Phineas
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Satanisch - 2008/08/19 11:55
T.
„Hier lebst du?“, fragte Sarah mit einer Stimme, in der ihr Vater steckte wie eine schlechte Angewohnheit. In diesem Loch, diesem Pfuhl, so klang es für Thomas. „Was dagegen?“, fuhr er sie an. „Entschuldige.“ „Das ist halt meine Wohnung.“ Er hatte sich Mäßigung vorgenommen, aber diesen speziellen Tonfall ertrug er nicht. Nicht hier in seiner Zuflucht. „Ich werde etwas aufräumen und das Geschirr spülen – später. Setz dich doch.“ Er deutete auf das Sofa. Sarah betrachtete es einen Moment, bevor sie sich weit nach vorn auf den Rand setzte. Sie war sichtlich bemüht, jede unnötige Berührung mit der Einrichtung zu vermeiden. Thomas musste gegen aufsteigende Wut ankämpfen. Ja, es war schmutzig, das sah er auch. Er hätte den Wohnzimmertisch säubern und die Couch abwischen sollen. Aber Sarah musste nicht so sein – sich zierend wie ihre Mutter, wenn etwas nicht deren hohen Ansprüchen gerecht wurde. Auch die sagte nichts, brachte aber mit jeder Geste ihr Missfallen zum Ausdruck. Wie eine Scheißprinzessin auf der Erbse. Dabei war das alles so unwichtig; bedeutungslos im Vergleich zu den wahren Dingen. Er schaltete den CD-Player ein, legte einen Jazz-Sampler auf und wurde gleich ruhiger, als die melancholische Stimme der späten Billie Holiday die Stille ablöste. „Es wäre ja nicht für ewig“, sagte Sarah. Er nickte schnell. „Nur bis ich Erfolg habe. Die Bude ist günstig, weißt du. Außerdem wohnen coole Leute hier im Haus.“ Schon wieder dieses verhaltene Lächeln. Okay, bisher hatte sie nur Ralle kennengelernt, der war schon ein bisschen durch den Wind, vom vielen Alk und Acid. „Die sind echt in Ordnung“, bekräftigte er. „Ralle war schon überall, und Tiffy ist voll die Kumpelin. Wenn du irgendwas brauchst, frag sie. Sie kann alles besorgen.“ „Du hast hier die große Freiheit.“ Es klang sehnsüchtig. Na also. „Total. Das ist so ein totaler Unterschied zum Haus deiner Eltern. Ich muss niemanden um Erlaubnis fragen und mir keine Predigten anhören. Du kennst es ja, da kann man sich anstrengen wie man will ...“ „Sie sind schon sehr streng.“ „Deine Mutter ist anspruchsvoll, und der Alte ist einfach nur unerträglich. Du darfst gar nichts, ohne vorher seine Erlaubnis einzuholen, und alles macht er schlecht. Hast du mitbekommen, wie er mich beim Essen angemacht hat? 'Ach so, Sie sind arbeitslos.' Dabei weiß er genau, dass ich viele Sachen mache. Für ihn ist jeder unabhängige, selbstständig denkende Mensch gleich ein Asi.“ Das Wort Faschist lag ihm auf der Zunge, doch er hielt es zurück. Sarah liebte ihren Vater trotz allem und hätte bestimmt einen Anfall bekommen. „Ich fand es auch nicht gut, wie er dich behandelt hat.“ Bingo. „Und es war nett, dass du so cool geblieben bist.“ Das hatte ihn alle Selbstbeherrschung gekostet, die er hatte aufbieten können. Mantra sei Dank: Alter Mann, ich schlafe mit deiner Tochter. „Ach, kein Problem.“ Er grinste. „Wir gehören zusammen. Irgendwann verstehen das auch deine Eltern.“ „Das hoffe ich sehr.“ Sarah machte immer noch einen verlorenen Eindruck. Thomas ging zu ihr, zog sie zu sich hoch und weg vom Sofa. Er küsste sie innig. Seine Hand lag auf ihre Hüfte, und er begann langsam zu tanzen. Sarah folgte. Und da waren sie wieder: der unschuldige, verliebte Ausdruck, die geröteten Wangen. Es ist wie eine Droge, dachte er. Und dass Casanova im Vergleich zu ihm doch ein Amateur gewesen sei.
Beitrag bearbeitet von: phineas, um: 2008/08/22 09:33
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