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 Grünschnabel
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Re:Anne Chaplet - Schrei nach Stille - 2008/08/30 20:30
Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen! Hier kommt meine Rezi dazu!
Ein verhängnisvoller Sommer
Zum Inhalt:
Sophie Winter, eine erfolgreiche Schriftstellerin Anfang 60, bewohnt seit einiger Zeit in Groß-Roda, Oberhessen, ein verfallenes Haus. Hier lebten vierzig Jahre zuvor drei junge Hippies, die den Dorfbewohnern mehr als unwillkommen waren. Als sich auch noch ein Mädchen aus dem Ort mit den unkonventionellen Zugezogenen anfreundete, eskalierte die Situation. Kurz darauf verschwand ein weibliches Mitglied der Hippiegemeinschaft spurlos. Sophie, die in ihrem Buch die Dörfler des Mordes an der Vermissten anklagt, versucht die damaligen Schuldigen durch ihre Anwesenheit zu provozieren. Denn sie kennt die Geschichte nicht nur aus zweiter Hand. Ihr Nachbar Paul Bremer interessiert sich ebenfalls für die Wahrheit und auch ein Kommissar aus Frankfurt wird durch Zufall in den Fall hineingezogen. Zeitgleich verschwindet ein Junge aus dem benachbarten Klein-Roda und die Ereignisse überschlagen sich...
Meine Meinung:
"Schrei nach Stille" hebt sich wohltuend vom üblichen Krimi-Einheitsbrei ab. Anne Chaplet gelingt es grandios, die Mechanismen des dörflichen Zusammenlebens zu entlarven. Auch die Diskrepanz zwischen Landbevölkerung und den zugezogenen Städtern sowie die sich daraus zwangsläufig ergebenden Konflikte sind sehr gut herausgearbeitet. Nach der Lektüre hat man für die Haltung beider Seiten Verständnis. Eine Gut-Böse-Konstellation ist in diesem Buch nicht zu finden. Neben den sozialkritischen Aspekten ist der Roman aber vor allem eins, nämlich sehr spannend. Und das, obwohl die Autorin auf die gängigen Blutbade gänzlich verzichtet. Statt dessen durchziehen mysteriöse Vorkommnisse das gesamte Buch und durch die für einen Krimi ungewöhnlich plastischen Naturbeobachtungen wirken Sophies Haus und seine Umgebung sehr lebendig und bedrohlich. Chaplets Sprache ist sowohl bildreich als auch fantasievoll, was das Lesen sehr interessant gestaltet. Es gibt im Ganzen drei Personen aus deren Sicht die Geschehnisse erzählt werden. Neben der geheimnisvollen Hauptfigur Sophie Winter wären da noch der ehemalige Werbefachmann Bremer, der erst seit kurzem in der Gegend wohnt und Kommissar Giorgio DeLange. Man erfährt viele persönliche Details aus dem Leben der drei, die die Geschichte angenehm auflockern. Ziemlich schnell wird klar, dass Sophie Probleme mit ihrem Gedächtnis hat. Der Grund dafür wird allerdings erst auf den letzten Seiten ersichtlich, vorher hängt der Leser etwas in der Luft. Am Schluss verbinden sich die einzelnen Handlungsstränge sinnvoll miteinander und die Auflösung der beiden Vermisstenfälle ist überraschend und anders als erwartet, jedoch sehr passend.
Fazit:
Ein stimmungsvoller Kriminalroman mit einer gelungenen Spannungskurve und mystischen Elementen. Sehr zu empfehlen!
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