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Schwarzes Schaf
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Der Mann, der über die Mauer kam (Teil 3) - 2007/08/17 01:17 Ich checke im „Sphinx“ ein, ein alter Bau in der Medina, der in ein hochwertiges Riad umgebaut wurde, ein und geniesse die Inszenierung. Das „Sphinx“ wurde mit viel Geld restauriert und wieder bewohnbar gemacht. Inzwischen gibt es über hundert Riads in Marrakesch, die ihre Gäste in eine kreditkartengetriebene Märchenwelt versetzen. Normalerweise verschließen sich die Häuser und Moscheen einer Medina vor den Blicken der Fremden. Aber die Welt ändert sich schnell, wo Geld im Spiel ist.

Ich ziehe mich um, nehme ein Taxi und fahre raus zur Ortseinfahrt von Ouarzazate südlich von Marrakesch, um mir die Atlas-Filmstudios anzusehen, wo "Die Jagd nach dem grünen Diamanten", "Kleopatra" und "Gladiator" gedreht wurden. Doch als ich nach einer holprigen, staubigen Fahrt schwitzend aus dem Taxi steige, ist dort kaum etwas los, in den Studios wird gestreikt, seit 2 Monaten haben die Arbeiter keinen Lohn mehr gesehen. Ich komme trotzdem mit einem Beleuchter ins Gespräch, der mir das System erklärt. Generell liegen die Arbeitskosten niedriger als in Europa, doch bei der Technik gilt das nicht. Nach dem Gespräch schlendere ich durch die Film-Kulisssen und Styropor-Gebäude. Als ich wieder in die Altstadt von Marrakesch eintauche, erscheint mir die ganze Stadt wie eine Filmkulisse, dampfende Wollfärbereien, klingende Messerschmieden, greise Geschichtenerzähler, keifende Marktweiber, sie alle schrumpfen vor meinem inneren Auge zu einer Filmvorstellung für zahlende Gäste zusammen. Aus den Garküchen steigt weißer Rauch auf.

Ich verziehe mich an den Swimming-Pool des „Sphinx“, schwimme ein paar Züge und lese danach in einer Zeitung, die herumliegt, von einem Macheten-Angriff auf eine Gruppe australischer Touristen. Die Australier werden im Sofitel Maarakkesch von einem wütenden Ex-Angestellten des Hotels mit einer Machete angegriffen und teilweise schwer verletzt. Der Mann klettert einfach über die Mauer am Pool und wütet mit seiner Machete solange, bis zwei Security-Wächter des Hotels ihn überwältigen können.

Der König von Marrokko, der zur gleichen Zeit im Hotel weilt, stellt spontan seinen persönlichen Ansisstenten und Übersetzern zur Verfügung, die die Opfer ins Krankenhaus begleiteten. Der Täter wird verhaftet. Über die Hintergründe der Tat werden keine echten Details genannt. „He was just an angry man ... attacking the first people he could see“ zitiert die Zeitung den Leiter der Ermittlungen. Eines der Opfer des Macheten-Mannes wird mit 40 Stichen im Kopf, am Handgelenk und im Magen behandelt. Ein anderes Opfer bricht sich einen Arm und erleidet eine tiefe Schnittwunde. Der Rest der Sightseeing-Gruppe setzt das geplante Programm am nächsten Tag fort, so als ob nichts geschehen wäre. Ich lege die Zeitung zur Seite und sehe über meine Schulter hinüber zu der Mauer, die an den Pool des „Sphinx“ grenzte.

Mein Abendessen, gegrillte Lammkeule und Bohnen, ist überdimensioniert und zu schwer. Irgendetwas darin bekommt mir nicht. Ich schlafe unruhig, wache schweißgebadet auf, sehe von meinem Balkon hinüber zur Mauer des Innenhofs, hinein ins Dunkel der afrikanischen Nacht. Ich sehe auf meine Digitaluhr: Freitag, der 27. Juni 2007, zwei Uhr, zehn Minuten. Es dauer bis weit nach vier Uhr, bis ich wieder im Bett liege und schlafe.

Am nächsten Morgen beschließe ich, abzureisen. Ich nehme nur einen Tee, verzichte aufs Frühstück, schlendere zu Fuß in eines der vielen Reisebüros in der Medina. Es sieht nach gehobenem Service aus, die Dame im Inneren empfiehlt mir einen Aufenthalt im Sultanat Oman. Meine Sehnsucht nach dem ursprünglichem, unverfälschtem Orient würde dort erfüllt werden. Noch nie sei ein Kunde mit diesem Wunsch enttäuscht aus dem Oman zurückgekommen. Ich bedanke mich bei dieser Krankenschwester meiner Fernwehen und ramme fast die Glastür, als ich den Laden einige Minuten später wieder verlassen will, in der Hand den Coupon für das Flugticket. Durch die Scheibe sehe ich die Dame kichern. Als ich endlich um die Ecke bin, stolpere ich schnell in die nächstgelegene Teestube, um mich zu beruhigen. Etwas muss sich setzen. Das Namensschild auf ihrer blauen Verkaufsuniform … Was stand gleich darauf? Nadja Dar… irgendwas. Nadja! Ich werde in den Oman fliegen, morgen früh um 9:00 Ortszeit.

Wenn man mir am Zoll Fragen nach dem Grund meiner Einreise stellt, werde ich sagen: Ein Engel hat mich gesandt. Die Araber lieben es, wenn man sich poetisch ausdrückt.
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Der Mann, der über die Mauer kam (Teil 3)
Schwarzes Schaf 2007/08/17 01:17
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