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miklos_muhi
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Ruhelos - 2008/03/18 21:11 In der zweiten Woche der 13-Stunden-Tage hoffe ich auf Entspannung. Die Arbeit war getan (zumindest gut genug, um endlich wieder nach Hause fahren zu dürfen). In meinem Kopf brummen immer noch die fast schon zwecklose Berechnungen herum: Summen, Durchschnittswerte, Anzahl der Datensätze; alles dreht sich um Datensätze, die Autos auf der Straße, die Pension und jedes Zimmer ist ein Datensatz, alles hofft auf Berechnung und Drängt sich in eine riesige Liste des Lebens, mit einer dicken Summe am Ende.

Aus der Glotze quälen ... unter anderen Umständen wären es Nachrichten ... Berechnungen, Wahrscheinlichkeiten und Namen, die man ordnen und durchrechnen muss. Das Ergebnis der Berechnung sollte den Namen des nächsten Papstes ergeben, meine Gedanken gehen in den Berechnungen unter. Für das Publikum ist es Nervenkitzel, für die Buchmacher ist es Geld und für mich ist es Anlass zu einer zwanghaften Fehlersuche in meiner Arbeit der letzten Wochen.

Der Abendfilm ist ein mittelmäßiger Krimi: Ermordet, gefunden, obduziert, Spurensicherung (man kann Fingerabdrücke in Zahlen umwandeln und so suchen kann), mehrere Verdächtige, Gentest (die DNS ist auch als eine Reihe von Zahlen darstellbar), Festnahme. Mehr als die Hälfte der schematischen Handlung habe ich verpasst; war beschäftigt, wollte den Spuk der Zahlen, Listen und Berechnungen verjagen.

Es ist an der Zeit die Glotze abzustellen, die Müdigkeit meldet sich, der Schlaf bleibt fern. Ich will schlafen, ich muss schlafen, acht Stunden pro Tag, das ergibt eine Gesamtsumme von etwa 240 Stunden in einem banktechnischen Monat (wo jeder Monat 30 Tage hat), also 56 Stunden pro Woche als Zwischensummen ... Stopp!

Das vorher kühle Zimmer fühlt sich heiß an, das Bettzeugt ist eine Wärmedecke aus der Erste-Hilfe-Packung; ich finge an zu schwitzen. Decke weg, dann kam die Kälte, dann wieder die Wärme, dann wieder die Zahlen, nur der Schlaf lässt sich seit Stunden nicht blicken.

Glotze wieder an, die Polizei ist im Einsazt. Trostloser alltag, betrukene Radfahrer, laute freche und betrunkene Kinder; das Durchschnittsalter des ersten Alkoholkunsums sinkt, für Mädchen und Jungs gleicher maßen. Nicht schon wieder Berechnungen! Ich rebelliere, kämpfe und gewinne; in dieser Zeit wurde das Fahrrad des Betrunkenen geklaut.

Endlich riecht es nach Schlaf; Glotze aus, die Temperatur wird richtig; nur noch ein letzer Absurder Gedanke vor dem Einschlafen, und weg bin ich. Ich lande am Petersplatz im Vatikan, unter Buchmachern und Kardinalen. Scheinbar bin ich nicht sichtbar, denn jeder redet mit jedem und erörtet die Chanchen für den nächsten Kardinal, der auf dem Stuhl Petri Platz nehmen soll.

Mir wurde der Sinn meiner Anwesenheit bewusst, und finge an zu arbeiten. Ich berechne die Durchschnittswerte der Kardinäle (was das genau sein soll, weiß ich zwar nicht, aber ich komme sehr scheinbar gut voran), bis ein freundlicher Italiener dran wäre. Die Berechnung stockt, ich suche fieberhaft nach den Ursachen. Nach und nach wird es klar: Der Kardinäl hat ein Mobiltelefon in der Hand und spricht fließig. So kann ich seinen Durchschnittswert doch nicht berechnen, das ist nicht möglich, so funktioniert das nicht ...

Ich bin wieder in der Pension, im Bett, schweißgebadet, immer noch mit dem Schrecken der Berechnungen in den Knochen. Ich packe meine Koffer, lasse den Schlüssel im Zimmer und lasse die Tür der Pension hinter mir ins Schloss fallen. Ich lasse lieber die lange Autofahrt nach und nach die böse Geister verjagen.

Beitrag bearbeitet von: miklos_muhi, um: 2008/03/18 21:13
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      Themen Author Datum
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Schlaflos
Redaktion 2008/03/11 12:46
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miklos_muhi 2008/03/18 21:11
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herbio 2008/03/25 08:18
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Frag 2008/03/24 21:40
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Raniero 2008/03/29 19:22
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