miklos_muhi
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Der Ankläger - 2008/08/03 10:16
Von überall her regnet es Warnungen, Weisheiten, Gebote und Verbote aus heiligen Schriften und aus Traditionen die noch tief in die Steinzeit zurückreichen. Jeder will jeden davon überzeugen, dass man alle seine Probleme mit einem einfachen Bekenntnis lösen kann ... da sind natürlich die viele Vorschriften, die weder klar noch eindeutig sind, die schon durch mehrere Sprachen übersetzt wurden und die noch eingehalten werden müssen, sonst droht Unheil.
Das Ganze klingt allmählich nach „Fressen Sie Scheiße – Zehn Millionen Fliegen können sich nicht irren!“ und es bewegt sich langsam aber sicher ins Extreme, in den Wahnsinn und ins Verderben.
Es gibt mehr als zwei Lehren, die behaupten, im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein und fast alle drohen Nichtanhänger mit ewigem Verdammnis (wie auch immer das genau genannt wird). Selbst die Lehren, die auf die (wortwörtlich) gleiche Schriften beruhen, bekämpfen sich erbittert gegenseitig, also es gibt keinerlei Indizien dafür, dass eine Lehre die richtige sein konnte. Unter diesen Umständen droht uns alle ewige Verdammnis (aber erst nach dem Tode, versteht sich – so, dass keine verlässliche Zeugen dafür gibt und es auch nicht dokumentiert werden kann).
Um in den Genuss der ewigen Verdammnis zu kommen, reicht es die genannte Gebote und Verbote nicht zu beachten. Das System der Gebote und Verbote unterscheidet sich erheblich bei den verschiedenen Lehren und sie widersprechen sich Fühlbar. Viele dieser Gebote und Verbote beziehen sich sogar auf nicht geäußerten Gedanken und Gefühle, von den die Umwelt per Definition nichts bemerken kann – etwas, was alle moderne Rechtssysteme ablehnen und setzen nur bei geäußerten Gedanken in Wörter oder Taten an. Um das Einhalten solcher Gebote und Verbote zu überwachen, benötigt man eine Instanz, der immer alles bekannt wird oder eben bekannt ist. Es ist nicht auszuschließen, dass die elektronische und biochemische Prozesse der Gedankenformung verfolgt werden können, indem man über jedes Elementarteilchen in jedem Moment alles weißt (Onkel Laplace und sein Dämon lassen grüßen). Seit 1927, dank eines Herren namens Werner Heisenberg musste eigentlich allgemein bekannt sein, dass das nicht möglich ist und es wundert mich immer wieder, wieso so viel Wirbel um die Evolutionstheorie von Darwin gemacht wird und das Unschärfeprinzip Heisenbergs noch nicht angegriffen wurde. Es ist anzunehmen, dass man die Tragweite des Unschärfeprinzips erst erkennen musste, was ganz offensichtlich mangels ausreichender Menge grauer Gehirnmasse ja nicht der Fall ist.
Selbst wenn die Totalüberwachung der Gebote und Verbote möglich wäre, müssen die in Aussicht gestellte Strafen auch konsequent angewendet werden – also benötigt man eine Instanz, die immer alles auf absolut deterministischer Weise beeinflussen vermag. Abgesehen davon, dass das Unschärfeprinzip das unmöglich macht, wirft so ein Zustand das Allmächtigkeitsparadoxon auf, das mit wissenschaftlichen Methoden nicht zu lösen ist.
Natürlich muss so eine Instanz überall anwesend sein ... und erstaunlicherweise ist das sogar theoretisch möglich, denn das widerspricht den Naturgesetzen ja nicht.
Überall anwesend zu sein, im Kenntnis von Geboten und Verboten, ohne eine Ahnung, was als nächstes passieren wird und ohne die Macht, andere zum Einhalten dieser Gebote und Verbote zu zwingen – vermutlich nicht so ganz erstrebenswert. Dann lieber die Rolle des Anklägers (im Hebräischen Satan genannt).
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