Tanja Küsters
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Re:Pitch Point - 2008/04/10 12:55
Hallo Virginia,
du weißt ja sicher auch, dass die Verlage ansich schon genug zu tun haben mit ihren Stammautoren und anderen Lektoratsaufgaben. Ich persönlich glaube nicht, dass sie sich die Zeit nehmen (wollen) um auf solchen Seiten nach geeigneten Neuautoren zu suchen. Denn es gibt ja schon andere Seiten im Netz, die genauso verfahren und deren Resonanz nunmal nicht überwältigend ist, noch nicht einmal akzeptabel. Und vor allen Dingen sind diese Seiten schon bekannt und länger online. Da sind noch keine großartigen Autoren draus hervorgegangen aus diesen Seiten.
Der persönliche Kontakt ist nach wie vor der Beste. Es geht ja nicht nur um das Manuskript. Das Exposé sagt soo viel aus und gibt einen Eindruck für den Verlag oder die Agentur. Es ist ja nicht das Problem, das Manuskript an den Mann zu kriegen, sondern sein Exposé so gut zu gestalten, dass es den Verlag oder die Agentur zum Weiterlesen animiert. Die haben so viel zu tun, dass sie in erster Linie die Exposés begutachten und erst dann überlegen, ob sich ein Blick in das Manuskript überhaupt lohnt. Es ist nunmal so, dass viele Formabsagen kommen und die Skripte gar nicht gelesen wurden, sondern nur die Exposés. Lektoren werden dir das bestätigen. Es ist keine Zeit zum Leser der Skripte.
Und wenn du das weißt, dieses Vorgehen im Hinterkopf hast, dann dürfte klar sein, dass erstrecht keine Zeit zum surfen im Netz ist, nach Seiten, die irgendwo Skripte oder auch Exposés hinterlegt haben. Die Lektoren surfen ja nicht im Netz und suchen solche Angebote (nicht in der Regel, es gibt Ausnahmen, aber es ist nicht gang und gäbe). Die haben nun wirklich anderes zu tun. Nicht zu vergessen, dass es Verlagen und Agenturen schon längst bekannt wäre, wenn solche Seiten wirklich DIE Autoren hervorbringen würden. Da könnten sie auch genauso gut wie gehabt verfahren und sich durch den Wust an unverlangt eingesannten Skripten arbeiten und nicht noch zusätzlich surfen. Denn das, was unverlangt eingeschickt wird, muss auch verarbeitet, bzw. bearbeitet werden. Und dann soll hinterher immer noch Zeit sein um auf solchen Seiten zu suchen? Nein, ganz gewiss nicht. Da müsste schon extra Personal aufgestockt werden, die sich nur darauf spezialisieren und nur dort suchen.
Du kannst auf dich aufmerksam machen in dem du in Literaturzeitschriften versuchst Kurzgeschichten von dir zu veröffentlichen, denn dort liegt inzwischen der Trend, dort wird definitiv häufiger nach neuen Talenten gesucht, das ist inzwischen allgemeinhin bekannt. Anthologieteilnahmen, sprich Wettbewerbe sind auch nicht schlecht. In je mehr Anthologien du erscheinst um so mehr hast du vorzuweisen. Es ist nicht die Welt, aber auch nicht schlecht, wenn man da was vorzeigen kann.
Und ansonsten würde ich die übliche Variante bevorzugen. Exposé, Anschreiben, Leseprobe vom Skript und das Geld lieber darin investieren, als in solche Seiten, die es ja auch nicht kostenfrei machen, nur am Anfang, als Lockangebot. Die Nachwuchsautoren, die du jetzt auf dem Markt siehst, wurden nicht durch solche Seiten entdeckt, sondern durch den üblichen Weg des Manuskripteinreichens, in Literaturzeitschriften oder eben durch die Vermittlung einer Agentur.
Du kannst dir das ja mal durch den Kopf gehen lassen und alle Meinungen, die du hier bekommst vergleichen und dann entscheiden.
Liebe Grüße, Tanja
Wenn ich schreibe, beflügele ich meine Seele. Wenn ich redigiere, lege ich sie an die Leine. Wenn ich lektoriere, stutze ich ihre Flügel. Wenn ich veröffentliche, gebe ich sie frei und sie wird trotzdem bei mir bleiben. ©Tanja Küsters |