miklos_muhi
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Zauber - 2008/07/04 11:10
Er saß im kargen, fensterlosen Zimmer auf einem Metallstuhl. Neben der Tür stand ein Polizist. Der Kommissar, der ihn befragt hat, ist vorerst gegangen – eigentlich besser so; obwohl der Mann nur seine Arbeit macht, sind die Fragen, die immer wieder gestellt werden kaum mehr auszuhalten.
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Natürlich sollte der Abend nicht so enden. Als er den Angebot für einen Vertrag vom Casino Baden-Baden bekam sah die Welt ganz anderes aus: Der Große Durchbruch, das Große Geld und die feine Gesellschaft kamen endlich in Reichweite. Jede freie Minute hat er für den Auftritt gearbeitet, geprobt, das Drehbuch immer wieder verbessert, er träumte sogar jede Nacht seine eigene Show.
Er sprach mit unzähligen Bewerberinnen für den Posten der „bezaubernden Assistentin“, wie es in der Branche heißt; er wollte eine perfekte Assistentin oder zumindest eine, die perfekt aussah und auch die Tricks lernen konnte. Dann gingen die Proben wieder von vorne los, bis alles reibungslos funktioniert hat.
Seine Freunde waren stolz auf ihn, seine Kollegen waren neidisch ohne ende – ein gemachter Mann, wie es heißt, aber erst nach dem Probeauftritt vor dem ausgewählten Publikum, auch bekannt als Mitglieder des Vorstandes. Danach nur die Unterschriften und das beste Publikum war für Jahre gesichert.
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Kommissar Tiberius Nelson betrat wieder den Raum, nahm auf dem anderen Stuhl platz und legte einen Order mit dem merkwürdigen Titel „Spusi“ auf den Tisch. „Wollen Sie reden?“ – fragte der Kommissar mit monotoner Stimme „Ich denke, ich habe Ihnen und Ihren Kollegen schon alles sogar mehrmals gesagt. Lesen Sie einfach den Protokoll oder hören Sie sich die Aufnahmen an ...“ „Sind Sie sich sicher dass sie keinen Anwalt wollen ... oder einen Arzt?“ „Ja, das bin ich und habe beides schon schriftlich gegeben. Was wollen Sie denn noch?“ „Wo ist Frau Heller?“ „Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht, ich weiß es nicht! ... Ich habe irgendwie den Eindruck, dass Ihnen heute schon mehrmals erwähnt zu haben.“ „Wenn ich Märchen will, dann lese ich die Gebrüder Grimm! Ich will aber keine Märchen, also los ...“
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Der Höhepunkt der Show sollte das Verschwinden der bezaubernden Assistentin aus einer schwarz lackierten Holzkiste sein. Das war das A und O in seiner Konzept, das musste perfekt laufen. Geprobt wurde bis es beiden davon schlecht geworden ist, bis jeder Handgriff saß und man vom Zuschauerraum aus gar nichts vom Trick sehen, hören oder fühlen konnte. Um die Spannung zu steigern gab es eine Pause von etwa acht Minuten vor der letzten Nummer in der Show.
Diese Zeit verbrachte er mit Meditation in einem stillen Raum, wobei er das ganze Schritt für Schritt durchdacht hat: Jeden Handgriff, jede Geste und er stellte sich vor, dass er die Kiste öffnete, dass die Assistentin in die Kiste trat, dass er den Deckel schloss, dass er den so genannten Zauberformel murmelte und dass er dann den Deckel wieder öffnete und die Kiste war leer.
Nach der Pause fühlte er sich ausgeruht und ruhig, zu ruhig eigentlich, aber lief genau so, wie er sich während der Meditation vorgestellt hatte.
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„Also, nochmal: Wo ist Frau Heller?“ Er antwortete nicht, denn es hatte keinen Sinn mehr. Er hat den besten Trick seines Lebens vorgeführt und er hatte keine Ahnung, wie er das gemacht hat. Eigentlich war es kein Trick, es war echt. Sein Fehler war, dass er keine einzige Gedanke während seiner Meditation darauf verschwendet hat, dass seine bezaubernde Assistentin die Kiste verließ und sich hinter der Bühne versteckt hat.
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