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Schwarzes Schaf
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Suche Pleska 9mm - 2007/08/17 00:54 Wie findet ein Hobby-Detektiv einen Assistenten? Ich suche. Schließlich begegne ich ihm durch Zufall: Ich sitze um elf Uhr im Café, trinke ein Glas Tee und studiere die Tageszeitungen. Da sehe ich ihn durch die Fensterscheibe, er hält die Hand an die Stirn, geht mit der Nase fast an die Scheibe, versucht etwas vom Innenraum zu erspähen. Ich stehe auf und laufe schnell zum Eingang. Als mein Opfer durch die Drehtür kommt, stehe ich bereits an Ort und Stelle, mache ich eine Verbeugung, sage: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind unser Tausendster Gast in diesem Monat, darf ich sie zu einem Tee auf Kosten des Hauses einladen? Meininger, der später mein Partner wird, folgt mir ohne Zögern wie ein Hund zurück zu meinem Tisch. Der Kellner schlurft heran, mit einem abgewetzten Silbertablett, auf dem einige Gläser Tee vor sich hin dampfen. Er sieht so müde aus, dass ich instinktiv einen Schritt zurück trete. Bevor er über seine eigenen Beine stolpern kann, greift Meininger sich eines der Teegläser, leert es fast in einem Zug und grinst mich an. Ich nehme mir ebenfalls mein Glas Tee und staune nicht schlecht: Das Glas ist so heiss, dass ich es kaum halten kann. Ich schlürfe noch vorsichtig am oberen Rand meines Glases, der Kellner hat gerade seine Höflichkeitsformel genuschelt und will gehen - da stellt Meininger sein leeres Glas bereits wieder auf das schwankende Tablett zurück. „Meininger“. Er grinst immer noch. Ich kontere „Erhard“, bemüht, noch breiter zu grinsen, und fasse zu. Meiningers Hand fühlte sich rauh an, wie Sandpapier. Ich schlucke und sage „Ich würde Ihnen gern einige Fragen stellen. Haben Sie Zeit?“ Das Lächeln verschwindet aus seinem Gesicht. Ich muss mir etwas einfallen lassen, um es wieder hinein zu zaubern. Ich fixiere seinen Blick, der ausweicht, während ein Stückchen Stuck von der Wand bröselte. Seine Jacke sieht museumsreif aus. Er hat traurige Augen, die nach irgend etwas suchen. Ich bin mir sicher, dass ich es nicht habe. Aber ein paar Scheine kann er schon gebrauchen. Wie sich herausstellt.

Ich arbeite allein. Eigentlich. Einzige Ausnahme derzeit: Meininger, nur zeitweise natürlich. Ich rasiere Meiningers Menjou-Bärtchen ab, kaufe ihm zwei gebrauchte Anzüge, ein paar Hemden und Schlipse, einen Stift und ein Notizbuch. Als nächstes erhällt er von mir 500 Dollar „Missionsgeld“. Nicht um seine arme Seele zu bekehren, sondern um meine Aufträge auszuführen. Als sich Meininger nach seiner Verwandlung im Spiegel betrachtet meint er nur trocken: Naja, wenns denn der Wahrheitsfindung dient …“ Naja, denke ich, Meininger, eigentlich arbeite ich ja allein. Aber dann, wie sich noch zeigen sollte, was soll ich sagen, im Meininger, da habe ich bis heute einen Kameraden, einen besseren findst du nicht. Gut, gesagt - getan. Diesmal also heisses Ding, der Meininger muss nach Nürnberg fahren. Da hab ich ihm einige Interviews aufgetragen. Dort treibt sich vielleicht unser Rassist herum, der schon 9 türkische Gemüsehändler erschossen hat. Nennen wir ihn Alfons, keiner kennt ihn bis heute, auch die Polizei hat nur Hypothesen. Er arbeitet mit Schalldämpfer, Pistole in einer Plastiktüte, neunmal, immer schön unauffällig, keine Patronenhülsen am Tatort. Natürlich hochgradig illegal so ein Schalldämpfer, vielleicht Eigenbau, vielleicht ein Tüftler, Mitglied im Schützenverein, Ex-Soldat, keiner weiss es. Neun Opfer in 5 Jahren, darin ein Pause von 2 Jahren. Jetzt wieder Funkstille seit 8 Monaten. Ob er den Aufenthaltsort wechselt? Bin mal gespannt, wofür der Meininger was taugt. Und wofür nicht.

Wenn ich an Alfons denke: Vor mir sehe ich einen agilen Frührentner mit Schrotflinte. Wenn er nicht gerade seinen Waffenschrank poliert, schleppt er sich mühsam durch sein dunkles Treppenhaus, hinaus auf graues, abgenutzte Pflaster. Fährt mit seinem alten Audi 80 in den Wald oder hängt in einer der wenigen trostlosen Kneipen, die die Türken an der Stadtgrenze zwischen Nürnberg und Fürth noch übriggelassen haben. Arbeitet nicht mehr und lebt von einer kleine Pension, die ihn beweglich macht. Vorstellbar, dass er hin und wieder mitten unter der Woche Reisen unternimmt, nach Hamburg, Berlin und in andere schöne deutsche Städte, in denen Türken, Araber, Juden und Schwule die deutsche Urbevölkerung zu verseuchen drohen. Andererseite könnte Alfons auch ein unauffälliger Vertreter sein. Unterwegs im Auftrag, mit dem Auto und der Bahn quer durch Deutschland. In der Mittagspause, zwischen den Kunden: Hin und wieder ein ekleine Exekution. Die Polizei hat starke Anhaltspunkte, dass die Opfer eher zufällig ausgewählt wurden, zwei von Ihnen waren nur aus reinem Zufall am Tage Ihres Todes dort, wo Alfons irgendwann vorbeikam. Im Kopf alles fest geplant, aber mit Spontankomponente, weil Pistole, Schalldämpfer und Plastiktüte immer dabei. Praktisch zugänglich versteckt im guten alten Audi 80. Mir kommt die Idee, dass Alfons vielleicht seine Kriegserfahrungen abspult: Schon damals ist er entkommen und nicht zur Verantwortung gezogen worden. Jetzt führt er seinen Krieg als autonomes Terrorkommando weiter. Möglicherweise hat er einen Mitwisser in seiner nahen Umgebung, der eine ähnlich Hass hat. Seine Frau und Kinder, wenn er welche hat, wissen weder Details aus dem Krieg und schon gar nichts von seinen aktuellen Exekutionen.

Beitrag bearbeitet von: Schwarzes Schaf, um: 2007/08/17 01:00
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Schwarzes Schaf 2007/08/17 00:54
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