wollte mich der Bereichsleiter nicht mehr im Hause haben. Man verlängerte einfach meinen Zeitvertrag nicht mehr. Übrigens eine der bequemsten Lösungen, nicht erwünschte Mitarbeiter los zu werden. Um mir das Gehen leichter zu machen, erlebte ich, wie schon einmal, dass mir wichtige Infos nicht weiter gegeben wurden, mir meine Arbeit erschwert wurde und mir letztlich alle Schwachpunkte der Pflege angelastet wurden. Oh ja, viele Arbeitgeber und ganz besonders die kirchlichen, wissen wie man Mitarbeitern jegliches Engagement rauben kann und ihnen jegliche Zukunftsperspektive nimmt. Ein Hoffnungsschimmer war für mich eine Umschulung, die ich aus gesundheitlichen Gründen. machen musste. Damit hoffte ich, vielleicht auf einer anderen beruflichen Ebene wieder Fuß zu fassen. Doch auch hier sollte mir das Glück nicht hold sein. Als Bürokaufmann ging ich mit Freude an meine erste Stelle, nach der Ausbildung, bei einer
Krankenkasse. Unbefristeter Vertrag, 3 Monate Probezeit, eine günstige Ausgangssituation, dachte ich. Als Ich nach einem Monat dort innerhalb der Probezeit wieder entlassen wurde, verstand ich die Welt nicht mehr. Hatte ich doch wesentlich dabei mitgewirkt, die erhebliche Rückstände an
Krankenhausaufenthaltsverlängerungen aufzuarbeiten und meine Sache doch gar nicht so schlecht gemacht? Nur ein zufällig mit gehörtes Gespräch zwischen der Gruppenleitung und dem Abteilungsleiter, verriet mir den wahren Grund meiner Entlassung. Man hatte mich bereits mit der Option während der Probezeit wieder entlassen zu werden eingestellt. Denn , eine Sozialversicherungsfachangestellte konnte sich noch nicht entscheiden ob sie dort anfangen wollte. So überlegte man, mich einzustellen um die Rückstände zumindest ein wenig aufzuarbeiten, und mich dann wiederum zu entlassen, wenn diese einer Anstellung zusagt. Das tat sie, nach einem Monat Bedenkzeit, und schwupps war ich wieder auf der Straße. So zerstörte sich meine Hoffnung wiederum.

Es sollte mich aber nicht abhalten, mich weiter zu bewerben, weiter nach einer Anstellung zu suchen. Meine Ansprüche begrenzten sich keinesfalls auf die qualifizierte Tätigkeit des Bürokaufmanns, nein, auch Stellenangebote für Büroboten, Schreibkräfte und andere ähnliche Tätigkeiten, schrieb ich an. Nur der Erfolg blieb aus. Dem Arbeitslosengeld folgte die Arbeitslosenhilfe. Doch wenigstens gab es in meinem Familienleben ein paar schöne Augenblicke. Auch half mir meine ehrenamtliche Tätigkeit als Vorsitzender eines Behindertenvereins und im örtlichen VdK über so manchen Rückschlag hinweg. Doch der nächste Schicksalsschlag ließ nicht lange auf sich warten. Meine Mutter erkrankte an Lymphdrüsenkrebs. Trotz Chemotherapie gab es keinen Behandlungserfolg. Nun entschied ich mich, für meine Mutter da zu sein. Ich versorgte sie, so lange es ging zuhause und war, mit meiner Schwester, in den letzten Tagen und Stunden im Pflegeheim stets an ihrer Seite. Tag und Nacht wechselte ich mich im 4-Stunden-Rhythmus mit meiner Schwester ab. Unterstützt wurden wir auch noch von Helferinnen der Hospizhilfe. Bereits zu diesem Zeitpunkt, ich war schon selbst ärger erkrankt, schaffte es die Liebe für meine sterbende Mutter, dass ich diese notwendigen Kräfte mobilisieren konnte. Mutter starb an einem Sonntag abend. Nach diesem Tod der Mutter lernte ich erst so richtig kennen, was es heißt in Deutschland auf die Hilfe des Staates angeweisen zu sein.

Für mich begann nun ein Martyrium der besonderen Art. In den folgenden Jahren lernte ich eine Seite des sozialen Systems in Deutschland kennen, das man wohl erst mal kennen lernen muss um zu verstehen, warum es auch in Deutschland Menschen gibt, die hungern und frühzeitig versterben. Mit der Einführung von Hartz IV wurde auch ich ein Betroffener. Das „Paradestück“ Schröders, die Hartz-Reformen und davon besonders die vierte, erwiesen sich für mich als ein Weg, gepflastert mit
Demütigung, Verachtung, Menschenrechtsverletzung, Bevormundung, Engstirnigkeit, Unwissenheit und Ignoranz. In einem Klima der eisigen sozialen Kälte wurde mir sehr schnell klar, was den Verantwortlichen der Reformen, ein Menschenleben bedeutet. Nichts, nichts und noch mal nichts. Ein Gesetz, ausgelegt auf totale Überwachung der betroffenen Personengruppe, das Menschen dazu zwingt alles bisher erworbene aufzugeben. Selbst Alterssicherungen, Häuser und mehr in Geld aufzulösen. Das, was man vielleicht einmal seinen Kindern hinterlassen wollte, was dem eigenen Alter dienlich sein sollte, flüssig zu machen, bevor man diese Leistung überhaupt erhält. Hat man dies dann getan, dann ist man seiner Lebensgrundlage beraubt und in der heutigen Zeit lässt sich schwerlich eine wirklich gute und neue aufbauen.

Ein Gesetz und seine Ausführungen, die es an Kälte und Menschenverachtung nicht fehlen lassen. Der Regelsatz so knapp gefasst, dass niemand davon leben kann. Vieles, was man sich
nicht mehr leisten kann, lässt schon von außen erkennen „schau hin, da kommt Hartz IV daher!“ Die Behandlung bei den zuständigen Behörden gleicht einem Spießrutenlauf. Bewusst werden Wartezeiten in die Länge gezogen, Menschen überhaupt nicht zum Sachbearbeiter
vorgelassen. Ein Sicherheitsdienst für die Mitarbeiter dort signalisiert dem Betroffenen, dass er zumindest ein stark „kriminell verdächtiges Subjekt“ ist. Telefone werden selten abgehoben, nur Anrufbeantworter decken den größten Teil der Bürozeit ab. Bescheide werden erlassen, deren Richtigkeit keiner so wirklich nachvollziehen kann, der nicht speziell geschult ist. Wegen allem was man als Betroffener braucht, macht man sich zum Bettler und harrt der Gnade der Sachbearbeiter. Offensichtlich bewusst werden Bescheide erlassen, die rechtswidrig in den Augen des Betrachters erscheinen und dem Menschen oft nicht mehr die „Luft zum Atmen“ lassen. Wer gibt Euch, Politiker, Wirtschaftsfunktionäre, Geschäftstellenleiter das Recht dazu? Wer gibt Euch das Recht den Menschen die Existenzgrundlage zu nehmen, ihnen Leistungen auf Null zu streichen? WER GIBT ES EUCH?

Hartz IV und seine Ausführung, ist für mich ein Gesetz zur Desillusionierung und Ausgrenzung eines großen Teils der Bevölkerung, richtungsweisend in eine scheinbar politisch und wirtschaftlich angestrebte Gesellschaft, die meint ohne diese Menschen leben zu können. Wenn das nicht mal ein Irrtum ist? Hartz IV ist Tod auf Raten, wenn den Forderungen von Politikern und Wirtschaftsbossen nachgegeben wird, die Regelsätze noch weiter zu kürzen. Für manche der Betroffenen war, so bin ich der Überzeugung, Hartz IV bereits jetzt das Todesurteil.

Warum habt Ihr mir die Lebensgrundlage geraubt? Warum habt ihr mir das Existenzrecht abgesprochen? Warum konnte ich mir nicht alle Medikamente leisten, die ich brauchte um meine Krankheit und Behinderung richtig zu behandeln? Warum musste ich hungern? Warum
müssen andere frieren? Warum muss ich und müssen andere Schmerzen leiden, die nicht notwendig wären? Wozu müssen Kinder, die von Euch immer so magisch beschworene Zukunft unseres Landes, leiden unter der meist unverschuldeten Arbeitslosigkeit ihrer Eltern? Warum müssen Ältere ihre Altersgrundlage aufgeben? Wozu haben Arbeitnehmer in den
letzten Jahren auf Urlaub, Feiertage und Lohn verzichtet, wenn ihre Mühe mit einer Zukunft in Perspektivlosigkeit und Melancholie belohnt wird? Wozu erleben die Rentner jedes Jahr aufs Neue Nullrunden? Warum könnt Ihr in Saus und Braus leben, wenn doch Eure Unternehmen so „empfindliche“ Gewinneinbußen hinnehmen mussten? Ist es wirklich so, dass Ihr das Leben der Einzelnen nicht mehr respektiert? Wollt Ihr eine
Welt ohne Prekariat? Interessieren Euch wirklich nur noch Eure eigenen Ranzen, Eure eigenen Hälse, die Ihr nicht voll genug kriegen könnt? Ist Euch der Mensch an sich wirklich egal geworden?

Wenn ja, und zu der Überzeugung hat mich Hartz IV und Eure offensichtlichen Lügen der letzten Zeit gebracht, dann will ich nicht mehr leben! Ihr wollt meinem Leben keine Würde lassen? Vielleicht gibt der Tod sie mir zurück? Die Stimme , die sich so in Rage geredet hatte, wurde leiser und leiser, als hätte er alles gesagt, was er wollte! Es sollten aber alle hören. Irgendwie hallt die Stimme noch in dem kleinen Zimmer nach. Ein Leben hat sein Ende gefunden in Desillusionierung, Perspektivlosigkeit, Ausgrenzung und Armut. Alles gegeben, was er geben konnte in der Arbeit und Privat, mit Freude und Enthusiasmus den Beruf und seine ehrenamtlichen Stellen ausgefüllt. Sein Lohn, Armut und
Ausgrenzung. Hartz IV hat gesiegt?

Sanft streicht ein leicht kühler Wind durch den Raum und erfasst das Haar des Toten. Als wolle sich zumindest der Wind von ihm, mit einem Streicheln über das Haar, verabschieden. Da stößt eine kräftige Böe das Fenster weiter auf, und der gerade eingesetzte leichte Regen, lässt ein paar Tropfen auf die Wangen des Toten fallen. Es sieht aus, als ob er weint. Vielleicht die letzten Tränen für eine menschliche Welt?
  | | Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Melden Sie sich an oder loggen Sie sich oben rechts ein.

      Themen Author Datum
    thread link
Wieviel Würde braucht der Mensch?
hjgraf 2007/08/23 12:09
    thread link
thread linkthread link Re:Wieviel Würde braucht der Mensch?
neta 2007/09/18 16:29
    thread link
thread linkthread linkthread link Re:Wieviel Würde braucht der Mensch?
hjgraf 2007/09/18 17:48
spacer
Suche
Anzeige
Anmeldung
Warum anmelden?
Mehr erfahren...
Statistik

9.402 Rezensionen, 1.533 Autorenporträts,  1.954 Clubmitglieder, uvm.

Wer ist Online
Aktuell sind 455 Gäste online und 1 Mitglied online
Anzeige


Hörbücher hier herunterladen!

Impressum  |  Kontakt  |  AGB  |  Blog  |  FAQ  |  Werben auf literature.de  |  Presse  |  Jobs  |  RSS-Feeds

Partner: frueherlesen | blaetterrauschen | Zu Google hinzufügen

© 1998-2008 literature.de - literaturschau-mediendienst und content-newmedia.de  |  litstats

Alle Rechte vorbehalten - kein Teil der Inhalte darf auf anderen Seiten / in anderen Medien ohne Zustimmung von literature.de verwendet werden!

Empfehlungen:

spacer