Michael Kuss
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Broadway-Blues - 2007/07/24 14:27
Broadway-Blues Abenteuer und Erotik aus New York
Jenny streckte mir schon wieder ihren Hintern entgegen. Immer wenn ich hinter der Theke vorbei zur Flaschenablage ging, war mir Jennys Gewölbe einladend im Weg. Es störte mich nicht, im Gegenteil -, aber hinter der schmalen Theke war kein Platz für soviel Provokation. Fast zwangsläufig rieb sich deshalb mein neugieriges Vorderteil an Jennys provokanten Rundungen, während sie über den Tresen gebeugt Bourbon ausschenkte und mit den Gästen quasselte.
Hinzu kam Jennys Unschuldslächeln mit einer Mischung aus Mona Lisa, Strichbiene und heiliger Bernadette. Also blieb ich im Vorbeigehen immer ein paar Sekunden hinter Jenny stehen, drückte zu, deutete, ohne auf die Gäste zu achten, ein paar ordinäre Bewegungen an, als wollte ich meinen prallen Männerstolz zielstrebig unter Jennys Rock führen. Das machte meinen neuen Job zwischen Gläser spülen und Flaschen abräumen zu einem delikaten Genuss und meine Phantasie veranstaltete Purzelbäume. "Got any experience with barwork?" hatte Jenny gefragt, als ich mich zwei Wochen vorher für den Job beworben hatte. Selbstbewusst aber verdammt übertrieben antwortete ich: "Die Hälfte meines Lebens habe ich hinter der Bar verbracht!" Was nur insofern nicht gelogen war, dass ich meine Erfahrung größtenteils nicht hinter sondern vor Bartresen gesammelt hatte. Immerhin, ich bekam den Job. Ohne Green Card und illegal nimmt ein armer Schlucker in New York alles was kommt. Jedenfalls war dieser Job als Barhelfer angenehmer und, mit Aussicht auf Trinkgeld, besser bezahlt, als vorher die vier Wochen in der fettigen Bratküche bei Mc Donalds an der Pensylvania-Station. Wer vier Wochen in New York Hamburger gebraten, Hamburger verkauft, nichts als Hamburger gegessen, in einer Ecke des Busbahnhofs auf Hamburger-Kartons geschlafen und während dieser Zeit nicht ein einziges mal die Zärtlichkeit und Wärme einer Frau gespürt hatte, weiß wovon ich rede.
Auf einem Schiff hatte ich mich bis New York durchgejobbt. In einer Rotterdamer Hafenkneipe hatte ich beim Kartenspiel zwei Deutsche, den Ersten Offizier und den Kapitän einer drittklassigen Rostdschunke kennen gelernt, die für eine Trampreederei unter nigerianischer Flagge fuhr. Der Erste meinte: "An Bord fehlt der dritte Mann zum Skat. Komm' Jung! Schipper mit uns nach Amerika! Heuer gibt's keine, aber Überfahrt, Kost und Logis sind gratis! Tagsüber kannst du den Moses spielen, ein paar Handreichungen hier und da auf dem Schiff, und abends klönen wir und spielen Skat!"
Von wegen "ein paar Handreichungen"! Während der Überfahrt hing ich tagsüber auf einem Brett, das mit vier Seilen an der Reling befestigt war, klopfte mit einem Hammer Rost von der Bordwand und schmierte anschließend Farbe darüber. Unter mir rauschte das Meer. Nach dem Abendessen spielten wir bis nach Mitternacht in der Messe Karten. In New York schlich ich ohne Visa und mit Fünf Dollar in der Tasche von Bord. Hinein in's unbekannte und geheimnisvolle New York. Wenn Rockefeller es vom Tellerwäscher zum Millionär gebracht hatte, warum sollte ich es nicht wenigstens zum - zum..., nun - das wird sich schon irgendwie ergeben...!
Jennys Bar lag in einer Seitenstraße Off Broadway. Gemischtes Publikum. Tagsüber wichtigtuerische Vertreter mit Handköfferchen und Laufkundschaft aus der Nachbarschaft; abends und nach den Vorstellungen viel Volk aus dem Showbiz. Tänzerinnen, Schauspieler und solche, die es schon seit Jahren werden wollen. Oder sie warten auf eine Rolle und auf die große Chance, und unterdessen finanzieren sie ihren Schauspielunterricht als Kellnerin, Gemüsekistenschlepper, Taxifahrer oder Gelegenheitsnutte. Außerdem ein paar Spanner und Lebenslüstlinge, die sich in dieser Sorte Bar das große Leben, einen Hauch von Erotik und Verruchtheit oder ganz simpel ein Abstauberquickie versprachen. Der dickbäuchige Autohändler Jack mit seiner rot glänzenden Trinkernase gehörte dazu, und die mittelalterliche Miss Faltgreen, eine mit Perlen und Ringen geschmückte Boutiquebesitzerin, die mich mit dem üppigen Firlefanz und Geglitzer um ihren dürren Hals an einen aufgemotzten amerikanischen Weihnachtsbaum erinnerte. Weiß der Kuckuck, was diese Frusteule so oft in unseren Schuppen trieb. Jenny hatte für prüde amerikanische Verhältnisse einige Knöpfe zu wenig an der halboffenen Bluse. Aber wir waren in New York und nicht in einem Mormonendorf im Süden der USA. Jack wusste nach dem fünften Bourbon nie, ob er seine Augen in Jennys prallen Brüsten oder in Miss Faltgreens Diamanten versenken sollte. Das Spiel zwischen Jenny und mir setzte sich bis gegen Vier morgens fort. Wir waren alle nicht mehr nüchtern. Die Bude war gerammelt voll und die Trinkgelder gaben Anlass zu Übermut. Eine Meute Frauen und Männer feierte eine gelungen Theaterpremiere. Aus der Jukebox dröhnte “I just want to make love to you”. Schweißige Körper schoben sich durch Rauchschwaden und Rotlicht; der Kameramann von Chinatown hätte ohne Requisiten arbeiten können. Das aufgeregte Rudel hatte den Smalltalk abgehakt und war zur Sache gekommen. Eine fette Mae West-Imitation war schwankend auf einen Tisch gestiegen und hatte ihren Büstenhalter in die Runde geworfen, wie eine Braut ihr Brautbouquet. Theatralisch lasziv zog sie den Rock über den Hintern und stand in einem Stückchen gehäkeltem Stoff da, das mehr an einen Schnürsenkel erinnerte und die Rundungen in zwei blassrosa Kürbisse teilte. Die Meute grölte: "More! More! We want it all!" Einer zupfte am Schnürsenkel und zog ihn auf. Sie hüpfte kichernd vom Tisch und wurde von der Meute aufgefangen. Ein bärtiger Othello vergrub seine Zunge im Mund des schmächtigen Bühnenbildners. Eine schmale Hanswurst mit traurigen Augen wie Woody Allen hatte sich die Hornbrille geputzt. Dann schob er seine Hand in den Rocksaum einer Rothaarigen mit Erbsentitten und schmalen Fältchen um die tragischen Mundwinkel. Viel Nachtschattenblau umflorte ihren Schlafzimmerblick. Gelangweilt wie eine lauernde Katze glitt ihr Blick suchend durch den Raum und streichelte gleichzeitig geschickt den Stoff, der sich über Woodys Wölbung spannte. Woody hielt mit der anderen Hand ein Glas und prostete lächelnd und mit den Augen zwinkernd einem Typen zu, den er in einer Ecke entdeckt hatte und der im roten Nebeldickicht den knabenhaften Hintern einer zierlichen Afrikanerin befummelte.
"I just want to be ***ed by you!" schrie Jenny mir ins Ohr. Sie hatte Muddy Waters Love-Song neu interpretiert. "Right now?" fragte ich zurück und drückte sie gegen den Tresen. "Right now and here!" schrie Jenny gegen den Lärm und die Jukebox an. "Hast du denn kein Bett zu Hause?" schrie ich zurück. "Wie langweilig!" Jenny warf mit einer Kopfbewegung die roten Hennahaare über die Schulter. "Wie phantasielos!" Sie stellte die Flasche ins Regal, griff mit beiden Händen zu und streichelte prüfend die Wölbung unter dem Hosenstoff. Sie hatte sich so geschickt zwischen mich und den Tresen gestellt, dass man es zwar nicht deutlich sehen, aber phantasievoll vermuten konnte, wie sie mir die Jeans aufknöpfte und den Lümmel befreite. Jenny drehte sich wortlos um, beugte sich nach vorne, wischte nonchalant mit einem Lappen über den Tresen und streckte mir die Pracht ihrer Rubenswölbung entgegen.
"Right now and here!" befahl sie mir und lachte dabei Jack ins Gesicht, der mit dieser Aufforderung nichts anzufangen wusste. Ich stand hinter Jenny und schob ihren Rock bis zum Strumpfansatz in die Höhe. Sie musste ihren Slip schon vorher ausgezogen oder überhaupt keinen getragen haben. Jedenfalls war die Bahn frei. Aus der Jukebox ertönte „Broadway Blues“. Ich bewegte mich rhythmisch mit der lang gezogenen Bluesmelodie. Jenny zwirbelte in Gegenrichtung, sehr langsam, träumerisch lasziv, fast unmerklich kreisend, nur zwischendurch, wenn der Drummer kurz einsetzte, zuckte sie und stieß mir ihr Becken stärker entgegen. "Another Bourbon?" fragte sie Jack. Dem Autofritzen schienen die Kontaktlinsen aus den flinken Schweinsäuglein zu fallen. Schweißperlen standen auf seiner geröteten Stirn. "Yes!" hechelte er nur und dann noch einmal keuchend "Yes!", was immer das bedeuten sollte. Jenny füllte großzügig den Bourbon nach und lachte in die Runde. Nur Miss Faltgreen hatte sich ein kleines bisschen hinter der Holzsäule versteckt. Sie puderte sich die schmale calvinistische Nase, blinzelte aber zu uns herüber und konnte sehen, wie ich mich kurz vor der Explosion mit beiden Händen an Jenny klammerte um meinen Schrei zu unterdrücken.
Jack hatte sich als erster gefasst und schwadronierte: "Well, Jenny! Good job! And a great performance! Really great! I should bring my friends here! It's just a great place, this damm'd bar!" Dann bestellte er für uns alle eine Runde. Als wir die Gläser hoben, kicherte Miss Faltgreen: "Good heaven! How life can be so... soo... wonderfull, - so interesting, - and full of surprises..!"
Beitrag bearbeitet von: Michael Kuss, um: 2007/07/25 16:28
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